In-Deep-Analyse: Alphabet – Die besten Tage stehen noch bevor

Alphabet Inc. ist die Holding und Neuinkarnation von Google Inc. Alphabet wurde am 2. Oktober 2015 gegründet und hat seinen Firmensitz in Mountain View, Kalifornien, im Googleplex. Die Neustrukturierung von Google ist die logische Konsequenz aus dem Wunsch der Unternehmensleiter, Googles Kerngeschäft Internet Services "transparenter und besser verständlich" zu machen.

© Alphabet Inc.

Gleichzeitig sollten die Unternehmen der Gruppe, die in anderen Geschäftsbereichen tätig sind, mit einer größeren Autonomie ausgestattet werden. Nach dieser umfassenden Reorganisierung ist Alphabet die Konzernmutter von Google und einigen anderen Unternehmen, die in die Holding überführt wurden oder in der Zwischenzeit gekauft wurden.

Wie sicherlich nahezu aller Leser wissen, wurde Google von Larry Page und Sergey Brin im Jahr 1998 gegründet und 2004 an die Börse gebracht. Trotz ihres bisherigen großen Erfolges sind die beiden engagiert wie eh und je im Unternehmen. Sie sind auch die Visionäre geblieben, die sie schon beim Start des Suchmotors Google waren. Ihr Engagement spiegelt sich in der Tatsache wider, dass sie respektive CEO und Präsident von Alphabet sind.

 

Hintergrundinformation und Marktchance

Seit der Reorganisierung unterteilt Alphabet seinen Umsatz bei der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse ganz einfach in zwei Kategorien: Google und Other Bets (wörtlich übersetzt „diverse Wetten“). Im Gesamtbild ist der vom Segment Other Bets generierte Umsatz unwesentlich. Der Umsatz des Unternehmens, der sich zu 90% aus Google Advertising zusammensetzt, weist eine sehr gute geographische Diversifizierung auf, wie die folgende Grafik zeigt:

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Google selbst hat sich von seinen Anfängen als Internet-Start-up-mit einer Suchmaschine für das Internet zu einem regelrechten Konglomerat entwickelt, wobei das Unternehmen über die Marktführerschaft in diversen Segmenten der Technologie-, Informations-, Kommunikations-und Computingindustrie verfügt. Der Bereich Google beinhaltet die wichtigsten Internetprodukte des Unternehmens wie Suchmaschinen, Ads, Google Maps, YouTube, Apps, Cloud, Android, Chrome, Google Play aber auch Hardwareprodukte wie Chromecast, Chromebooks und Nexus-Geräte. IT Infrastruktur und einige neuere Bereiche wie Virtual Reality gehören auch zum Google Bereich. Das Unternehmen erwirtschaftet Umsatzerlöse in erster Linie durch Werbung, Vertrieb von digitalen Inhalten, Apps und Cloud-Angeboten für Unternehmen sowie den Verkauf von Hardware.

Die zweite mit der Bezeichnung Other Bets versehene Kategorie beinhaltet diverse Firmen und Projekte, die im Vergleich zu Google keinen wesentlichen finanziellen Beitrag leisten. Zu nennen sind in diesem Bereich Firmen wie Access/Google Fiber, Calico, Google Capital, GV, Nest, Verily, Waymo, X und diverse andere Projekte und Initiativen. Während viele dieser Bereiche über ein ausgesprochen hohes Potential verfügen, werden nennenswerte Umsätze bislang nur durch Nest Hardware Produkte, das Internet und TV Angebot von Google Fiber sowie durch Lizenz- und R&D Dienstleistungen von Verily erzielt.

Angesichts des sehr unausgeglichenen Verhältnisses zwischen den von den Bereichen Google bzw. Other Bets erzielten Umsatzerlösen – $ 64 Mrd. gegenüber $ 0,5 Mrd. zum Ende des dritten Quartals 2016 – wird ein an Alphabet interessierter Anleger nahezu ausschließlich das Google-Geschäft analysieren und bewerten. Die relative Bewertung des Bereiches Other Bets ist im Verhältnis zum Gewinn, Umsatz und einer Marktkapitalisierung von $ 580 Mrd. unwesentlich, was aber nicht bedeuten soll, dass die darin enthaltenen Unternehmen nicht für sich allein aussichtsreiche Geschäftsmodelle und Projekte sind.

Google dominiert den Online-Suchmarkt mit einem globalen Marktanteil von mehr als 80% und mit mehr als 3 bis 4 Mal so vielen Suchanfragen wie Bing (Microsoft) und Yahoo zusammen. Darüber hinaus hat das YouTube-Videobusiness fast 15 Mal mehr Zuschauer als Netflix. Dabei kann man sagen, dass sich das Ertragspotential YouTubes noch in den Kinderschuhen befindet. Die Video-Plattform hat erst unlängst damit begonnen, Netflix mit selbstproduzierten Inhalten wie Serien herauszufordern. Diese Initiative verbirgt sich hinter YouTubeRed, wo man sich für $ 9,99 pro Monat abonnieren kann.

Durch das Abonnement werden Anzeigen übersprungen und auch Googles Musik-Streaming-Dienst ist in dem Abonnement enthalten. YouTube plant Experten zufolge für das Jahr 2017 bis zu 50 Eigenproduktionen. Dank der enormen Benutzerbasis ist Youtubes Umsatzpotenzial gewaltig. Allerdings geht Alphabets Management in den Analystenkonferenzen zum Bedauern vieler Anleger nur in sehr beschränktem Maß auf das Youtube Geschäft ein.

 

Um einen Einblick in den Bereich Other Bets zu geben, stellen wir Ihnen nachfolgend einige der darin enthaltenen Unternehmen kurz vor.

Apigee

Das Unternehmen, welches im September 2016 für $ 625 Mio. erworben wurde, stellt API (Application Programming Interface) Lösungen her. APIs sind die Schlüsseltechnologie dafür, dass verschiedene Programme und Anwendungen miteinander funktionieren können. Mit dieser Übernahme sollen die Dienstleistungen für Google Cloud Kunden kontinuierlich verbessert und erweitert werden.

Nest

Nest Labs, Inc. wurde im Januar 2014 für $ 3.2 Mrd. übernommen. Das Unternehmen hat es sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, diverse Haushaltsgeräte wie Rauchmelder und Temperaturregler neu zu erfinden und diese darüber hinaus zu vernetzen. Nests Produkte sind höchst innovativ und als einer der Marktführer für einen potentiell sehr großen Markt positioniert.

Google Fiber

Innerhalb eines weiteren eigenständigen Geschäftsmodells baut Google Fiber Broadband Infrastruktur für Internet und Fernsehen auf. Das Unternehmen wurde in Städten mit einer unterdurchschnittlichen Infrastruktur wie Kansas oder Atlanta gestartet und breitet sich langsam quer durch über die Vereinigten Staaten aus. Google Fiber ist ultra-schnell mit einer Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 1,000 Megabits pro Sekunde. Mitte des Jahres 2016 hatte Google Fiber ca. 70,000 TV Abonnenten und etwa eine halbe Million Broadband Kunden.

Calico

Calico wurde im September 2013 als ein Life Science Unternehmen gegründet und mit der Mission betraut, die innovativsten Technologien und Methoden zu nutzen, um das Verständnis der Menschheit des Teilgebiets der Biologie zu verbessern, welches die Lebenszeitdauer betrifft. Calico ist unlängst eine Partnerschaft mit dem großen Pharma-Unternehmen AbbVie eingegangen, bei dem die Unternehmen ein gewaltiges gemeinsames Forschungsbudget von $ 1,5 Milliarden für Calicos Projekte zur Verfügung stellen.

Es ist fast müßig zu betonen, dass sämtliche Unternehmen, Projekte oder Initiativen der Alphabetgruppe außerordentlich davon profitieren, mit Google assoziiert zu sein. Über die Verbindung zu Google erhalten die Unternehmen Zugang zum wohl wichtigsten „Rohstoff“ des 21. Jahrhundert: Daten. Dabei ist es unbestritten, dass Google weltweit das mit weitem Abstand führende Unternehmen ist, wenn es um Daten geht, sei es Datenerfassung, -speicherung, -analyse oder -verwertung.

 

Investment Case:

  • Um es ganz einfach sagen, Alphabets beste Tage werden erst noch kommen. Der Nettogewinn (s. Grafik), aber auch der Umsatz, wächst exponentiell während die sich Dynamik bei Onlinewerbung und -video, wenn auch schon gut im Gange, immer noch in einer Beschleunigungsphase befindet.
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  • Alphabet bietet die Möglichkeit, mit den Visionären Sergey Brin und Larry Page zu co-investieren. Die beiden sind nicht nur die Hauptgesellschafter und Schlüsselmanager des Unternehmens, sondern vor allem kreative Köpfe und Innovatoren, die das Unternehmen als Wertschöpfungsvehikel sehen. Dies wird klar verdeutlicht durch die zahlreichen neuen Produkte und Projekte wie fahrerlose Autos, Roboter oder Biomedizin, die versprechen, die Art und Weise, wie Menschen leben und konsumieren, zu verändern.
  • Es ist kein Herausforderer am Horizont zu sehen. Genau wie Facebook, welches Google mit Google Plus erfolglos versucht hatte herauszufordern, ist Google ganz einfach zu groß und zu integriert, als dass ein Konkurrent dem Unternehmen auf absehbare Zeit nahe kommen könnte.
  • Bewertung: Mit einem KGV Verhältnis von 21,8x ist Alphabets Bewertung attraktiv angesichts der hohen Wachstumsraten von über 20% beim Nettogewinn und knapp unter 20% beim Umsatz.

 

Risiko und Schwächen

Die Vergütung bei Google ist äußerst großzügig. Dies zeigte sich unter anderem in den ersten neun Monaten des Jahres 2016, in denen $ 4,9 Mrd. für aktienbasierte Vergütungsaufwendungen anfielen. Diese Zahl stellt 20% des operativen Cashflows dar, was sehr hoch ist. Doch auch nach Abzug dieser Aufwendungen verbleibt das Unternehmen eine absolute „Gelddruckmaschine“ mit einer geschätzten Cash-Flow Generierung von $ 30 Mrd für das Jahr 2016. Bezogen auf den operativen Cashflows liegt der Bewertungsfaktor für 2016 nur bei ca. 19x. Der Vorteil von großzügigen Anreizen wie Unternehmensbeteiligungen durch die Ausgabe von Aktien liegt darin, Mitarbeiter zu motivieren, das Unternehmen und seine Bewertung weiter zu verbessern, was bisher zweifellos gelungen ist.

Ein zweites Risiko ergibt sich aus möglichen regulatorischen Maßnahmen durch Wettbewerbshüter. Bisher scheint es, dass die Bemühungen der Politiker, die Marktmacht von Google einzuschränken, eher als populistische Alibiaktionen als ernsthafte Initiativen zu betrachten sind. Schließlich kann Google kaum Missbrauch seiner Marktmacht vorgeworfen werden. Allerdings ist Google natürlich nicht vor politischem Druck und Opportunismus gefeit, wie erst jüngst nach Äußerungen durch den US-Präsidenten Donald Trump befürchtet werden musste.

 

Bewertung

Wie bereits oben erwähnt, die Unternehmensbewertung erscheint attraktiv. Aktuell liegt das 2018er KGV bei 21,8x. Für das Google Geschäft alleine ist das schon durchaus attraktiv. Allerdings befinden sich in der Alphabet-Gruppe eine Menge weiterer aussichtsreicher Geschäfte und Geschäftsideen in der Umsetzung, die bei diesem Bewertungsansatz nicht einmal berücksichtigt sind. Sie stellen also so etwas wie eine kostenlose Option dar.

Die aktuelle Bewertung erscheint zudem interessant, wenn man die fiskalpolitischen Initiativen Donald Trumps berücksichtigt, wie zum Beispiel niedrigere Unternehmenssteuern oder eine (teilweise) Steueramnestie für im Ausland geparkte Liquidität. Im Fall von Alphabet handelt es sich in diesem Zusammenhang um die nicht unerhebliche Summe von $ 83 Mrd. Damit könnte Alphabet im Zusammenhang mit einer Steueramnestie eine Menge Aktien zurückkaufen.

Wir finden, dass das von vielen Analysten propagierte Kursziel von $ 1,000 realistisch ist, bei einem Anlagehorizont von 12 Monaten – vorausgesetzt, dass das Unternehmen den aktuellen Wachstumstrend aufrecht erhält. Das $ 1,000 Kursziel entspricht einem Gewinnpotential von ca. 17%. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Kursmarke noch nicht dem Ende der Fahnenstange entspricht.

 

Update

Alphabet hat am 26. Januar sein Jahresergebnis veröffentlich. Dabei lag das Resultat beim Umsatz mit ca. 3% über den Erwartungen und der Nettogewinn ca. 3% unter den Erwartungen. Allerdings war dies einer im Schlussquartal sehr ungünstigen Steuerquote geschuldet.

 

Diese Analyse wurde von 4-traders.com erstellt. Weitere Analysen und Nachrichten werden börsentäglich  auf der Internetseite www.4-traders.com veröffentlicht.

 

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. MID Medieninformation und Dienstleistungen e. K. übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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