Interview mit Dr. Dirk Markus, Vorstandschef Aurelius AG

In wenigen Tagen legt die Beteiligungsgesellschaft Aurelius ihre Halbjahreszahlen vor. Und dabei dürfte sie aufgrund überwiegend positiver Entwicklungen bei den Beteiligungs-Töchtern ebenfalls deutliche Steigerungen bei Umsatz und Ertrag melden können. Wir haben uns mit dem Aurelius-Vorstandschef Dr. Dirk Markus darüber unterhalten, wo er die aktuellen Schwerpunkte der Akquisitionsstrategie sieht und was das für die eigenen Wachstumsperspektiven bedeutet.

 

Dr. Dirk Markus © Aurelius
Dr. Dirk Markus © Aurelius
Börse Global: Herr Dr. Markus, wenn man die jüngsten Meldungen verfolgt, gewinnt man den Eindruck, dass AURELIUS die Schlagzahl, insbesondere auf der Einkaufsseite, nochmals erhöht hat. Ist dem so?

Dr. Dirk Markus: In der Tat, wir konnten in diesem Geschäftsjahr bereits fünf Übernahmen vermelden. Unsere neueste Tochter ist die britische Klinikkette Transform. Eine Steigerung der Anzahl an Transaktionen ist jedoch kein Selbstzweck. Wir kaufen ausschließlich Unternehmen mit vielversprechendem Entwicklungspotenzial, die wir zu einem günstigen Preis erwerben können.

 

Inwiefern spielt Ihnen die inzwischen erreichte Größe bei den Verhandlungen in die Karten?

Dr. Dirk Markus: Das Angebot an interessanten und für uns infrage kommenden Kaufzielen hat sich deutlich erhöht. Wir sind heute mit unseren freien Mitteln in Höhe von über 100 Millionen Euro und unserer Erfahrung aus über 60 Übernahmen in den letzten 10 Jahren in der Lage, auch größerer Übernahmen aus eigener Kraft zu stemmen.

 

Ihr jüngster Coup ist wie bereits angesprochen die Übernahme einer britischen Klinikkette für kosmetische Chirurgie. Was reizt Sie an diesem Unternehmen?

Dr. Dirk Markus: Transform steht für hohe Qualität und verfügt in Großbritannien über eine hervorragende Wettbewerbsposition in einem Wachstumsmarkt. Insgesamt ist Transform in 27 Kliniken in ganz Großbritannien aktiv. Zwei weitere sind speziell auf plastische Chirurgie ausgerichtet. Der Anstieg der Lebenserwartung sowie die zunehmende Akzeptanz für Schönheitsoperationen werden für einen langfristig steigenden Umsatz sorgen.

 

Durch die jüngsten Zukäufe hat AURELIUS sein Auslandsgeschäft deutlich ausgeweitet. Überspitzt gefragt: Finden Sie in Deutschland keine geeigneten Zukäufe mehr?

Dr. Dirk Markus: Keine Sorge, wir werden auch in Deutschland weiter wachsen. Unser Auslandsgeschäft kommt jedoch von einem deutlich niedrigeren Niveau. Wir können jetztdurch unsere Niederlassungen in London, Stockholm und Madrid auch ausländische Märkte sehr viel besser bearbeiten und unseren Bekanntheitsgrad in diesen Märkten signifikant steigern. Für uns ist es zweitrangig, wo ein Unternehmen in Europa ansässig ist. Die Qualität, der Preis und das Potenzial der Gesellschaft sind die entscheidenden Kaufkriterien.

 

Auch aus dem bestehenden Portfolio gab es zuletzt eine ganze Reihe von positiven News. Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights dabei?

Dr. Dirk Markus: Die Entwicklung ist insgesamt sehr erfreulich. Unsere Töchter konnten fast alle bei Umsatz und Ertrag zulegen. Ein besonderes Bonbon war die Übernahme der restlichen 22 Prozent von Getronics. Studienkreis wächst organisch und durch Eröffnung und Übernahmen neuer Standorte – alleine 60 seit Übernahme durch AURELIUS. Berentzen hat mit Citrocasa und Mio Mio Mate Tee neue Perspektiven jenseits der harten Spirituosen gefunden und brightONE sowie Isochem glänzen mit namhaften neuen Großkunden.

 

Die Halbjahreszahlen liegen noch nicht vor. Könnten Sie uns dennoch eine erste Indikation geben, wie zufrieden Sie mit der operativen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte waren?

Dr. Dirk Markus: Wir sind voll auf Kurs. Durch die Zukäufe wird der Umsatz für das erste Halbjahr 2015 deutlich ansteigen. Auch organisch konnten unsere Töchter ihren Umsatz erhöhen. Wir rechnen darüber hinaus mit einer gestiegenen Ertragskraft. Die operativen Margen unserer Beteiligungen haben sich erfreulich entwickelt. Insgesamt hat sich die Wirtschaft in Europa stabilisiert und es bieten sich gute Wachstumsaussichten. Auch der schwache Euro hilft hier. Diese Gesamtentwicklung stimmt uns auch für die zweite Jahreshälfte sehr zuversichtlich.

 

Welche Ziele haben Sie sich für das Gesamtjahr gesetzt?

Dr. Dirk Markus: Wir wollen 2015 erneut mit einem Rekordergebnis abschließen. Der Konzernumsatz sollte in Richtung der 2-Mrd.-Euro-Marke klettern. Beim Ertrag rechnen wir mit einem prozentual noch stärkeren Anstieg. Unser Ziel ist eine erneute Erhöhung unserer Basisdividende und auch die Ausschüttung einer Partizipationsdividende.

 

Inwiefern spielen bei Ihren Planungen für die zweite Jahreshälfte auch Exits eine besondere Rolle?

Dr. Dirk Markus: Wir planen für das zweite Halbjahr mit mehreren Unternehmensverkäufen. Derzeit befinden wir uns hierzu in intensiven Gesprächen. Entscheidend dabei ist, dass ein Verkauf sowohl für die jeweilige Tochter als auch für AURELIUS die beste Lösung ist.

 

Die AURELIUS-Aktie notiert trotz des Dividendenabschlags in Höhe von 2 Euro und trotz der jüngsten Turbulenzen am Aktienmarkt schon wieder nahe ihres Jahreshochs. Sind Sie selbst auch überrascht von dieser hohen relativen Stärke?

Dr. Dirk Markus: Nein. Wir arbeiten nun seit zehn Jahren sehr erfolgreich und konnten in den vergangenen das eingesetzte Kapital im Schnitt um den Faktor 9,3 vermehren. Die Anleger haben verstanden, dass wir mit unserem Ansatz der systematischen Optimierung und unserer hierbei zum Einsatz kommenden Task Force dies auch in Zukunft anstreben und hierfür die richtigen Weichenstellungen getroffen haben.

 

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Interview.

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