Intel Aktie: 200-Dollar-Rechnung im Härtetest

Ein Analyst hält 200 Dollar für möglich, doch Intels Foundry-Wette hängt von 14A, Kundenverträgen und offenen Ohio-Verhandlungen ab.

Die Kernpunkte:
  • Intel gewinnt zwölf Prozent Wochenkurs
  • Analyst sieht theoretisch 200 Dollar
  • 14A-Massenproduktion für 2028 vorausgesetzt
  • Ohio-Deal mit SK hynix offen

Zwölf Prozent Kursgewinn in dieser Woche, angetrieben von Metas neuem KI-Assistenten Muse – und mittendrin ein Analyst, der nicht nur an der Rallye teilhaben, sondern sie deutlich übertreffen will. Ben Reitzes von Melius Research bringt für Intel ein Szenario ins Spiel, das den Aktienkurs binnen zwei Jahren verdoppeln könnte. Wie belastbar ist eine solche Rechnung wirklich?

Foundry-Geschäft als Hebel

Metas Chatbot-Konkurrent Muse hat in den USA mehr als 730.000 Downloads verzeichnet und damit sogar ChatGPT im App-Store überholt. Weil KI-Agenten wie Muse für laufende Anfragen deutlich mehr Rechenleistung benötigen als klassische Textmodelle, rückten Anbieter von Server-CPUs und Beschleunigern in den Fokus. Neben Intel legten auch AMD und Arm kräftig zu, AMD übersprang erstmals die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert.

In dieses günstige Umfeld platzierte Reitzes seine Sum-of-the-Parts-Bewertung: Foundry- und Produktgeschäft könnten jeweils 80 Dollar je Aktie wert sein, zusammen mit zusätzlichem Gewinnpotenzial aus KI-PCs und Serverchips ergebe sich ein theoretisches Kursziel von 200 Dollar.

Als Beleg für die strategische Ernsthaftigkeit des Foundry-Ausbaus wertet der Analyst den im August abgeschlossenen Kapitalaufstieg über rund 19,7 Milliarden Dollar netto, den Intel für Investitionen in die Chipfertigung nutzen will.

Zwei Bedingungen entscheiden über die Wette

Die Rechnung steht allerdings auf wackligen Beinen. Sie setzt voraus, dass Intels neuer Fertigungsprozess 14A im Jahr 2028 in die Massenproduktion geht und dass sich Apple, Tesla sowie mindestens ein weiterer Hyperscaler verbindlich zu diesem Verfahren bekennen. Hinzu kommt die Spekulation, Intels Foundry-Sparte könnte um das Jahr 2030 als eigenständiger nationaler Champion der US-Chipindustrie ausgegliedert werden – gestützt auf mutmaßliche Unterstützung durch die US-Regierung, Nvidia und SoftBank.

Auch die viel diskutierten Ohio-Pläne mit SK hynix, die Intel zusätzliche Fertigungskapazität einbringen könnten, sind bislang nicht mehr als Verhandlungsgegenstand. Ein Deal steht nicht fest.

Konsens bleibt vorsichtig

Reitzes‘ offizielles Kursziel von 165 Dollar liegt bereits am oberen Rand der Analystenlandschaft. Von 32 bewertenden Experten stufen 23 die Aktie mit „Hold“ ein, sieben raten zum Kauf, zwei zum Verkauf.

Die Kursziele reichen von 80 bis 200 Dollar – bei einem Durchschnitt von 117,56 Dollar. Diese breite Streuung zeigt: Der Markt hat einen Teil der Foundry-Fantasie bereits eingepreist, traut sich aber nach dem starken Kurslauf dieses Jahres keine einheitliche Prognose mehr zu.

Die 200-Dollar-Marke bleibt damit ein Extremszenario, das an mehrere unbestätigte Ereignisse gekoppelt ist – von verbindlichen 14A-Kundenzusagen bis zum Ausgang der Ohio-Gespräche. Ob diese Bausteine tatsächlich fallen, dürfte sich frühestens mit konkreten Kundenverträgen oder einem finalisierten SK-hynix-Deal zeigen.

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