Infineon auf Mehrjahreshoch, BMW im Dividenden-Loch — DAX gespalten

Infineon klettert um über vier Prozent und krönt eine beeindruckende Jahresrally. Am anderen Ende des DAX reißt der Dividendenabschlag BMW nach unten. Dazwischen: Siemens auf Rekordkurs, Volkswagen im Erholungsmodus — und zwei Werte, die trotz positiver Analystenstimmen nicht aus dem Abwärtstrend finden.

GewinnerKursVeränderung
Infineon67,65 EUR+4,3 %
Siemens272,20 EUR+1,8 %
Volkswagen88,56 EUR+1,6 %
VerliererKursVeränderung
BMW76,64 EUR-5,1 %
Scout2474,70 EUR-3,4 %
Heidelberg Materials180,80 EUR-2,0 %

Infineon: KI-Boom treibt den DAX-Primus auf neue Höhen

Fast 90 Prozent Plus seit dem Jahrestief. Infineon ist 2026 der mit Abstand stärkste DAX-Wert — und heute setzt der Halbleiterkonzern mit einem Tagesgewinn von 4,3 Prozent auf 67,65 Euro noch einen drauf. Das neue Mehrjahreshoch kommt nicht aus dem Nichts.

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Anfang Mai lieferte Infineon Quartalszahlen mit einem Umsatz von 3,81 Milliarden Euro, die im Rahmen der Erwartungen lagen. Wirklich entscheidend war die angehobene Jahresprognose: Über 16 Milliarden Euro Umsatz peilt das Management nun an — befeuert durch die explodierende Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen.

Zusätzlichen Rückenwind liefert ein juristischer Erfolg. Die U.S. International Trade Commission hat ein Import- und Vertriebsverbot gegen den chinesischen Wettbewerber Innoscience verhängt — wegen Patentverletzungen bei der Galliumnitrid-Technologie. Für Infineon stärkt das die Marktposition in einem Schlüsselbereich.

Analysten haben reagiert: JPMorgan und Jefferies heben ihre Kursziele auf 74 bis 75 Euro, Goldman Sachs sieht ebenfalls 75 Euro. Ab dem vierten Geschäftsquartal will Infineon zudem die Segmentstruktur von vier auf drei Bereiche straffen — Automotive, Power Systems und Edge Systems. Das soll die operative Agilität erhöhen.

Ein Warnsignal bleibt: Die Aktie hat sich weit von der 200-Tage-Linie entfernt. Solche Konstellationen signalisieren häufig kurzfristige Überhitzung.

Siemens: Doppelter Analystenrückenwind für den Industrieriesen

Siemens klettert um 1,8 Prozent auf 272,20 Euro und bewegt sich damit in Reichweite neuer Rekordstände. Hinter dem Kursanstieg steckt eine konzertierte Aktion aus dem Research: Die LBBW hat ihr Kursziel am 13. Mai von 315 auf 325 Euro angehoben. Gleichzeitig stufte Goldman Sachs die Aktie von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch.

Strukturell profitiert Siemens von der Tochter Siemens Energy, die zuletzt die eigene Prognose anhob und damit die Bilanz des Mutterkonzerns stärkt. Besonders die Sparte Smart Infrastructure gilt als Wachstumsmotor. Sie automatisiert und digitalisiert Gebäude sowie Stromnetze — ein Geschäft, das vom Boom bei Rechenzentren und der globalen Elektrifizierung massiv profitiert.

Der heutige Kursanstieg spiegelt keinen Einmaleffekt wider. Was sich hier abzeichnet, ist eine anhaltende Neubewertung des Konzerns als Profiteur der KI-Infrastrukturwelle.

Volkswagen: Xpeng-Gespräche wecken Hoffnung nach dem Abverkauf

Volkswagen legt 1,6 Prozent auf 88,56 Euro zu. Noch Ende April notierte die Aktie bei ihrem 52-Wochen-Tief von 82,66 Euro — die aktuelle Erholung ist also noch jung. Als Kurstreiber gelten Gespräche mit dem chinesischen Elektroauto-Hersteller Xpeng über ein mögliches gemeinsames Werk in Europa. Ein strategisches Signal, das die Elektromobilitätsambitionen des Konzerns unterstreicht.

Das operative Bild bleibt allerdings durchwachsen. Im abgelaufenen Quartal verdiente VW 2,61 Euro je Aktie, nach 3,69 Euro im Vorjahreszeitraum. Trotzdem sehen Analysten erhebliches Aufholpotenzial: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 116,55 Euro — mehr als 33 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Die heutige Kurserholung dürfte auch technische Gründe haben. Nach dem starken Abverkauf der Vorwochen greifen Schnäppchenjäger bei einem der günstigst bewerteten DAX-Werte zu.

BMW: Dividendenabschlag erklärt das Minus — fast vollständig

Minus 5,1 Prozent auf 76,64 Euro — das sieht dramatisch aus, ist aber größtenteils ein buchhalterisches Phänomen. Am Mittwoch war Ex-Dividenden-Tag für BMW. Die auf der Hauptversammlung beschlossene Dividende von 4,40 Euro je Aktie ergibt, bezogen auf den letzten Schlusskurs von 80,70 Euro, einen rechnerischen Abschlag von rund 5,45 Prozent.

Die Hauptversammlung am 13. Mai brachte noch eine weitere Neuerung: Stamm- und Vorzugsaktien werden zusammengelegt. Bisherige Vorzugsaktionäre erhalten damit künftig ein Stimmrecht.

Jenseits des Dividendeneffekts bleibt der operative Ausblick verhalten. BMW peilt für 2026 eine stabile Marge zwischen vier und sechs Prozent an. Analysten hatten auf eine Erholung auf immerhin 5,7 Prozent gehofft. Der Nahost-Konflikt und anhaltend hohe Ölpreise drücken zusätzlich auf die Stimmung im gesamten Automobilsektor.

Ökonomisch betrachtet ist das heutige Minus neutral. Entscheidend wird sein, ob BMW seine Gewinnkraft in einem schwierigen Umfeld behaupten kann. Dividendenaktien holen solche Abschläge erfahrungsgemäß zügig wieder auf.

Scout24: Nach dem Kapitalmarkttag kommt die Ernüchterung

Scout24 gibt 3,4 Prozent auf 74,70 Euro nach. Ein klassisches „Buy the rumour, sell the news“-Muster: Rund um den Kapitalmarkttag am 12. Mai war die Aktie kräftig gestiegen. Nun nehmen Anleger Gewinne mit.

Dabei waren die präsentierten Ziele durchaus ambitioniert:

  • Jährliches Umsatzwachstum am oberen Ende des hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereichs
  • EBITDA-Marge von rund 64 Prozent bis 2028
  • Weiterentwicklung zum „Agentic Operating System“ für Immobilien — ein KI-gestütztes Ökosystem

Die UBS reagierte positiv und hob das Kursziel von 105 auf 112 Euro an. Die KI-Führerschaft des Portalbetreibers sei untermauert worden.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie dennoch 12,6 Prozent verloren. Der heutige Rücksetzer reiht sich in einen übergeordneten Abwärtstrend ein, den die kurze Kapitalmarkttag-Rally nur unterbrochen hat. Die Kluft zwischen optimistischen Analystenstimmen und dem tatsächlichen Kursverlauf bleibt bemerkenswert.

Heidelberg Materials: Aktionärsfreundlich, aber ohne Kurseffekt

Heidelberg Materials verliert 2,0 Prozent auf 180,80 Euro und setzt damit den schwachen Trend der vergangenen Monate fort. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 17 Prozent — und das, obwohl das Unternehmen mit aktionärsfreundlichen Maßnahmen aufwartet.

Die Hauptversammlung am 13. Mai stimmte einer Dividendenerhöhung auf 3,60 Euro je Aktie zu. Zudem startet die dritte Tranche des Aktienrückkaufprogramms über 450 Millionen Euro. Beides kommt am Markt offenbar nicht an.

Der Grund liegt im Ausblick. Das Management peilt für 2026 ein operatives Ergebnis zwischen 3,40 und 3,75 Milliarden Euro an. Der Mittelwert dieser Spanne verfehlt die bisherigen Analystenschätzungen um rund 3,6 Prozent. Im aktuellen Baustoffumfeld fehlt dem Markt schlicht die Überzeugung.

Die Kursziele der Analysten divergieren erheblich: Jefferies sieht 285 Euro, Barclays 241 Euro, die Deutsche Bank 225 Euro. Alle liegen deutlich über dem aktuellen Niveau. Der Markt wartet auf überzeugende operative Signale, bevor er diesen Einschätzungen folgt.

KI gegen Konjunktur — der DAX bleibt zweigeteilt

Der heutige Handelstag verdichtet ein Muster, das den DAX seit Monaten prägt. Technologie und Industrie profitieren von globalen Megatrends rund um KI-Infrastruktur und Rechenzentren. Zyklische Sektoren wie Automobil und Baustoffe kämpfen mit Margendruck, geopolitischen Risiken und einem verhaltenen Konjunkturumfeld.

Wer 2026 auf Technologie und Infrastruktur gesetzt hat, wird bislang belohnt. BMW-Aktionäre können den heutigen Rückgang gelassen einordnen — er ist zu einem Großteil technischer Natur. Bei Scout24 und Heidelberg Materials hingegen bleibt das Chartbild angespannt. Eine nachhaltige Trendwende erfordert dort operative Fortschritte, die über Dividenden und Rückkäufe hinausgehen.

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