Infineon Aktie: Kursziel 60 Euro nach Hold
MWB Research stuft Infineon nach starkem Kursverfall von Verkaufen auf Halten hoch. Analysten verweisen auf KI-Boom und Erholungstendenzen.

- Hochstufung von Verkaufen auf Halten
- Kursziel liegt bei 60 Euro
- KI-Nachfrage übersteigt Angebot
- Erholung in Industrie und Auto
Infineon hat einen der schärfsten Kursrückgänge der jüngeren Handelsgeschichte hinter sich – und ausgerechnet in dieser Phase greifen Analysten zur Feder. MWB Research hob die Einstufung für die Aktie am 20. Juli von „Sell“ auf „Hold“ an, das Kursziel liegt bei 60 Euro. Analyst Abed Jarad begründete den Schritt damit, dass der Kursverfall die Aktie näher an ihren fairen Wert gebracht habe. Zugleich verwies er auf eine KI-Nachfrage, die das verfügbare Angebot übersteige, sowie auf sich bessernde Trends in Industrie und Automobilsektor.
Parallel zu Infineon stufte MWB Research auch Aixtron von „Verkaufen“ auf „Halten“ hoch, mit einem Kursziel von 40 Euro. Beide Titel legten am Handelstag der Hochstufung leicht zu. Die Begründung war für beide Werte identisch: intakte Fundamentaldaten, eine strukturelle Energienachfrage durch den KI-Boom, die das Angebot übersteigt, sowie eine Erholung in den Endmärkten Industrie und Automobil.
Kursverfall drückt Bewertung
Die Hochstufung fällt in eine Phase deutlicher Kursschwäche. Die Infineon-Aktie schloss am Montag bei 63,70 Euro, ein Minus von 0,31 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 26,39 Prozent zu Buche – ein Tempo, das die Aktie spürbar von ihrem 50-Tage-Durchschnitt entfernt hat. Der Relative-Stärke-Index von 34,9 signalisiert eine überverkaufte Situation, ein technisches Bild, das zur Argumentation von MWB Research passt: Der Kursrückgang habe die Bewertung bereits deutlich zurückgenommen, bevor sich die operativen Aussichten überhaupt verschlechtert hätten.
Infineon selbst äußerte sich am 20. Juli in einer Ad-hoc-Mitteilung optimistisch zur mittelfristigen Perspektive und erwartet eine positive Ergebnisentwicklung in den kommenden Jahren. Konkrete Zahlen zu dieser Einschätzung wurden in der Mitteilung nicht näher ausgeführt.
Branchenumfeld: Nachfrage nach KI-Chips bleibt Treiber
Das Marktumfeld für Halbleiterhersteller bleibt angespannt, aber nachfrageseitig robust. Der Vorsitzende der SK Group, Chey Tae-won, warnte am 20. Juli davor, dass aktuelle Speicherpreise „abnormal hoch“ seien, sah zugleich aber die Nachfrage nach KI-Chips im kommenden Jahr um 60 bis 100 Prozent steigen. Der gesamte Speichermarkt dürfte demnach um 50 bis 60 Prozent wachsen. SK hynix rechnet nach diesen Aussagen mit der schärfsten Angebotsknappheit im Jahr 2027. Chey plädierte dafür, dass Unternehmen ihre Produktion ausweiten, statt Preise weiter hochzuhalten – auch um neue Wettbewerber wie den chinesischen Speicherhersteller CXMT abzuschrecken, dessen Börsengang für den 24. Juli an der Star Market in Shanghai mit einem angestrebten Erlös von 8,6 Milliarden US-Dollar angesetzt ist.
Für Infineon als europäischen Halbleiterkonzern fügt sich dieses Umfeld in die Argumentation der jüngsten Analystenreaktion: Eine strukturell hohe Nachfrage nach Chips für KI-Infrastruktur und eine erwartete Erholung in Industrie- und Automobilmärkten stehen einem Aktienkurs gegenüber, der binnen weniger Wochen erheblich an Wert verloren hat. Ob die Hochstufung von MWB Research den Boden markiert, dürfte sich in den kommenden Handelswochen zeigen, sobald sich die operativen Trends in harten Zahlen niederschlagen.
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