Interview Rock Tech Lithium: Vom Explorer zum Produzenten

Rock Tech Lithium: “Die geschätzten Ressourcen liegen um 40 Prozent höher als zuvor angenommen.“

 Interview mit Dirk Harbecke, Chairman of the Board

Lithium-Aktie haben in diesem Jahr bislang nicht überzeugen können. Nach einem starken Jahr 2017 gab es bei vielen Branchenvertretern zum Teil heftige Kursverlsute. Einer davon war auch die deutsch-kanadische Rock Tech Lithium. Börse Global hat mit dem Chairman Dirk Harbecke über die Herausforderungen des Lithium-Marktes gesprochen und wie sein Unternehmen sich selbst zukünftig positionieren möchte.

Börse Global: Herr Harbecke, der Kurs von Rock Tech ist in den vergangenen Monaten schwer unter die Räder gekommen und hat sich seit dem Hoch von 1,40 Euro Anfang November auf nur noch knapp 70 Cent halbiert. Was sind die Gründe?

Dirk Harbecke / © Rock Tech Lithium

Dirk Harbecke: Die Stimmung für Lithiumaktien ist zum Jahresanfang völlig gedreht, genau wie jene für Rohstoff-Explorer insgesamt. Neben diesem grundsätzlichen Stimmungseinbruch gab es Lithium-spezifische Gründe für Investoren Gewinne mitzunehmen. Zum Beispiel vermeldete erst SQM, das ist der zweitgrößte Lithiumproduzent der Welt, seine Produktionskapazität an Lithium von 48.000 Tonnen in 2017 auf 70.000 Tonnen in diesem Jahr auszubauen und dann im nächsten Jahr nochmals auf 100'000 Tonnen zu steigern.

Dann gab es fast zeitglich eine Studie von Morgan Stanley mit der These, die Nachfrage nach Lithium würde bis 2025 weltweit nur auf 578.000 Millionen Tonnen pro Jahr steigen und damit deutlich unter dem Angebot liegen. Ein Überangebot könnte den Lithiumpreis dann auf 7.000 Dollar pro Tonne halbieren.

Durch die Ankündigung von SQM und die Studie von Morgen Stanley ist auch das Sentiment für Lithiumaktien völlig gedreht. Das hat vor allem Explorer wie Rock Tech hart getroffen.

Damit scheint aber auch klar, dass die Aussichten für Lithiumproduzenten bei weitem nicht so rosig sind, wie noch im vergangenen Jahr angenommen.

Dirk Harbecke: Das sehen wir völlig anders. Für die Batterie eines Elektroautos braucht man je nach Größe circa fünfzig Kilogramm Lithium. Selbst wenn nur elektrisch motorisierte Kleinwagen hergestellt werden sollten, würden die von Morgan Stanley prophezeite Nachfrage nur für etwa acht Millionen Fahrzeuge reichen.

Tatsächlich braucht man für einen Tesla S oder die SUVs von Porsche, Mercedes oder Audi bis zur doppelten Menge Lithium. Allein VW will bis 2025 bis zu drei Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr bauen. Dafür würden die Wolfsburger rund 150.000 Tonnen Lithium benötigen – also bereits fast ein Drittel der Nachfrageprognose von Morgan Stanley – dabei wird Marktanteil von VW am Neuwagenmarkt sicher nicht bei 30 Prozent liegen! Aber auch andere Volumen- und Premiumhersteller werden umfangreiche Mengen des Leichtmetalls brauchen. Dazu kommt noch der Bedarf für Busse, Lkw oder für Unterhaltungselektronik und Stromspeicher. Vor diesem Hintergrund schätzt Goldman Sachs, dass die Nachfrage auf rund 780.000 Tonnen steigen wird, die UBS geht sogar von mehr als einer Million aus. Das ist näher an der Realität, da Lithium nicht nur für Autos, sondern auch für Stromspeicherung und alle weiteren Batterien zum Beispiel in Laptops oder Handys gebraucht wird.

Zurück zu Rock Tech. Gab es hier operativ Entwicklungen, die zu dem Kurssturz beigetragen haben?

Dirk Harbecke: Ganz klar nein. Im Gegenteil, wir sind in den zurückliegenden Monaten einen großen Schritt weitergekommen. Im März haben wir den deutschen Spezialisten DMT damit beauftragt, aus bereits bestehenden Daten und mit neuen Untersuchungen unsere Ressourcenschätzungen zu aktualisieren.

Die Ergebnisse haben wir Ende Juni veröffentlicht: Die geschätzten Ressourcen liegen mit 13,29 Millionen Tonnen lithiumhaltigem kristallinem Gestein um 40 Prozent höher als zuvor angenommen. Gleichzeitig wurden die Ressourcenkategorien hochgestuft. Die neue Ressourcenschätzung beruht auf 175 Bohrengen mit einer Länge von insgesamt 29 Kilometren. Vor diesem Hintergrund sind wir von der Qualität der Schätzung überzeugt.

Rein rechnerisch hätte die Aktie doch um mindestens 40 Prozent steigen müssen. Doch sie hat im Prinzip nicht reagiert. Haben Sie eine Erklärung?

Dirk Harbecke: Das ist theoretisch richtig – aber wir alle wissen, dass die Börse beziehungsweise die Anleger nicht klar rational entscheiden. Wir waren von der Reaktion der Aktienmärkte daher nicht sonderlich überrascht. Am Tag, als wir die neuen Ressourcenschätzungen veröffentlich haben, wurden kaum Aktien gehandelt. Vereinfacht gesagt hat den Markt die tatsächlich sehr guten Ergebnisse einfach nicht interessiert. Das zeigt, wie negativ das Stimmungsumfeld bei Lithiumaktien ist – und zeigt eben auch, wie wichtig oft irrationale Anlegerstimmung ist.

Die Aktien anderer Explorer hat es ja zum Teil sogar noch schlimmer getroffen als Rock Tech – zum Beispiel Wealth Minerals, Nemaska oder Millennial Lithium.

Ist denn der geschätzte Ressourcenumfang als Endergebnis zu verstehen?

Dirk Harbecke: Nein. Letztes und vorletztes Jahr haben wir neue Pegmatite gefunden, die in der aktuellen Ressourcen-Schätzung noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Es wird weitere begrenzte Bohrungen geben, da wir vermuten, dass in Georgia Lake noch mehr lithiumhaltiges Gestein lagert als die bislang geschätzten 13,29 Millionen Tonnen. Definitiv wissen tun wir das natürlich nicht, aber es ist eine logische Schlussfolgerung aus der Geologie unseres Explorations-Gebietes.

Für einen wirtschaftlichen Abbau müssen die Vorräte in einer Lagerstätte eine gewisse Größe haben. Auf wie viele Millionen Tonnen lithiumhaltiges Gestein müsste Rock Tech denn kommen, damit sich eine Produktion rechnet?

Dirk Harbecke: Wir gehen davon aus, dass mit den nun veröffentlichten 13,29 Millionen Tonnen diese Menge bereits erreicht beziehungsweise überschritten wird. Mit den erwarteten Funden neuer Pegmatite während der Produktion würde sich die Situation natürlich weiter verbessern.

Sie sagen, Sie möchten Rock Tech vergleichsweise zügig von einem Explorer zu einem Produzenten weiterentwickeln. Über welche Zeiträume reden wir da?

Dirk Harbecke: Dieser Zeitplan liegt nicht voll umfänglich in unserer Hand, da zum Beispiel eine Vielzahl weiterer Genehmigungen von den Regierungen in Ontario und Ottawa eingeholt werden müssen. Dennoch sollte ein Produktionsstart, wenn alles gut läuft, in zwei bis drei Jahren möglich sein.

Welche konkreten Maßnahmen sind in diesem Zeitraum notwendig?

Dirk Harbecke: Der nächste große Schritt ist eine sogenannte Preliminary Economic Assessment Study (die sogenannte PEA), also eine vorläufige wirtschaftliche Bewertung der Lagerstätte. Die DTM arbeitet bereits an der Studie. Die Ergebnisse erwarten wir im September.

Wie wollen Sie denn das finanzieren. Ende März beliefen sich die Finanzmittel auf netto 2,5 Millionen kanadische Dollar, also umgerechnet gerade einmal 1,6 Millionen Euro.

Dirk Harbecke: Aufgrund ausgeübter Optionen und Warrants des Managements und der Altaktionäre hält die Gesellschaft noch immer mehr als 2 Millionen kanadische Dollar in bar vor. Die Kosten für die PEA sind überschaubar.

Herr Harbecke, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Carsten Müller. Hinweis auf Interessenskonflikte: Es liegen keine Interessenkonflikte, z.B. Beteiligungen an genannten Unternehmen, vor.

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