Infineon Aktie: Neues Werk, roter Kurs

Infineon nimmt in Dresden ein neues Werk für Leistungshalbleiter früher als geplant in Betrieb, die Aktie verliert dennoch an Wert.

Die Kernpunkte:
  • Fertigstellung drei Monate vor Zeitplan
  • Fünf Milliarden Euro Investitionssumme
  • Aktie fällt um über zwei Prozent
  • Konzern setzt verstärkt auf KI-Infrastruktur

Ein Fabrikbau, der drei Monate früher fertig wird als geplant, gehört in der Chipindustrie zu den Ausnahmen. Genau das schafft Infineon heute in Dresden – und die Börse reagiert trotzdem mit einem Kursdämpfer. Zwischen industrieller Punktlandung und Anlegerstimmung klafft an diesem Donnerstag eine Lücke.

Die Smart Power Fab startet vorzeitig

Seit dem Spatenstich im Mai 2023 vergingen gerade einmal drei Jahre bis zur Inbetriebnahme. Rund fünf Milliarden Euro hat Infineon in die neue Anlage gesteckt, etwa eine Milliarde davon stammt aus öffentlicher Förderung. Mit dem Werk verdoppelt der Konzern seine Produktionskapazität am Standort Dresden und schafft rund 1.000 neue Stellen.

Gefertigt werden Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern – Bauteile, die in Elektroautos, erneuerbaren Energien, Rechenzentren und Industrieanlagen stecken. Der Reinraum erstreckt sich über zwei Etagen und rund drei Fußballfelder, das Gebäude reicht 40 Meter in die Höhe und 22 Meter in den Boden. Betrieben wird die Fab komplett mit Ökostrom, produziert wird mit Industriewasser statt Trinkwasser.

Zur Eröffnung sprechen Vorstandschef Jochen Hanebeck und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte aus terminlichen Gründen abgesagt, Digitalminister Karsten Wildberger springt für ihn ein.

Der Kurs spiegelt die Freude nicht

An der Börse kommt die Nachricht zunächst gedämpft an. Die Aktie verliert zeitweise 2,18 Prozent auf 76,20 Euro. Ein Werksstart allein bewegt selten den Kurs – Investoren blicken bereits auf die nächsten Wochen und die Frage, wie schnell sich die neue Kapazität in Umsatz übersetzt.

Strategisch positioniert sich Infineon derzeit ohnehin neu. Statt nur als zyklischer Auto- und Industriezulieferer gelesen zu werden, rückt der Konzern zunehmend als Zulieferer für Stromversorgung und Effizienzlösungen im KI-Infrastrukturausbau in den Blick – ein Markt, der von Rechenzentren getrieben wird und andere Wachstumslogik folgt als das klassische Chipgeschäft.

Ergänzt wird das Portfolio durch eine kürzlich abgeschlossene Übernahme: Für 570 Millionen Euro in bar hat Infineon das Geschäft mit nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensoren von ams OSRAM übernommen. Die Transaktion stärkt das Sensorsegment und passt zum Ausbau der Leistungselektronik-Sparte, die nun auch physisch in Dresden mehr Fläche bekommt.

Mit der neuen Fab verfügt Infineon über zusätzliche Kapazität, um Nachfrage aus Automobil- und Energiesektor zu bedienen, sobald sich die Zykluslage dort wieder aufhellt. Ob das die Investoren in den kommenden Handelstagen überzeugt, hängt weniger vom Werk selbst ab als von den nächsten Auftragszahlen aus dem Kerngeschäft.

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