Intel Aktie: Gespaltene Analysten-Lager
Intel übertrifft Umsatz- und Gewinnerwartungen, verzeichnet aber einen Milliardenverlust. Analysten sind sich über die Bewertung uneinig.

- Umsatzsprung um 25 Prozent
- Milliardenverlust durch Wertberichtigung
- Foundry-Geschäft wächst rasant
- Analysten-Kursziele stark uneinheitlich
Ein Rekordquartal, ein Milliardenverlust und Kursziele, die zwischen 85 und 200 Dollar auseinanderklaffen — bei Intel passt gerade wenig zusammen. Der Chipkonzern hat mit seinen Zahlen für das zweite Quartal 2026 die Wall Street überrascht, doch die Reaktionen der Analysten könnten unterschiedlicher kaum ausfallen.
Umsatzsprung trifft auf Bilanzverlust
Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um ein Viertel auf 16,1 Milliarden Dollar — das schnellste Wachstum seit Jahren und deutlich über den von Analysten erwarteten 14,4 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 42 US-Cent, etwa doppelt so hoch wie prognostiziert. Unter dem Strich stand dennoch ein Verlust von elf Milliarden Dollar, der auf eine buchhalterische Wertberichtigung auf treuhänderisch gehaltene Aktien zurückgeht. Diese sollen im Austausch für Milliardensubventionen an die US-Regierung übergehen, die im Zuge des rund zehnprozentigen Staatsanteils an Intel vereinbart wurden.
Auch der Ausblick auf das dritte Quartal übertraf die Markterwartungen deutlich. Treiber war vor allem das Geschäft mit Rechenzentren und KI-Chips, das um fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte. Die Aktie reagierte vorbörslich mit einem Kurssprung, bleibt aber ein gutes Stück unter ihrem Jahreshoch von rund 142 Dollar aus dem Juni entfernt.
Foundry-Fortschritte, aber ein fehlender Ankerkunde
Intel meldete Fortschritte bei der eigenen Fertigung: Die Ausbeute des 18A-Prozesses liegt über den Erwartungen, für den Nachfolger 14A ist der Hochlauf ab 2028 beschlossen. Das externe Foundry-Geschäft wuchs im Quartalsvergleich um 68 Prozent, das ASIC-Geschäft legte binnen eines Jahres um fast 300 Prozent zu. Um mit dem Investitionstempo Schritt zu halten, hob das Unternehmen die Investitionsausgaben für 2026 auf 20 Milliarden Dollar an, nach zuvor 18 Milliarden Dollar.
Trotz dieser Fortschritte fehlt dem Auftragsfertigungsgeschäft nach Einschätzung mehrerer Analysten weiterhin ein großer Ankerkunde. Genau dieser Punkt sorgt für Skepsis, obwohl die operativen Zahlen stimmen.
Die Kursziele der Analystenhäuser spiegeln diese Uneinigkeit wider:
- KeyBanc: Overweight, Kursziel 155 Dollar
- JPMorgan: Underweight, Kursziel von 45 auf 85 Dollar angehoben
- Cantor Fitzgerald: Neutral, Kursziel von 150 auf 125 Dollar gesenkt
- BofA Securities: Buy, Kursziel 160 Dollar
- HSBC: Buy, Kursziel 200 Dollar
Die Begründungen ähneln sich: starke Nachfrage, hohe Verkaufspreise und ein besser als erwartetes Foundry-Geschäft auf der einen Seite. Anhaltende Marktanteilsverluste an AMD bei Server-CPUs, Spekulationen über eine mögliche Kapitalerhöhung und eine ambitionierte Bewertung auf der anderen. Der Titel notiert derzeit bei einem EV/EBITDA-Multiplikator von rund 37 — ein Wert, den selbst optimistische Häuser als sportlich bezeichnen.
Unter CEO Lip-Bu Tan, der das Unternehmen seit Anfang 2025 führt, treibt Intel den Umbau mit Kostensenkungen voran — die aufgegebenen Werkspläne in Magdeburg waren Teil dieser Strategie. Für die Anleger bleibt der Widerspruch bestehen: Die operativen Daten überzeugen, doch solange kein großer Foundry-Kunde öffentlich benannt wird, dürfte die Kursziel-Spanne zwischen 85 und 200 Dollar bestehen bleiben.
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