Iran-Krieg erschüttert Märkte
Blockade der Hormus-Straße treibt Energiepreise, während Fed und EZB vor geldpolitischen Herausforderungen stehen. Die Aktienrallye wird auf die Probe gestellt.

- Diplomatische Gespräche ohne Fortschritt
- Hormuz-Blockade lähmt globalen Handel
- Inflation steigt, Zentralbanken unter Druck
- S&P 500 erholt sich trotz Kriegsängsten
Der Iran-Konflikt bleibt das alles überlagernde Thema für Anleger weltweit. Gescheiterte Verhandlungen, eine blockierte Meerenge und eine bevorstehende Zinsentscheidung verdichten sich in der Woche ab dem 28. April zu einem Belastungstest für die jüngste Börsenrallye.
Diplomatie auf der Stelle
Irans Außenminister Abbas Araghchi pendelt zwischen Islamabad, Maskat und bald Moskau — doch echte Fortschritte bleiben aus. Er legte pakistanischen Vermittlern zwar einen Rahmenplan für ein Kriegsende vor, doch Washington schickte keine Delegation. Präsident Trump sagte den geplanten Besuch seiner Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Islamabad kurzfristig ab. Seine Botschaft ist klar: Teheran soll zuerst zum Hörer greifen.
Iran stellt seinerseits Vorbedingungen. Präsident Masoud Pezeshkian betonte gegenüber dem pakistanischen Premier Shehbaz Sharif, sein Land werde keine „aufgezwungenen Verhandlungen“ unter Drohungen führen. Eine iranische Diplomatenquelle sprach gegenüber Reuters von inakzeptablen „maximalistischen Forderungen“ aus Washington. Pakistan bleibt damit der einzige aktive Kommunikationskanal zwischen den beiden Seiten — eine fragile Konstruktion.
Hormuz-Blockade lähmt globalen Handel
Die militärische Lage verschärft die wirtschaftlichen Folgen täglich. Seit Beginn der Blockade hat die US-Marine 37 Schiffe umgeleitet und drei wegen Nichteinhaltung beschlagnahmt. Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush ist eingetroffen — nun operieren drei amerikanische Trägerverbände gleichzeitig in der Region. Das Ergebnis: Weniger als fünf Schiffe passierten die Straße von Hormuz innerhalb von 24 Stunden, verglichen mit einem Vorkriegsdurchschnitt von rund 130 täglich.
Der britische Premier Keir Starmer rief Trump an und drängte auf eine Wiedereröffnung der Meerenge. Ein Sprecher von Downing Street sprach von „schwerwiegenden Folgen für die Weltwirtschaft und die Lebenshaltungskosten“. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron arbeitet Großbritannien an einer Initiative zur Wiederherstellung der Schifffahrtsfreiheit.
Inflation unter Druck, Zentralbanken unter Beobachtung
Die Blockade treibt Energiepreise und damit die Inflation in die Höhe. CPI-Swaps preisen laut BCA Research für die nächsten zwölf Monate eine Inflation von 3,2 % sowohl in den USA als auch im Euroraum ein. Kombiniert mit bereits bestehenden Zolleffekten, die die US-Kerninflation nach BCA-Daten um rund drei Prozentpunkte über das normale Niveau schieben, entsteht erheblicher geldpolitischer Druck.
UBS-Chefanlagerin Claudia Panseri ordnet die Lage nüchtern ein: Es handele sich um einen klassischen Angebotsschock, nicht um nachfragegetriebene Preissteigerungen. Fed-Chef Jerome Powell hat wiederholt betont, Zinserhöhungen seien typischerweise nicht die richtige Antwort auf Versorgungsengpässe. UBS erwartet trotzdem, dass die Fed ihren ersten Zinsschnitt von Juni auf September verschiebt, hält aber insgesamt an 50 Basispunkten Senkung bis Ende 2026 fest. Für die EZB sieht UBS die Markterwartung von zwei Zinserhöhungen bis Jahresende als übertrieben an.
Etwas komplizierter ist die Lage bei der Fed-Prioritätensetzung. UBS-Ökonom Arend Kapteyn stellt fest, dass die Fed nach einer Phase, in der Beschäftigungssorgen dominierten, angesichts des stagflationären Schocks aus dem Nahen Osten den Fokus wieder stärker auf Inflation legt. Eine gleichzeitige Verschlechterung von Inflation und Beschäftigung würde die Zentralbank vor einen direkten Zielkonflikt stellen — ein Szenario, das der Fed während des Straffungszyklus 2022/23 erspart blieb.
Aktienrallye vor dem Stresstest
US-Aktien haben sich von den Kriegsängsten bemerkenswert schnell erholt. Der S&P 500 legte seit dem 30. März rund 13 % zu, der technologielastige Nasdaq sogar mehr als 19 %. Chipwerte stechen besonders hervor: Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete 18 Handelstage in Folge mit Kursgewinnen.
Die Berichtssaison liefert bislang Rückenwind. Über 81 % der S&P-500-Unternehmen übertrafen die Analystenerwartungen; die Gesamtgewinne sollen im ersten Quartal um 16,1 % gestiegen sein. Nun stehen die eigentlichen Schwergewichte an: Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta berichten am Mittwoch, Apple am Donnerstag. Investoren schauen vor allem auf die Kapitalausgabenpläne für KI-Infrastruktur — die Hyperscaler sollen laut Factset allein 2026 rund 678 Milliarden Dollar investieren, nach 412 Milliarden im Vorjahr. „Diese Unternehmen müssen wirklich beeindrucken, damit ihre Aktien weiter steigen“, fasst Anthony Saglimbene von Ameriprise zusammen.
Fed-Wechsel an der Spitze
Gleichzeitig steht die Fed vor einem Führungswechsel. Powells Amtszeit als Vorsitzender endet am 15. Mai. Sein designierter Nachfolger Kevin Warsh durchlief bereits seine Anhörung im Senat — allerdings könnte der republikanische Senator Thom Tillis alle Fed-Nominierungen blockieren, solange die Justizministerium-Untersuchung gegen Powell läuft. Diese Untersuchung zu Renovierungskosten des Fed-Hauptgebäudes wurde am Freitag eingestellt, womit ein wesentliches Hindernis entfiel. Powell selbst erklärte, er werde bis zur Bestätigung eines Nachfolgers als Vorsitzender pro tempore im Amt bleiben.
Historisch bedeutet ein neuer Fed-Chef nicht zwingend Marktverwerfungen, wie eine Deutsche-Bank-Analyse zeigt. Zwar traf der Schwarze Montag 1987 Alan Greenspan bereits zwei Monate nach seinem Amtsantritt, doch unter Ben Bernanke zeigte sich die Finanzkrise erst 18 Monate nach seinem Amtsantritt. Die eigentliche Frage ist, ob Warsh — falls er die Überzeugung mitbringt, die Fed-Bilanz zu schrumpfen und die Zentralbankautonomie neu zu definieren — in einem bereits durch Krieg und Inflation angespannten Umfeld zum Ruhigpol werden kann.
Ausblick: Zu viel Optimismus eingepreist?
Die Märkte haben eine schnelle diplomatische Lösung in weiten Teilen bereits eskomptiert. TD-Wealth-Chefstratege Sid Vaidya bringt das Risiko auf den Punkt: „Je länger der Konflikt andauert, desto größer wird das Risiko für die Realwirtschaft — und damit für Volatilität an den Märkten.“ UBS empfiehlt kurzfristige Absicherungen über Dollar, Öl und Rohstoffe sowie Gold als mittelfristigen Wertanker.
Die kommende Woche wird zeigen, ob die Rallye Substanz hat — oder ob sie auf einem fragilen Fundament aus Hoffnung steht.
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