Intershop Communications: Jetzt auf der richtigen Spur?

Dass der Internethandel großartige Wachstumsperspektiven hat, ist unbestritten und spiegelt sich auch in regen Startup-Aktivitäten wider. Dabei wird von Investoren gern übersehen, dass zum Erfolg auch der technische Background entscheidend beiträgt. Ein Quasi-Veteran auf diesem Gebiet ist die in Jena ansässige Intershop Communications, die nun ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2015 vorgelegt hat.

 

© stockpics - fotolia.com
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Auf den ersten Blick sicherlich ein schwieriges Zahlenwerk, das mit rückläufigen Umsätzen und negativen Erträgen aufwartet. Doch im Detail ist zu erkennen, dass Intershop Communications durchaus Fortschritte macht. Was einer Neupositionierung des Unternehmens zu tun hat.

 

Neuausrichtung schafft neue Wachstumsperspektiven

Kern dieser Neupositionierung ist die Bereitstellung von Software-Lösungen und dazugehörigen Dienstleistungen wie Implementierung, Wartung und Weiterentwicklung entsprechender Handelsplattformen. Damit hat Intershop Communications die Abkehr von früheren Geschäftsmodellen vollzogen, in denen das Unternehmen neben seiner alten und neuen Kernkompetenz auch Angebote wie Online-Marketing machte – und sich damit eindeutig verzettelte.

Nun soll das Produktgeschäft im Mittelpunkt stehen, was angesichts der vorgelegten Zahlen auch schon einige positive Spuren hinterlässt. So gingen die Umsätze zwar um 12% gegenüber dem Vorjahr zurück. Vorstandchef Jochen Moll erklärte dazu im Interview: „Zum einen haben wir im letzten Jahr unser nicht-strategisches Online-Marketing-Geschäft verkauft. Bereinigt man den letztjährigen Umsatz um diesen Effekt, lag unser Umsatzrückgang nur bei 3 %. Zum anderen hatten wir in der Vergangenheit einen starken Fokus auf Großkunden. Und in diesem Kundensegment führten ausgelaufene Projekte im Verlauf des Jahres 2014 zu erheblichen Umsatzeinbußen.“

 

Das komplette Interview lesen Sie HIER.

 

Intershop hofft auf weiteren Ausbau im Produkt- und Lizenzgeschäft

Dabei zeigten die Produktumsätze und Lizenzverkäufe mit Wachstumsraten von 21% bzw. 43% deutliche Verbesserungen. Das Wartungsgeschäft legte um 7% zu. Im Service-Geschäft kam es wegen des angesprochenen Verkaufs und geringerer Auftragsvolumen von zwei Großkunden einen Rückgang um 23%. Da der Servicebereich mit 13,6 Mio. Euro immer noch das größte Segment darstellt, gab es entsprechend insgesamt ein Umsatzminus. Doch steht zu erwarten, dass sich das bei weiteren Erfolgen im Produkt- und Lizenzgeschäft bald ändern könnte.

Auf der Ertragsseite konnte Intershop interessante Fortschritte machen. So lag der operative Gewinn auf EBITDA-Basis bei 1,4 Mio. Euro, nachdem er im Vorjahr noch einen Verlust auswies. Beim EBIT wurde das Minus von 4,3 Mio. Euro aus dem Vorjahreszeitraum auf nur noch minus 500.000 verringert. Nach Steuern reduzierte sich so der Verlust von ehemals 4,4 Mio. Euro auf nur noch 600.000 Euro.

 

Finanzielle Ausstattung stabilisiert

Auch in der finanziellen Ausstattung hat sich Positives getan. So konnten die liquiden Mittel von 6,4 Mio. Euro auf 7,7 Mio. Euro gesteigert werden. Der schon im Vorjahr positive, aber sehr kleine Cash Flow wurde auf 2,5 Mio. Euro verfünffacht. Kein Wunder also, dass sich das Management durchaus positiv, wenngleich weiterhin eher zurückhaltend gibt. Aber es ist nicht zu übersehen:

Mit seinen Angeboten könnte Intershop Communications gerade im derzeit boomenden Internethandel mit zahlreichen jungen Startups als Zulieferer mit inzwischen 20 Jahren Erfahrung durchaus gut ankommen. Bisher bekannt gewordene Kunden wie Mister Spex oder etablierte Anbieter wie Staples oder Tassimo zeigen da den richtigen Weg. Jochen Moll dazu: „Wir verzeichnen insgesamt seit Jahreswechsel einen erheblichen Zuwachs an neuen Kunden und Projekten und unsere Pipeline für Neugeschäft ist gut gefüllt.“

 

Aktie mit viel Potenzial, aber hohem Risiko

Auf die aktuellen Zahlen reagierte der Markt eher verschnupft, was aber nicht überbewertet werden sollte. Grundsätzlich gilt: Die Suche nach dem richtigen Geschäftsmodell in den letzten Jahren hat viel Vertrauen im Markt gekostet. Deshalb ist Intershop auch ein High-Risk-Papier par excellence.

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Doch wenn sich die neue Strategie nachhaltig ausbauen lässt, dürften die aktuellen Kursstände wohl bald der Vergangenheit angehören. Kursziele wollen wir dabei nicht in den Raum stellen, aber selbst eine mögliche Verbesserung auf 2,1 Euro (die letzte Spitze von Anfang 2014) wäre ja schon eine 70%-Chance. Als spekulative Beimischung ist Intershop also durchaus interessant.

 

Wie das Management die Halbjahresbilanz wertet und die eigenen Perspektiven einschätzt, haben wir direkt beim Vorstandschef Jochen Moll nachgefragt. Bitte lesen Sie hier dazu das Interview.

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