Infineon Aktie: SiC-Bauteile senken Verluste um 70 Prozent

Infineon stattet Fox-ESS-Solarspeicher mit effizienteren CoolSiC-Chips aus. Der Halbleiterriese treibt trotz schwacher Aktie sein Wachstumsgeschäft voran.

Die Kernpunkte:
  • Neuer Großauftrag für Solarstromspeicher
  • Effizientere Chips senken Schaltverluste
  • Aktie bleibt trotz Auftrag unter Druck
  • Strategische Expansion in KI-Rechenzentren

Infineon Technologies weitet sein Geschäft mit Leistungshalbleitern für die Energiewende aus. Der chinesische Anbieter Fox ESS bezieht künftig CoolSiC-MOSFETs mit 1200 Volt der zweiten Generation für seine Photovoltaik-Speichersysteme. Nach Unternehmensangaben senken die Siliziumkarbid-Bauteile die Schaltverluste um 70 Prozent gegenüber herkömmlichen Lösungen.

Für Infineon ist der Auftrag ein weiterer Beleg dafür, dass sich das Siliziumkarbid-Geschäft trotz der schwierigen Marktphase im Halbleitersektor als Wachstumstreiber behauptet.

Speichersysteme für Solaranlagen gelten als einer der am schnellsten wachsenden Absatzmärkte für Leistungshalbleiter, weil Netzbetreiber und Haushalte zunehmend auf Pufferkapazitäten setzen. Höhere Effizienz bei Schaltverlusten wirkt sich hier direkt auf Speicherkapazität und Betriebskosten der Systeme aus.

Kursentwicklung bleibt unter Druck

An der Börse hat die Nachricht bislang keine Wende gebracht. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 55,55 Euro und legte damit 1,1 Prozent zu, notiert aber weiterhin deutlich unter ihren gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50 und 100 Tage.

Zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, erreicht Anfang Juni, beträgt der Abstand 38 Prozent. Seit den Quartalszahlen vor gut drei Wochen hat das Papier rund 8 Prozent verloren, seit der Inbetriebnahme der Smart Power Fab in Dresden vor über einem Monat sogar knapp 30 Prozent.

Der jüngste Kursrutsch traf Infineon trotz Rekordwerten beim Umsatz und einer angehobenen Jahresprognose – Ausdruck eines breiten Abverkaufs im gesamten Halbleitersektor, der auch solide Geschäftszahlen nicht honorierte. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 47 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 54 Prozent – die aktuelle Schwäche relativiert sich damit vor dem Hintergrund eines insgesamt starken Jahres.

Wachstumsfelder abseits der Kernzahlen

Der Fox-ESS-Auftrag reiht sich ein in eine Serie strategischer Schritte, mit denen Infineon sein Portfolio jenseits klassischer Fahrzeug- und Industrieelektronik verbreitert.

Erst am Montag hatte der Konzern die Übernahme von C2i Semiconductors bekanntgegeben, um Kompetenzen im Power-Management für KI-Rechenzentren auszubauen – ein Markt, der angesichts des Rechenzentrumsbooms als besonders vielversprechend gilt.

Auch die neue Smart-Power-Fab in Dresden, mit einem Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro die nach eigenen Angaben weltweit größte Fabrik für intelligente Leistungshalbleiter, zielt auf diese wachsenden Anwendungsfelder.

Auf der Aktionärsseite bleibt die Beteiligungsstruktur im Blick: Der norwegische Staatsfonds Norges Bank unterschritt laut Stimmrechtsmitteilung die Meldeschwelle von 3 Prozent und hält nun 2,99 Prozent der Stimmrechte, die Gesamtposition inklusive Instrumenten liegt bei genau 3,00 Prozent.

Ein technischer Indikator liefert zusätzlichen Kontext zur aktuellen Stimmung: Der RSI von 37,4 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, was auf eine gedämpfte kurzfristige Anlegerstimmung hindeutet, ohne dass sich daraus eine Kaufempfehlung ableiten lässt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage gemischt: Operativ liefert Infineon mit neuen Aufträgen, Zukäufen und Kapazitätserweiterungen Wachstumsimpulse in mehreren Zukunftsfeldern gleichzeitig. Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass der Markt diese Fortschritte derzeit dem allgemeinen Gegenwind im Halbleitersektor untergeordnet hat.

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