Interview mit Dr. Dirk Markus, Vorstandschef Aurelius AG

AURELIUS: „Mehr Exiterträge als im Gesamtjahr 2015“

Nach dem Rekordjahr 2015 ist die Beteiligungsgesellschaft AURELIUS mit zwei Exit-Transaktionen auch sehr erfolgreich ins Jahr 2016 gestartet. So haben die Münchner die jetzt verkaufte Beteiligung fidelis HR innerhalb von nur drei Jahren neu ausgerichtet und das eingesetzte Kapital um einen deutlichen zweistelligen Wert vervielfacht.

Dr. Dirk Markus © Aurelius
Dr. Dirk Markus © Aurelius

Wir haben uns mit Aurelius-Vorstandschef Dr. Dirk Markus über die jüngsten Verkaufserfolge, eine steigende Ausschüttung für 2016 sowie das mittelfristige Umsatzziel von 5 Mrd. Euro unterhalten.

Börse Global: Herr Dr. Markus, AURELIUS hat seine Beteiligung fidelis HR an den strategischen Investor SD Worx verkauft. Welche Bedeutung hat dieser Exit für den AURELIUS Konzern?

Dr. Dirk Markus: Der Verkauf unserer Tochter fidelis HR war einer der größten und lukrativsten Exits unserer Unternehmensgeschichte. Zum kommerziellen Erfolg kommt hinzu, dass wir mit SD Worx den idealen Käufer für die Zukunft der fidelis HR sowie deren Mitarbeiter gefunden haben. Dieser Exit wird für uns jedoch nur einer von mehreren im laufenden Geschäftsjahr 2016 sein. Etliche unserer Töchter haben sich zu profitablen Unternehmen entwickelt, für die im Markt ein großes Interesse besteht.

Inwiefern war fidelis HR ein typischer AURELIUS-Case? Welche Restrukturierungserfolge haben Sie mit dieser Beteiligung seit ihrem Einstieg 2013 erzielt?

Dr. Dirk Markus: Wir hatten das Unternehmen im Jahre 2013 aus einer Sondersituation erworben. Das Unternehmen war ein nicht mehr zum Kerngeschäft zählender Randbereich des japanischen Fujitsu-Konzerns. Das Unternehmen hatte damals zwar ein attraktives Serviceangebot und sehr kompetente Mitarbeiter, aber um die Ertragskraft war es schlecht bestellt. In den vergangenen drei Jahren haben wir das Unternehmen neu ausgerichtet und konnten dadurch die Gewinnmarge (EBITDA) auf über 10 % steigern.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Könnten Sie uns dennoch verraten, ob Sie die historisch erreichten Exit-Multiple von 9 auf das eingesetzte Kapital auch in diesem Fall realisieren konnten?

Dr. Dirk Markus: Die erfreuliche Entwicklung des Unternehmens vom ungeliebten Sorgenkind und Randbereich im Großkonzern zur Cashcow hat sich entsprechend positiv auf unsere Rendite aus der Transaktion ausgewirkt. Wir haben unser eingesetztes Kapital um einen deutlichen zweistelligen Wert vervielfacht und damit in diesem Fall unser historisches Exit-Multiple von über neun signifikant übertroffen.

Vor zwei Wochen haben Sie sich zudem von einem größeren Aktienpaket an der börsennotierten Berentzen-Gruppe AG getrennt. Sehen Sie auch die Sanierung bei Berentzen als abgeschlossen an?

Dr. Dirk Markus: Berentzen ist für uns als AURELIUS Konzern eine echte Erfolgsgeschichte. Dieses große deutsche Traditionsunternehmen war durch einen jahrelangen Gesellschafterstreit und unglückliche Managemententscheidungen tief in die Verlustzone gerutscht als wir es im Jahr 2008 erworben haben. Heute ist Berentzen eine professionell geführte und ertragsstarke Aktiengesellschaft. Das klassische Kerngeschäft mit Spirituosen ist wieder profitabel und mit neuen Angeboten wie beispielsweise dem frischen Orangensaftsystem „CITROCASA“ ist das Unternehmen wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.

Durch den Verkauf eines Teils unserer Anteile wird zudem die Handelsliquidität – und damit auch die Attraktivität – der Berentzen-Aktie deutlich gesteigert. AURELIUS hält nach diesem Teilexit noch ca. 29 Prozent an Berentzen.

Im vergangenen Jahr waren Sie auf der Einkaufsseite deutlich aktiver als auf der Exitseite. Nun haben Sie bereits im ersten Quartal zwei Exits gemeldet, ist 2016 die Zeit der Ernte gekommen?

Dr. Dirk Markus: Irgendwo ist bei uns immer gerade Erntezeit. Bei 25 Töchtern setzt sich das Ergebnis aber immer wieder neu zusammen. Wir werden 2016 wahrscheinlich in der glücklichen Lage sein, sowohl von den steigenden Erträgen bestehender Beteiligungen als auch von einer größeren Anzahl an Exits zu profitieren. Gewinne entstehen bei uns aber nicht erst im Zeitpunkt eines Verkaufs, sondern auch während der konsequenten Neuausrichtung unserer Töchter auf langfristiges Wachstum. Ein wichtiger Erfolgsfaktor bleibt dabei der richtige Exit-Zeitpunkt und der passende, d. h. der für das Unternehmen, für seine Mitarbeiter und für uns optimale Käufer.

Sie haben angekündigt, auch für 2016 Ihre Aktionäre in Form einer Partizipationsdividende direkt an den Exiterfolgen zu beteiligen. Demnach ist im kommenden Jahr eine deutlich höhere Gesamtdividenden zu erwarten oder liegen wir mit dieser Einschätzung falsch?

Dr. Dirk Markus: In jedem Jahr schütten wir die Hälfte der Exitgewinne zusätzlich zur Basisdividende als Partizipationsdividende aus. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres will ich jedoch nicht vorwegnehmen. Wenn wir das erste Quartal betrachten, so befinden wir uns hier auf einem sehr guten Weg und haben bisher schon mehr Erträge aus Verkäufen generiert als im Gesamtjahr 2015. Eine Erhöhung der Partizipationsdividende ist damit gesichert. Wie stark sie letztendlich ansteigen wird, hängt von den im weiteren Jahresverlauf noch realisierten Exits ab. Wir sind uns dabei auch der Tatsache bewusst, dass eine hohe Ausschüttung für unsere Aktionäre im derzeitigen Nullzinsumfeld von besonderer Bedeutung ist.

Wie gut ist Ihre Transaktionspipeline auf der Einkaufsseite gefüllt? In welchen Märkten sehen Sie derzeit die größten Potenziale?

Dr. Dirk Markus: Der Markt für Unternehmenstransaktionen läuft weiterhin sehr gut. Wir sind an etlichen interessanten Übernahmeobjekten dran – wobei unser Fokus dabei unverändert auf Europa liegt. Mit unseren Auslandsbüros in Großbritannien, Spanien und Schweden sind wir auch in diesen Märkten ganz nah an den Konzernen vor Ort. Unsere Umsatzgröße von inzwischen 3 Milliarden Euro, unser hoher Bestand an liquiden Mitteln und unser Restrukturierungsteam von fast 100 Mitarbeitern ermöglichen es uns zudem, bei einem attraktiven Angebot auch größere Übernahmen zu stemmen. Wichtig ist jedoch, dass es klassische AURELIUS-Transaktionen sind, also Unternehmen, bei denen man durch operative Begleitung die Entwicklung positiv beeinflussen kann.

Welche Ziele haben Sie sich für das Gesamtjahr gesetzt?

Dr. Dirk Markus: Wir werden weiter wachsen. Basisdividende und Partizipationsdividende sollten zulegen. Auf der Kaufseite rechnen wir mit ca. sechs bis acht Übernahmen und auch auf der Verkaufsseite gehen wir von weiteren Exits aus. Dabei ist es aber immer unsere Strategie gewesen, uns nur dann von einer Tochter zu trennen, wenn dies sowohl für unsere Aktionäre als auch für das Unternehmen und seine Mitarbeiter die beste Alternative ist.

In einem früheren Interview hatten Sie als mittelfristiges Ziel einen Konzernumsatz von 5 Mrd. Euro ausgegeben. Steht dieses Ziel nach wie vor im Zentrum Ihres Handelns oder orientieren Sie sich in erster Linie an Ergebniszielen?

Dr. Dirk Markus: Mit dem Sprung von zwei auf jetzt fast drei Milliarden Euro Umsatz haben wir in den letzten Monaten einen großen Schritt auf dem Weg zu unserem bisherigen Ziel zurückgelegt. Die reine Umsatzgröße stand und steht jedoch nicht im Mittelpunkt unserer Strategie. Noch wichtiger sind uns die Ergebnisseite und unser Ziel, auch weiterhin unseren Unternehmenswert zu steigern und damit das eingesetzte Kapital unserer Aktionäre nachhaltig zu vermehren.

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Interview.

Lesen Sie hierzu auch unseren letzten Bericht: Aurelius - Mit neuem Kursziel auf Höhenflug

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