Infineon Aktie: 5-Milliarden-Fab in Dresden
Infineon meldet Rekordumsatz und baut Kapazitäten aus, während Morgan Stanley das KI-Wachstum skeptischer beurteilt als andere Analysehäuser.

- Morgan Stanley senkt Kursziel auf 65 Euro
- Drei Häuser bekräftigen Kaufempfehlungen
- Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro
- Aktienrückkauf über 175,3 Millionen Euro
Infineon steht nach einer turbulenten Handelswoche an einem Scheidepunkt: Während Morgan Stanley grundsätzliche Zweifel am KI-Wachstum äußert, bekräftigen andere Häuser klare Kaufempfehlungen. Die Aktie schloss am Freitag bei 58,06 Euro und legte an diesem Tag um 4,5 Prozent zu – eine erste Stabilisierung nach der Abstufung zu Wochenbeginn.
Morgan Stanley zweifelt am KI-Tempo
Am 8. September stufte Morgan Stanley Infineon von „Overweight“ auf „Equalweight“ zurück und senkte das Kursziel deutlich von 81 auf 65 Euro. Die Analysten bezweifeln, dass das Geschäft mit KI-Rechenzentren schnell genug wächst, um die Kursgewinne seit Jahresbeginn zu rechtfertigen.
Für den Bereich Power & Sensor Systems liegen die Umsatzschätzungen von Morgan Stanley für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 nun 18 beziehungsweise 24 Prozent unter den Konsensschätzungen – erwartet werden 6,5 Milliarden Euro respektive 7,9 Milliarden Euro. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie verlor am Dienstag 3,85 Prozent.
Die Einschätzung markiert einen deutlichen Kontrast zu anderen Analystenstimmen aus derselben Woche. Warburg Research stufte Infineon am 8. September von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigte ein Kursziel von 84 Euro.
Deutsche Bank Research beließ die Einstufung an diesem Tag ebenfalls auf „Buy“ mit einem Kursziel von 85 Euro. Berenberg äußerte sich am 9. September mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 100 Euro – der optimistischste Wert im aktuellen Analystenfeld.
Die Spanne der Kursziele zwischen 65 und 100 Euro zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das KI-Engagement von Infineon bewerten. Während Morgan Stanley auf eine mögliche Wachstumsverlangsamung im Power-Segment verweist, setzen Warburg, Deutsche Bank und Berenberg auf die strukturelle Positionierung des Unternehmens in Leistungshalbleitern.
Operatives Geschäft liefert Rekordwerte
Die Fundamentaldaten sprechen bislang für die Optimisten. Im dritten Geschäftsquartal erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro, ein Plus von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das vierte Quartal peilt das Unternehmen ein weiteres Wachstum von 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro an.
Parallel dazu treibt Infineon seine Kapazitäten und sein Portfolio aktiv voran. Anfang Juli eröffnete das Unternehmen seine neue Smart-Power-Fab in Dresden mehrere Monate früher als geplant – mit einem Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte.
Die Anlage verdoppelt die Fertigungskapazitäten am Standort und soll nach Unternehmensangaben die weltweit größte Fabrik für intelligente Leistungshalbleiter und analog/mixed-signal Technologien werden. Produziert werden dort Chips für Elektromobilität, Energieversorgung und KI-Infrastruktur.
Ende August übernahm Infineon zudem C2i Semiconductors, um seine Fähigkeiten im Bereich Power-Management-Lösungen für KI-Rechenzentren auszubauen. Anfang September folgte eine nicht bindende Absichtserklärung mit dem estnischen Anbieter Skeleton Technologies: Gemeinsam wollen die Unternehmen Architekturen für die gesamte Stromversorgungskette von KI-Rechenzentren entwickeln, darunter Solid-State-Transformatoren sowie Systeme auf Basis von Galliumnitrid, die Infineons Leistungshalbleiter mit Skeletons Superkondensator-Technologie kombinieren.
Aktienrückkauf abgeschlossen
Ergänzend dazu schloss Infineon Ende August sein Aktienrückkaufprogramm ab: Insgesamt wurden 3 Millionen Aktien zu einem durchschnittlichen Kurs von 58,45 Euro erworben, der Gesamtkaufpreis belief sich auf rund 175,3 Millionen Euro.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex. Die Aktie notiert derzeit rund 35 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, das sie im Juni erreicht hatte, während sie gegenüber dem Jahrestief vom November um 85 Prozent zulegte.
Über die vergangenen zwölf Monate steht ein Kursplus von 81 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 54 Prozent. Ob die operative Stärke aus Rekordumsatz, Fab-Ausbau und Kooperationen die Wachstumszweifel von Morgan Stanley übertrumpft, dürfte sich in den kommenden Quartalen anhand der KI-bezogenen Umsatzentwicklung im Power-Segment zeigen.
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