IQM Quantum Computers Aktie: Alle 54 Qubits verschränkt
Ein automatisiertes Verfahren ermöglicht den Cloud-Zugriff auf den vollständigen 54-Qubit-Chip; unabhängige Bestätigung steht noch aus.

- GHZ-Test mit sämtlichen 54 Qubits
- Fidelity von 0,516 mit Korrektur
- Fehlerrate um bis zu 50 Prozent gesenkt
- Mögliche zusätzliche Cloud-Aufträge bleiben offen
IQM hat auf seinem Cloud-System Emerald erstmals alle 54 Qubits des Chips gleichzeitig verschränkt. Für ein Unternehmen, das im Wettbewerb um kommerziell nutzbare Quantenrechner Marktanteile gewinnen will, ist das ein technischer Beleg mit konkretem Kundennutzen. Cloud-Kunden sollen die volle Chipleistung ab sofort abrufen können.
Was IQM gemessen hat
Als Testfall diente ein sogenannter GHZ-Zustand, ein gängiger Maßstab für großflächige Verschränkung. Die Fidelity lag bei 40 Qubits ohne Fehlerkorrektur beim Auslesen bei 0,515. Beim vollen Chip mit 54 Qubits und angewandter Korrektur erreichte sie 0,516. Beide Werte liegen über der Schwelle von 0,500, die echte Verschränkung von Rauschen trennt.
Der Abstand zur Schwelle ist knapp. Entscheidend ist aber, dass die Qualität bei voller Skalierung nicht einbricht. Bislang konnten Nutzer bei vergleichbaren Tests auf Emerald verlässlich rund 30 Qubits in einem Algorithmus einsetzen. Studien an großen Quantenchips arbeiten häufig nur mit 10 bis 20 Qubits, selbst wenn die Hardware deutlich mehr bietet.
Software statt neuer Hardware
Den Sprung ermöglichte vor allem eine automatisierte Routine zur Zustandsvorbereitung. Sie wählt die besten Zwei-Qubit-Gatter aus und wägt dabei Gatterqualität gegen die Leerlaufzeit der Qubits ab. Je kürzer ein Qubit ungenutzt wartet, desto weniger Information geht verloren. „Getting there came down to being smarter about how we prepare the state itself“, erklärte Technikchef Craig Ciesla.
Dahinter stehen rund zwölf Monate Arbeit an Hardware und Kalibrierung. Eine überarbeitete Kalibriermethode, ein verbesserter Gattersatz und Fehlerreduktionsverfahren wie Dynamical Decoupling senkten die Fehlerrate bei Quantenoperationen um bis zu 50 Prozent. Die Routine fügt sich in IQMs Bemühen, den Betrieb von Quantencomputern zu automatisieren, darunter auch KI-gestützte Kalibrierung.
Einordnung für die Aktie
Das Unternehmen selbst zählt die Ergebnisse zu den stärksten, die für kommerziell verfügbare Quantencomputer berichtet wurden. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor. Für die Börsenstory zählt vor allem der Cloud-Zugang: Er erlaubt Interessenten, die Leistung ohne eigene Anschaffung zu testen, während IQM sein Geschäft sonst auf den Verkauf von Anlagen zur Vor-Ort-Nutzung stützt.
Die Nasdaq-notierte Aktie, IQM ist der erste börsennotierte europäische Quantenanbieter, bekommt damit ein weiteres technisches Argument. Ob sich daraus zusätzliche Cloud-Aufträge ergeben, zeigen die nächsten Geschäftszahlen des Unternehmens.
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