Illumina Aktie: SpliceAI2 startet
Das neue Modell identifizierte in einer Studie 17 Prozent mehr krankheitsrelevante Varianten als andere Spleißmodelle.

- 17 Prozent mehr relevante Varianten erkannt
- 34 Prozent bessere Spleißstellen-Quantifizierung
- Training mit hundertmal mehr Daten
- Keine Umsatzzahlen zu SpliceAI2 genannt
Illumina bringt ein neues KI-Modell auf den Markt, das verborgene Ursachen seltener Erkrankungen aufspüren soll. SpliceAI2 analysiert sogenannte Spleißvarianten im Erbgut. Das sind Veränderungen, die bei der Herstellung von Proteinen Fehler auslösen können und sich mit klassischen Methoden oft nur schwer erkennen lassen.
Was SpliceAI2 leisten soll
In einem Datensatz zur Erforschung seltener Erkrankungen identifizierte das Modell 17 Prozent mehr krankheitsrelevante Varianten als andere Spleißmodelle. Grundlage waren Daten aus Genomics-England-Kohorten. Bei der Quantifizierung der Nutzung von Spleißstellen schnitt SpliceAI2 laut einer neu veröffentlichten Vorabstudie um 34 Prozent besser ab als das nächstbeste Modell. Verglichen wurde unter anderem mit der ersten SpliceAI-Generation.
Trainiert wurde das Modell auf einem hundertmal größeren Datensatz als sein Vorgänger. Das soll nicht nur mehr Treffer bringen, sondern auch die Zahl der Varianten senken, die Forscher manuell prüfen müssen. Zudem stimmten die Ergebnisse besser mit Proteineffekten aus Daten der UK Biobank überein.
Der Vorgänger ist in der Fachwelt etabliert. Er wurde in mehr als 3.400 Publikationen zitiert und fließt in Leitlinien der Organisation ClinGen zur Interpretation von Spleißvarianten ein. Darauf baut Illumina nun auf.
Teil einer wachsenden KI-Suite
SpliceAI2 reiht sich neben PromoterAI und PrimateAI-3D ein. Zusammen decken die Modelle Spleiß-, Promotor- und Missense-Varianten ab. Nach Unternehmensangaben können Forscher damit bis zu doppelt so viele Varianten mit vorhergesagter biologischer Wirkung identifizieren wie bisher.
Der Zugang läuft über die BioInsight-Anwendungen, darunter DRAGEN Annotation und Emedgene für die Keimbahnforschung. BioInsight bündelt Illuminas Geschäft mit Daten, Software und KI.
Die Einheit zielt auf Forschungseinrichtungen, Gesundheitsorganisationen und Pharmakunden, die Wirkstoffziele identifizieren und validieren wollen. Rami Mehio, Chef von BioInsight, nennt die Vorhersage von Variantenwirkungen einen Schwerpunkt des hauseigenen KI-Labors.
Strategisch ist das der Versuch, über reine Sequenzierhardware hinaus wiederkehrende Software- und Datenerlöse aufzubauen. Wie stark SpliceAI2 dazu beiträgt, lässt sich aus der Ankündigung nicht ablesen. Umsatzzahlen zum Modell nannte das Unternehmen nicht.
An der Börse blieb die Reaktion zunächst verhalten. Die Aktie notierte am Nachmittag bei rund 262,70 Dollar und gab damit etwa 1,9 Prozent nach. Eine Rolle spielt womöglich die jüngste Gewinnmitnahme nach dem Rekordhoch. Die Einführung dürfte vor allem im Forschungsumfeld und bei Biopharma-Kunden Beachtung finden, die BioInsight-Anwendungen bereits nutzen.
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