Intesa gewinnt den Kampf um Siena, die Börse bleibt skeptisch

MPS-Aktionäre verwarfen den Abwehrplan; Kartellprüfung und staatliches Vetorecht stehen Intesas Übernahmeangebot noch entgegen.

Die Kernpunkte:
  • Rund 91 Prozent kippten den Abwehrplan
  • Intesa bietet mehr als 31 Milliarden Euro
  • Bayer gewinnt wichtigen Glyphosat-Prozess
  • EZB belässt Einlagenzins bei 2,50 Prozent

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Aktionäre von Monte dei Paschi di Siena haben am Donnerstag die Abwehr ihres eigenen Chefs gekippt. Damit ist die größte Bankenübernahme Europas in diesem Jahr praktisch nicht mehr aufzuhalten. Für Bankaktionäre in ganz Europa zählt diese Entscheidung. Trotzdem zeigt der Kurs des Käufers, wie vorsichtig die Börse rechnet.

Dazu kommt ein Urteil in Missouri, das Bayer die beste Woche seit Monaten beschert hat. Gestern fielen außerdem zwei deutsche Technologiewerte, ohne dass es eigene schlechte Nachrichten gab. Und die EZB hat pausiert, ohne die Zinswende zu beenden.

Der Weg nach Siena ist frei

Intesa Sanpaolo hat freie Bahn: Rund 91 Prozent des anwesenden Kapitals stimmten gegen die Gegenangebote, mit denen sich Vorstandschef Luigi Lovaglio wehren wollte. Wie hat Intesa das geschafft?

Intesa-Chef Carlo Messina stockte sein Gebot Anfang Oktober auf und knüpfte es an die Bedingung, dass die Aktionäre den Abwehrplan kippen. Das reichte, um die Familien Del Vecchio und Caltagirone mit zusammen rund 30 Prozent der MPS-Anteile auf seine Seite zu ziehen.

Intesa bietet ein Kauf- und Tauschangebot im Volumen von mehr als 31 Milliarden Euro. Der Käufer zahlt dabei teils in bar und teils in eigenen Aktien. Weitere Nachbesserungen schließt Messina ausdrücklich aus. Offen bleiben die Kartellprüfung und das staatliche Vetorecht Roms. Um die Wettbewerbshüter zu besänftigen, will Intesa MPS-Filialen samt der Zentrale in Siena an Unipol abgeben.

Für Anleger ist die Intesa-Aktie der handelbare Hebel, und ihr Kurs erzählt eine zwiespältige Geschichte. Gestern schloss sie bei 5,89 Euro, deutlich unter dem Jahreshoch von 7,00 Euro aus dem September. Der Markt zieht also einen Abschlag für die Risiken ab, die beim Zusammenführen zweier Banken entstehen. Auch bei UniCredit, die bei der Commerzbank vorgestoßen ist, wird die Spitze umgebaut.

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Bayer besteht den ersten Härtetest

Bayer hat gestern den wichtigsten Gerichtstermin seit dem Sommer gewonnen. Eine Jury in St. Louis wies die Klagen von Frauen einstimmig ab, die ihre Krebserkrankung auf das Unkrautvernichtungsmittel Roundup zurückführten. Warum zählt gerade dieses Urteil? Es war der erste Geschworenenprozess, seit der Supreme Court im Juni dem Bundesrecht bei Warnhinweisen Vorrang gab.

Die Bayer-Aktie sprang um 5,1 Prozent. Schon früher in der Woche hatten Studiendaten zu einem Prostatakrebs-Medikament für Auftrieb gesorgt. Die Daten stammen aus der späten Testphase, die vor einer Zulassung steht. Das Jahreshoch vom Juli bei 53,86 Euro ist damit in Reichweite.

Entscheidend ist aber nicht dieser eine Prozess, sondern der Sammelvergleich, mit dem Bayer viele Klagen auf einmal beenden will. Dafür will der Konzern bis zu 7,25 Milliarden Dollar zahlen, verteilt über viele Jahre.

Die Zustimmung des Richters steht aus. JPMorgan erwartet sie zeitnah und nennt ein Kursziel von 61 Euro, Jefferies bleibt mit „Halten“ vorsichtiger. Wer jetzt einsteigt, wettet also auf die Zustimmung des Richters, nicht mehr auf den Prozesssieg.

Siemens Energy und Infineon unter Generalverdacht

Die Skepsis gegenüber dem KI-Boom traf gestern die deutschen Infrastruktur-Lieferanten härter als die US-Konzerne, von denen sie ausging. Auslöser war Intel. Der Konzern stellt für das vierte Quartal einen Umsatz in Aussicht, der gut eine Milliarde Dollar unter den Erwartungen liegt. Zudem sieht Intel die PC-Schwäche bis mindestens Mitte 2027 anhalten.

Siemens Energy verlor 6,1 Prozent, Infineon 4,5 Prozent. Beide Aktien stehen damit weit unter ihren Jahreshochs vom Frühjahr. Dabei hatte die Woche für beide gute Nachrichten gebracht. Siemens Energy vereinbarte eine Offshore-Wind-Kooperation mit Japan, und Infineon baut die Fertigung im österreichischen Villach aus.

Schreibt der Markt hier Nachfrage ab, die es gar nicht gibt? Strom für Rechenzentren wird gebraucht, solange die Investitionspläne von Amazon und Microsoft stehen, und die stehen. Amazon hält an rund 220 Milliarden Dollar für 2026 fest, obwohl dort derzeit mehr Geld hinausfließt, als das Geschäft einbringt. Infineon will den Umsatz mit KI-Servern 2026 auf rund 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Die EZB legt nur eine Pause ein

Die EZB hat am Donnerstag pausiert, aber die Zinswende ist nicht vorbei. Der Einlagenzins bleibt bei 2,50 Prozent, nachdem er im Juni und im September erhöht worden war. Warum gab es keine weitere Anhebung? Der Rat entschied sich einstimmig für die Pause, weil die Kerninflation stabil blieb, also die Teuerung ohne stark schwankende Posten wie Energie.

Ruhig ist die Lage trotzdem nicht. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, getrieben von den Energiepreisen. Die Geldmärkte halten eine Erhöhung im Dezember für wahrscheinlich. Die Deutsche Bank erwartet, dass die Zinswende bei 2,75 Prozent endet.

Für das Depot heißt das: Zehnjährige Bundesanleihen mit einer Rendite nahe 3,4 Prozent bleiben eine echte Alternative. Und Banken verdienen an jedem weiteren Zinsschritt mit.

Der globale Kompass

Was verbindet diese Themen? In allen Fällen zählt weniger die Nachricht selbst als der nächste Schritt. Bei Intesa geht es um die Freigaben, bei Bayer um den Richter, bei Infineon und Siemens Energy um den Beweis, dass die Nachfrage hält.

Am Dienstag wählen die USA ihr Zwischenparlament, gleichzeitig legt Bayer Zahlen vor. Am Donnerstag folgt die Commerzbank. Für die Bankenwette zählen der 9. und 10. November, wenn die Consob den Intesa-Prospekt freigeben dürfte. Infineon berichtet am 10. November, Siemens Energy am 11. November. Nutzen Sie die Ruhe des Wochenendes für die Terminliste, denn ab Dienstag wird es wieder laut.

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