Intuitive Surgical Aktie: 40,36 Prozent Verlust seit Jahresbeginn

Intuitive Surgical verzeichnet trotz überraschend guter Quartalszahlen ein neues Jahrestief. Vorsichtiger Ausblick und neue Konkurrenz belasten den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt auf neues 52-Wochen-Tief
  • Umsatz und Gewinn übertreffen Erwartungen
  • Jahresprognose für Eingriffe bleibt unverändert
  • Institutionelle Investoren nutzen Kursrutsch

Intuitive Surgical steckt in einem Widerspruch. Die Roboterchirurgie-Firma legte vor wenigen Wochen bessere Zahlen vor als erwartet. Trotzdem fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief.

Am Donnerstag verlor das Papier 2,38 Prozent und schloss bei 291,75 Euro. Zuvor markierte die Aktie mit 289,05 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der Kurs liegt inzwischen 40,36 Prozent unter dem Stand von Jahresbeginn und rund 30 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 418,10 Euro.

Der 14-Tage-RSI steht bei 29,3. Das gilt als überverkauft und markiert eine Zone, in der Marktteilnehmer oft eine Gegenbewegung erwarten. Die Kluft zwischen Chartbild und Geschäftsentwicklung könnte kaum größer sein.

Starke Zahlen, aber vorsichtiger Ausblick

Im zweiten Quartal steigerte Intuitive Surgical den Umsatz um 18,5 Prozent auf 2,89 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,80 Dollar. Beide Werte übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.

Der Vorstand hob die Jahresprognose für das Wachstum bei den Eingriffszahlen trotzdem nicht an. Sie bleibt bei 13,5 bis 15,5 Prozent für 2026. Grund ist der Wegfall erweiterter Steuergutschriften im Rahmen des Affordable Care Act.

Das Management sprach von einem „moderaten negativen Effekt“ auf planbare Eingriffe im Quartal. Hinzu kommen steigende Kosten bei Halbleiterkomponenten und Frachtraten. Beides belastet die kurzfristigen Margenerwartungen, obwohl das Unternehmen operativ stark abschneidet.

Institutionelle Anleger kaufen nach

Während die Stimmung unter Privatanlegern gelitten hat, nutzen einige institutionelle Investoren die Schwäche zum Einstieg. Berichten vom 23. Juli zufolge hat Dimensional Fund Advisors seine Beteiligung ausgebaut. Das Signal: Langfristig orientierte Anleger setzen weiter auf das Geschäftsmodell.

Ein Grund dafür liegt im sogenannten Flywheel-Effekt. Wiederkehrende Umsätze aus Instrumenten, Zubehör und Service machten im zweiten Quartal rund 85 Prozent der Gesamterlöse aus. Diese Einnahmen speisen sich aus der installierten Basis von inzwischen 11.710 da-Vinci-Systemen weltweit, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Bilanz bleibt robust. Ende des zweiten Quartals verfügte Intuitive Surgical über etwa 8,6 Milliarden Dollar an Cash und Investments – bei null klassischen Schulden.

Neue Konkurrenz drückt aufs Gemüt

Ein weiterer Belastungsfaktor: Johnson & Johnson erhielt kürzlich die FDA-Zulassung für seinen Ottava-Operationsroboter. Der Markteintritt eines Schwergewichts in der Robotik für Weichteilchirurgie sorgt für zusätzliche Verunsicherung unter Anlegern.

Intuitive Surgical setzt dagegen auf die neue da-Vinci-5-Plattform. Allein im zweiten Quartal wurden 246 Einheiten ausgeliefert. Der Rollout gilt als zentraler Baustein der weiteren Wachstumsstrategie.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 109,6 Milliarden Euro. Ob die Aktie aus der überverkauften Zone herausfindet, dürfte davon abhängen, wie stark Anleger die finanzielle Substanz gegenüber den kurzfristigen Belastungen durch ACA-Effekte und neue Konkurrenz gewichten.

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