Infineon Aktie: 570-Millionen-Deal mit ams OSRAM abgeschlossen

Infineon schließt den 570-Millionen-Euro-Deal mit ams OSRAM ab. Analysten stufen die Aktie hoch, während neue Fabriken und Partnerschaften die KI-Ausrichtung untermauern.

Die Kernpunkte:
  • ams-OSRAM-Sensorgeschäft für 570 Millionen Euro übernommen
  • Aktienkurs steigt um über sieben Prozent im DAX
  • Neue Chipfabrik in Dresden für fünf Milliarden Euro eröffnet
  • Quartalszahlen am 5. August mit Fokus auf KI-Umsatz

Infineon hat einen entscheidenden Baustein seiner Wachstumsstrategie fest verankert: Der Erwerb des Geschäftsbereichs für nicht-optische Analog- und Mixed-Signal-Sensoren von ams OSRAM ist endgültig vollzogen. Laut dpa floss der vereinbarte Barbetrag von 570 Millionen Euro an den österreichischen Verkäufer. Die Transaktion fällt in eine Phase, in der die Aktie ohnehin unter Strom steht.

Am Dienstag sprang der Kurs um 7,36 Prozent auf 68,39 Euro und zählte damit zu den auffälligsten Bewegungen im DAX. Getragen wurde die Rally von einer sektorweiten Erholung bei Halbleiterwerten sowie von Bestätigungen einer deutlich anziehenden Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren, wie Medienberichten zufolge sowie laut Welt berichtet wurde. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro aus dem Juni fehlen der Aktie damit weiterhin 23,73 Prozent.

Analysten korrigieren ihre Einschätzung

Kurz vor dem Deal-Abschluss hatte sich auch die Analystenmeinung zu Infineon verschoben. MWB Research stufte die Aktie am 20. Juli von „Sell“ auf „Hold“ hoch, beließ das Kursziel jedoch bei 60 Euro. Analyst Abed Jarad begründete den Schritt mit der strukturell hohen Nachfrage nach KI-Chips und einer beginnenden Aufhellung in den Sparten Industrie und Automotive – zwei Bereichen, die Infineon zuletzt belastet hatten. Das beibehaltene Kursziel liegt spürbar unter dem aktuellen Kursniveau, was die weiterhin vorsichtige Grundhaltung des Hauses trotz der Hochstufung unterstreicht.

Kapazitäten, Partnerschaften und ein Patentsieg

Parallel zur Übernahme treibt Infineon mehrere strategische Projekte voran. Anfang Juli eröffnete der Konzern offiziell die neue „Smart Power Fab“ in Dresden. Mit einem Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Die Fabrik soll vor allem die Kapazitäten für Analog/Mixed-Signal-Technologien und Leistungshalbleiter für KI-Anwendungen erweitern.

Ergänzt wird diese Kapazitätsoffensive durch eine strategische Partnerschaft mit dem südkoreanischen Unternehmen LS ELECTRIC, die Mitte Juli vereinbart wurde. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung hocheffizienter Gleichstrom-Infrastrukturlösungen, um den Energieverbrauch in KI-Rechenzentren zu senken. Zudem bestätigte die US-Handelsbehörde ITC in einem finalen Urteil eine Patentverletzung durch den Wettbewerber Innoscience und untersagte diesem Import und Verkauf bestimmter Galliumnitrid-Produkte auf dem US-Markt – ein Punktsieg für Infineon im Wettbewerb um Leistungshalbleiter.

Zum 1. Juli hatte der Konzern zudem Preiserhöhungen für ausgewählte Produktgruppen umgesetzt, um gestiegene Lieferkettenkosten abzufedern und der hohen Nachfrage im Bereich KI-Infrastruktur Rechnung zu tragen. Ergänzend wurde das Investor-Relations-Team von Infineon beim „Deutschen Investor Relations Preis“ 2026 für die beste Kapitalmarktkommunikation unter den DAX-40-Unternehmen ausgezeichnet.

Blick auf die Quartalszahlen

Die nächste wichtige Wegmarke folgt bereits in gut zwei Wochen: Am 5. August veröffentlicht Infineon die Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal 2026. Anleger dürften dabei besonders auf die Entwicklung des KI-Geschäfts achten. Im Mai hatte der Vorstand die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben und erwartet nun rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz allein aus dem Bereich KI-Rechenzentren, nachdem zuvor 1,0 Milliarden Euro veranschlagt worden waren. Diese Anhebung hatte laut Reuters auch die Investitionsplanung für die neue Fabrik in Dresden beschleunigt.

Mit dem nun abgeschlossenen ams-OSRAM-Deal, der neuen Fabrik in Dresden und der Partnerschaft mit LS ELECTRIC hat Infineon binnen weniger Wochen gleich mehrere strukturelle Weichen gestellt. Ob sich diese Investitionen in den kommenden Quartalszahlen bereits messbar niederschlagen, dürfte die Richtung der Aktie in den nächsten Wochen maßgeblich mitbestimmen.

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