IREN Aktie: AI-Cloud überholt Mining erstmals
IREN baut das Mining-Geschäft bis Ende 2026 ab, steigert KI-Cloud-Erlöse und sichert 2,4 Milliarden Dollar für neue GPU-Infrastruktur.

- 638,8 Millionen Dollar Jahresfehlbetrag
- KI-Cloud übertrifft erstmals Mining-Umsätze
- 2,4 Milliarden Dollar für GPUs
- Mining-Ende bis Dezember 2026 geplant
Es gibt Momente, in denen ein Unternehmen sein altes Geschäft praktisch über Nacht beerdigt und gleichzeitig das Fundament für ein neues legt. Bei IREN ist genau das gerade zu besichtigen. Während die Bilanz noch nach Bitcoin-Miner riecht, wird die Zukunft in GPU-Racks und Gigawatt-Verträgen geschrieben.
Die Frage, die Anleger seit dem Kurssturz am Freitag umtreibt, lautet: Trägt die Wette auf künstliche Intelligenz, bevor das alte Geschäft komplett abgewickelt ist?
Am Freitag rutschte die Aktie um 12 Prozent ab, ausgelöst durch die Zahlen zum vierten Quartal und zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Ein Nettoverlust von 638,8 Millionen Dollar für das Gesamtjahr, davon 684 Millionen Dollar allein im Schlussquartal, ist keine Randnotiz.
Der Löwenanteil davon, 450,4 Millionen Dollar, stammt aus nicht zahlungswirksamen Abschreibungen auf Bitcoin-Mining-Hardware, die IREN gerade stilllegt. Hinzu kommt ein Wertverlust von 102,1 Millionen Dollar bei zum Verkauf gehaltener Mining-Technik. Das ist der Preis für einen Strategiewechsel, den das Unternehmen selbst so nicht mehr verschweigt: Bis Ende Dezember 2026 will IREN sämtliche Mining-Aktivitäten abgewickelt haben.
Ein Umsatzmix, der sich in Echtzeit verschiebt
Wer nur auf den Verlust starrt, übersieht die eigentliche Wende in den operativen Zahlen. Im vierten Quartal lag der Umsatz bei 137,2 Millionen Dollar und verfehlte damit die Konsensschätzung von 153,2 Millionen Dollar deutlich.
Doch innerhalb dieser Zahl hat sich etwas Bemerkenswertes ereignet: Die Erlöse aus der AI-Cloud-Sparte kletterten auf 70,5 Millionen Dollar und überholten damit erstmals die Einnahmen aus dem Bitcoin-Mining, die bei 66,7 Millionen Dollar lagen. Das ist mehr als eine Randbemerkung – es ist der Beleg, dass sich das Geschäftsmodell tatsächlich verschiebt, nicht nur auf PowerPoint-Folien, sondern in der Ergebnisrechnung.
Noch deutlicher wird die Ambition beim Blick auf die vertraglich gesicherte, annualisierte Umsatzbasis für 2026: 4 Milliarden Dollar an Auftragsvolumen stehen zu Buche, von denen aktuell eine Milliarde Dollar operativ läuft. Ergänzt wird das durch einen neuen mehrjährigen AI-Cloud-Vertrag mit einem nicht näher benannten, aber als „führendes Frontier-AI-Labor“ beschriebenen Kunden.
Wer die Kapitalintensität dieses Umbaus verstehen will, muss auf die Investitionsplanung schauen: Für das Geschäftsjahr 2027 kalkuliert IREN mit Investitionsausgaben zwischen 25 und 30 Milliarden Dollar, um die KI-Infrastruktur weiter auszubauen.
Frisches Kapital für Blackwell-Ultra-Chips
Dass ein solcher Umbau nicht aus dem operativen Cashflow finanziert werden kann, liegt auf der Hand. Am Sonntag wurde bekannt, dass Blue Owl Capital Management die Führungsrolle bei einem 2,4-Milliarden-Dollar-Finanzierungspaket übernimmt. Das Geld soll IREN den Kauf von NVIDIA-Blackwell-Ultra-GPUs ermöglichen, die am Standort Mackenzie in British Columbia zum Einsatz kommen sollen.
Strukturiert ist das Paket zu gleichen Teilen aus besicherten Term Loans und besicherten Anleihen, jeweils 1,2 Milliarden Dollar schwer. Diese Fremdkapitalstruktur zeigt, wie stark IREN inzwischen wie ein Infrastrukturbetreiber finanziert wird und immer weniger wie ein Krypto-Miner mit Nebengeschäft.
Am Kapitalmarkt kommt dieser Umbau bislang nicht reibungslos an. Der Kurs notiert nach dem Rutsch der vergangenen Tage rund 55 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro vom 3. November, während der Abstand zum Jahrestief von 21,51 Euro noch 43 Prozent beträgt.
Die Schwankungsbreite ist mit einer annualisierten Volatilität von 125 Prozent enorm, ein RSI von gut 40 signalisiert eine Aktie, die sich nach dem jüngsten Ausverkauf noch nicht gefangen hat.
Unmittelbar nach den Zahlen meldeten sich mehrere Analysehäuser zu Wort. Cantor Fitzgerald bekräftigte am Freitag ein „Overweight“-Rating mit Kursziel 99 Dollar, H.C. Wainwright blieb bei „Buy“ und 90 Dollar, während BTIG Research und Canaccord Genuity ihre Kaufempfehlungen mit Zielen von 80 beziehungsweise 79 Dollar bestätigten.
Die Spanne der Kursziele zeigt: Trotz der schmerzhaften Übergangsphase traut ein Teil der Wall Street dem AI-Cloud-Geschäft zu, die Bitcoin-Lücke zu füllen – vorausgesetzt, die milliardenschwere Kapitalbindung zahlt sich rechtzeitig aus.
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