Iran-Krise und Zolldrohung spalten den DAX — FMC trotzt dem Abwärtssog

Geopolitische Krisen belasten zyklische DAX-Werte, während Healthcare-Titel wie FMC und Siemens Healthineers Kursgewinne verzeichnen.

Die Kernpunkte:
  • FMC mit Quartalszahlen im Plus
  • Healthineers erholt sich vom Jahrestief
  • MTU leidet unter Kerosin-Ängsten
  • Mercedes-Benz von Zolldrohung getroffen

Kerosin-Engpässe, Trumps Zollkeule gegen europäische Autos und ein Ölpreis im Höhenflug: Der DAX steht am 5. Mai unter massivem geopolitischem Druck. Während exportabhängige Titel wie MTU Aero Engines, BASF und Mercedes-Benz kräftig Federn lassen, behauptet sich der Healthcare-Sektor als ruhender Pol. FMC und Siemens Healthineers stemmen sich gegen den Abwärtstrend — mit unterschiedlichen Argumenten.

Die Gewinner und Verlierer im Überblick

AssetKursVeränderungSektor
FMC38,91 EUR+1,1 %Healthcare
Siemens Healthineers35,02 EUR+0,6 %Healthcare
MTU Aero Engines281,10 EUR-4,0 %Industrials
BASF52,62 EUR-3,7 %Basic Materials
Mercedes-Benz47,84 EUR-3,6 %Consumer Cyclical

Das Muster ist eindeutig: Defensive Werte halten sich, zyklische Titel geraten unter die Räder. Ein genauer Blick auf die fünf Aktien zeigt, warum.

FMC: Quartalszahlen liefern den Befreiungsschlag

Fresenius Medical Care setzt heute das stärkste Lebenszeichen im DAX-Healthcare-Segment. Der Dialysekonzern hat seine Q1-Zahlen vorgelegt — und der Markt honoriert die Ergebnisse mit einem Plus von gut einem Prozent.

Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das Dialyseproduktgeschäft steuerte 1,2 Milliarden Euro bei und wuchs organisch um fünf Prozent. Die Dialysedienstleistungen erreichten 3,4 Milliarden Euro. Kein Feuerwerk, aber solides Wachstum in einem nervösen Marktumfeld.

Die Analystengemeinde reagiert gespalten. JPMorgan belässt FMC auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 37,40 Euro — Analyst David Adlington sieht die Markterwartungen für das erste Quartal zwar erfüllt, bleibt aber skeptisch. Barclays hingegen bestätigt „Equal Weight“ mit einem deutlich höheren Kursziel von 46,50 Euro. Die britische Bank verweist auf ungünstiges Wetter als Belastung im Q1, sieht aber nachlassende Grippe-Trends als Rückenwind für das zweite Quartal.

Für FMC spricht langfristig ein struktureller Vorteil: Mit einer alternden Weltbevölkerung steigt die Zahl schwerer Nierenfunktionsstörungen — und damit die Nachfrage nach Dialyse. Der heutige Kursanstieg hat einen klaren fundamentalen Auslöser, kein spekulatives Strohfeuer.

Siemens Healthineers: Erholung vom 52-Wochen-Tief — mit Fragezeichen

Auch Siemens Healthineers schafft es ins Plus. Ein bemerkenswert widerstandsfähiges Ergebnis, wenn man bedenkt, welcher Gegenwind dem Medizintechnikkonzern derzeit ins Gesicht bläst.

Noch am 30. April markierte die Aktie bei 33,24 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Das heutige Plus von 0,6 Prozent wirkt daher wie eine technische Gegenbewegung nach einem übertriebenen Ausverkauf. Der Markt stuft den Titel nahe dem Jahrestief offenbar als überverkauft ein.

Ein entscheidender Termin steht unmittelbar bevor: Am 7. Mai veröffentlicht der Konzern seine Q2-Zahlen. Dann wird sich zeigen, ob das operative Geschäft die erheblichen Belastungen auffangen kann. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit negativen Zolleffekten von bis zu 500 Millionen Euro. Gleichzeitig schrumpfte die Diagnostiksparte zuletzt um drei Prozent — vor allem wegen anhaltender Probleme im China-Geschäft.

Bildgebung und Krebstherapie liefern Wachstumsimpulse. JPMorgan stuft die Aktie mit „Overweight“ ein. Die Zahlen am Mittwoch dürften richtungsweisend sein — für die Aktie und für die Frage, ob Healthcare im DAX weiter als sicherer Hafen taugt.

MTU Aero Engines: Kerosin-Angst drückt den Triebwerksbauer auf Jahrestief

Der klare Tagesverlierer im DAX heißt MTU Aero Engines. Minus vier Prozent — und ein Ende der Schwächephase ist nicht in Sicht.

Der Grund liegt über der Straße von Hormus. Berichte über mögliche iranische Angriffe auf die zentrale Ölhandelsroute haben eine Kettenreaktion ausgelöst: Ölpreise steigen, Kerosinkosten explodieren, und die Luftfahrtbranche fürchtet Treibstoffengpässe ab Ende Mai. Für einen Triebwerkshersteller, dessen Geschäft direkt am Flugverkehrsvolumen hängt, ist das Gift für den Aktienkurs.

Warburg Research hat die Konsequenzen gezogen und das Kursziel von 380 auf 319 Euro gekappt. Die Einstufung bleibt bei „Hold“ — kein Kaufsignal, aber auch kein Panikmodus. Die Analysten verweisen explizit auf die geopolitischen Risiken und die Unsicherheiten bei der Treibstoffversorgung.

Die Charttechnik zeichnet ein düsteres Bild. Die Aktie notiert rund 21 Prozent unter ihrer 200-Tage-Linie bei 362 Euro. Seit dem Sommerhoch bei 380 Euro hat der Münchner Konzern auf Jahressicht etwa zwölf Prozent verloren — während der DAX im selben Zeitraum zulegte. Ein Dreieck aus Geopolitik, Kerosinpreisen und Analystenabstufungen hält MTU fest im Griff.

BASF: Energiekosten, Ex-Dividende und schwache Zahlen — dreifache Belastung

Bei BASF überlagern sich gleich drei Negativfaktoren. Der Kurs gibt 3,7 Prozent nach.

Zunächst der technische Effekt: Die Dividendenzahlung erfolgt am 6. Mai, der Ex-Tag lag gestern. Anleger, die ihre Ausschüttung kassiert haben, trennen sich nun von der Aktie. Dieser Abschlag erklärt einen Teil der Kursbewegung — aber bei Weitem nicht alles.

Das operative Bild enttäuscht ebenfalls. Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz um drei Prozent auf 16 Milliarden Euro. Niedrigere Verkaufspreise und Währungsgegenwind — vor allem durch den schwachen Dollar und den chinesischen Renminbi — fraßen sich durch die Erlöse. Das EBITDA vor Sondereinflüssen fiel um knapp sechs Prozent.

Der dritte Belastungsfaktor ist struktureller Natur: Rund 40 Prozent der Produktionskosten bei Chemiekonzernen entfallen auf Feedstocks. Der durch den Iran-Konflikt befeuerte Anstieg der Öl- und Gaspreise trifft BASF daher besonders hart. Barclays bleibt bei „Underweight“ mit einem Kursziel von 40 Euro — deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Die wichtigsten Belastungsfaktoren für BASF im Überblick:

  • Ex-Dividenden-Effekt am 4. Mai drückt den Kurs mechanisch
  • Umsatzrückgang um drei Prozent bei gleichzeitigem Margendruck
  • Steigende Energiekosten durch Iran-bedingte Ölpreisrally
  • Währungsgegenwind aus Dollar und Renminbi

BASF kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Zyklischer Preisdruck, geopolitische Energieunsicherheit und ein Weltmarkt mit Überangebot bilden eine toxische Mischung.

Mercedes-Benz: Trumps Zollkeule trifft die Autobauer mit voller Wucht

Mercedes-Benz verliert 3,6 Prozent — und ist damit noch glimpflich davongekommen. Die gesamte deutsche Autobranche steht unter Schock, nachdem Donald Trump erneut 25 Prozent Strafzölle auf EU-Autos angekündigt hat. BMW, Volkswagen und Porsche verloren zwischen drei und fünf Prozent.

Das Timing der Ankündigung ist kein Zufall. Beobachter werten die Drohung als direkte Reaktion auf die öffentliche Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Handelspolitik. Die Zollfrage wird damit zum politischen Instrument — und die Autobauer zum Kollateralschaden eines transatlantischen Machtspiels.

Zwar betreiben Mercedes-Benz und BMW große Werke in den USA, was einen gewissen Schutz bietet. Analysten schätzen dennoch, dass 25-prozentige Zölle die deutschen Hersteller zusammen bis zu 6,14 Milliarden Euro jährlich kosten könnten. Eine gewaltige Summe für eine Branche, die ohnehin unter Druck steht.

Seit Jahresbeginn hat die Mercedes-Aktie bereits gut 17 Prozent verloren. Der Wettbewerb in China verschärft sich, die Elektrowende verschlingt Milliarden, und die Nachfrage in vielen Märkten lahmt. Trumps Zolldrohung verstärkt einen ohnehin laufenden Abwärtstrend — und könnte bei Umsetzung die Margen weiter unter Druck setzen.

Geopolitik diktiert den Takt — Healthcare als Anker

Der heutige Handelstag verdichtet die aktuelle Marktlogik auf einen Nenner: Wer in diesen Wochen auf exportabhängige, zyklische DAX-Titel setzt, braucht starke Nerven. Iran-Krise, Trumps Handelspolitik und steigende Energiepreise bilden ein Belastungsdreieck, das kaum kalkulierbar ist.

Healthcare-Werte wie FMC und Siemens Healthineers bieten in diesem Umfeld relative Stabilität — allerdings mit eigenen Risiken. Die Healthineers-Zahlen am 7. Mai werden zeigen, wie nachhaltig der Schutzschild des Sektors wirklich ist. Und der US-Arbeitsmarktbericht im Wochenverlauf dürfte die nächste Richtungsentscheidung für den gesamten DAX liefern. Positionen mit ausreichend weiten Stopps abzusichern, könnte sich in diesem Umfeld als kluge Vorsichtsmaßnahme erweisen.

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