Infineon Aktie: Smart Power Fab Dresden startet

Nach einem Kursverlust von 22 Prozent liegen die Analystenziele für Infineon zwischen 61 und 108 Euro. Operative Fortschritte stehen skeptischen Prognosen gegenüber.

Die Kernpunkte:
  • Analystenziele klaffen um 75 Prozent auseinander
  • UBS sieht Kursziel bei 61 Euro
  • Bank of America taxiert auf 108 Euro
  • Neue Chipfabrik in Dresden gestartet

61 Euro oder 108 Euro – bei kaum einer anderen Aktie liegen die Kursziele der Analysten derzeit so weit auseinander wie bei Infineon. Nach einem herben Kursrutsch streiten Banken über den fairen Wert des Chipkonzerns. Die Differenz beträgt mehr als 75 Prozent.

Ein ungewöhnlich tiefer Riss

Infineon schloss am Freitag bei 63,90 Euro. In den vergangenen 30 Tagen hat die Aktie rund 22 Prozent verloren. Dieser Rücksetzer hat die Meinungen der Analysten weit auseinandergetrieben.

Die UBS sieht das Kursziel bei nur 61 Euro und bleibt bei „Neutral“. Die Bank verweist auf mögliche Marktanteilsverluste im KI-Segment. Zusätzlich warnt sie vor einem schwierigen China-Geschäft in der zweiten Jahreshälfte.

Die Bank of America hält dagegen. Sie taxiert das Kursziel auf 108 Euro und begründet dies mit Infineons starker Position bei der Stromversorgung für KI-Rechenzentren. Auch Berenberg (100 Euro) und Jefferies (96 Euro) bleiben deutlich optimistischer als die UBS.

Operative Fortschritte trotz Kursschwäche

Während die Analysten streiten, liefert Infineon operativ. Anfang Juli startete die neue „Smart Power Fab“ in Dresden den Betrieb. Das rund 5 Milliarden Euro teure Werk fertigt Analog- und Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren.

Der Konzern hat zudem die Integration des von ams OSRAM übernommenen Sensor-Geschäfts abgeschlossen. Beide Schritte sollen die Abhängigkeit von zyklischen Märkten senken. Vor wenigen Tagen kam eine Kooperation mit LS Electric im Bereich Gleichstrom-Infrastruktur für KI-Anwendungen hinzu.

Die Kernfrage: Reichen diese operativen Erfolge aus, um die Skepsis der Bären zu widerlegen? Eine Antwort liefert erst der Blick auf die kommenden Quartalszahlen.

Chart zeigt Überverkauf-Signal

Der Kursrutsch hat die Aktie technisch in eine auffällige Zone geführt. Der RSI liegt bei 35,1 und nähert sich der Marke von 30, die als überverkauft gilt. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 75,18 Euro fehlen der Aktie aktuell rund 15 Prozent.

Trotz der Korrektur bleibt die Jahresbilanz stark. Seit Jahresbeginn steht Infineon noch immer mit rund 69 Prozent im Plus. Marktbeobachter werten die aktuelle Schwäche als Realitätscheck nach der starken Rallye im ersten Halbjahr.

Am 5. August legt Infineon die Zahlen für das dritte Quartal vor. Dieser Termin dürfte klären, welche Analysten-Fraktion mit ihrer Einschätzung richtig lag. Bis dahin bleibt die Aktie hoch volatil – die 30-Tage-Volatilität liegt derzeit bei rund 62 Prozent.

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