Inflationssprung im Euroraum bringt EZB in die Zwickmühle

Energie verteuert das Leben, während moderate Kerninflation und angespannte Anleihemärkte gegen eine schnelle Zinserhöhung sprechen.

Die Kernpunkte:
  • Teuerung steigt im September auf 3,8 Prozent
  • Kernrate erhöht sich leicht auf 2,5 Prozent
  • Französische Zehnjahresrendite erreicht rund fünf Prozent
  • Oktober-Zinserhöhung gilt an Märkten als unwahrscheinlich

Die Teuerung im Euroraum zieht wegen hoher Energiekosten wieder spürbar an. Im September kletterte die Inflationsrate auf 3,8 Prozent nach 3,2 Prozent im Vormonat. Die Europäische Zentralbank gerät dadurch unter Zugzwang, dürfte eine rasche Zinsanhebung im Oktober jedoch meiden: Aus Sorge um die Stabilität der europäischen Anleihemärkte überwiegt bei den Währungshütern vorerst die Vorsicht.

Vor allem teures Erdgas und gestiegene Kraftstoffpreise treiben die Lebenshaltungskosten. Die Kernrate, die schwankungsanfällige Posten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, legte hingegen nur leicht von 2,4 auf 2,5 Prozent zu.

Kerninflation dämpft Sorgen vor Lohnspirale

Dieser verhaltene Anstieg der Kerninflation verschafft den Notenbankern etwas Luft. Ein Ausufern sogenannter Zweitrundeneffekte ist bisher nicht in Sicht. Da sich der europäische Arbeitsmarkt verhalten entwickelt, fehlen breite Spielräume für kräftige Lohnsteigerungen. Das begrenzt das Risiko einer sich selbst nährenden Teuerung.

Hinzu kommt die angespannte Lage an den Anleihemärkten. Steigende Renditen verteuern die Refinanzierung hoch verschuldeter Staaten und belasten deren Haushalte empfindlich.

Hohe Renditen belasten Staatsfinanzen

In Frankreich erreichte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen mit rund 5 Prozent den höchsten Stand seit 2002. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen kletterte auf Mehrjahreshochs. Zeitgleich steuert Italiens Staatsschuld auf fast 139 Prozent der Wirtschaftsleistung zu.

Ein weiterer schneller Zinsschritt könnte die Risikoaufschläge europäischer Staatspapiere zusätzlich in die Höhe treiben. Marktbeobachter werten dies als klares Signal, dass die EZB die Finanzstabilität derzeit höher gewichten dürfte als die jüngste Entwicklung der Gesamtinflation.

Der Einlagenzins der EZB liegt gegenwärtig bei 2,5 Prozent. An den Terminmärkten gilt eine Straffung im Oktober als unwahrscheinlich, und ein nächster Schritt ist erst für Januar vollständig eingepreist. Erst mit den neuen Projektionen im Dezember dürfte die Notenbank ihre geldpolitische Linie neu ausrichten – vorausgesetzt, die Energiepreise ziehen in den kommenden Wochen nicht weiter an.

Anzeige

Stand heute, 2. Oktober: Nvidia – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Nvidia investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 2. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Nvidia: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …