iShares Global Semiconductors ETF: 2,5 Prozent Sturz wegen Zollpläne
Mögliche US-Abgaben auf Elektronik-Endprodukte belasten den Halbleiter-ETF, während Investitionen und Branchenprognosen langfristig Zuversicht stützen.

- ETF verliert am Freitag 2,5 Prozent
- Südkoreanischer Won belastet Exportmargen
- Lam Research investiert drei Milliarden Dollar
- Speicherchip-Umsätze sollen um 250 Prozent steigen
Die US-Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge eine Ausweitung ihrer Zollstrategie: Künftig sollen nicht nur einzelne Chips, sondern auch Endprodukte wie Laptops, Spielkonsolen und Server für Rechenzentren mit Importzöllen belegt werden. Ziel sei es, die heimische Fertigung zu stärken. Diese Aussicht setzte den iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF am Freitag deutlich unter Druck, das Papier schloss 2,5 Prozent tiefer bei 16,51 Euro.
Die Meldung trifft die Branche in einer ohnehin fragilen Phase. Gegenüber der Vorwoche steht ein Minus von 1,7 Prozent, nachdem der ETF zuvor kräftig zugelegt hatte. Auf Monatssicht bleibt mit einem Plus von 9,8 Prozent noch immer eine deutliche Erholung sichtbar, und seit Jahresbeginn liegt der Wert satte 73 Prozent im Plus.
Der Kurs notiert derzeit 23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 21,52 Euro, das er im Juni erreicht hatte, bewegt sich aber weiterhin klar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 13,81 Euro.
Zusätzlicher Gegenwind aus Südkorea
Neben der Zolldebatte belastet ein weiterer Faktor die Stimmung: Der starke südkoreanische Won gegenüber dem US-Dollar gilt als Bremse für die Exportwettbewerbsfähigkeit und die Margen südkoreanischer Chiphersteller.
Da südkoreanische Konzerne einen bedeutenden Teil der globalen Speicherchip-Produktion stellen, wirkt sich die Währungsentwicklung unmittelbar auf die Ertragslage der Branche aus – ein Thema, das den Index zusätzlich belastet, während gleichzeitig positive Unternehmensnachrichten die Waage zu halten versuchen.
Denn operativ liefert die Halbleiterindustrie weiterhin kräftige Signale. Lam Research hat in Tualatin, Oregon, den Grundstein für ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum gelegt – Teil eines auf fünf Jahre angelegten Investitionsprogramms über 3 Milliarden Dollar zur Beschleunigung der Entwicklung fortschrittlicher KI-Chips.
SK hynix feierte in West Lafayette, Indiana, den Spatenstich für ein neues Verpackungswerk und baut damit seine US-Fertigungspräsenz deutlich aus. Nvidia weitete zudem seine Zusammenarbeit mit Amazon Web Services aus und will nach starken Quartalszahlen zwei Millionen zusätzliche Grafikprozessoren bereitstellen.
Langfristige Branchenprognose bleibt optimistisch
Die World Semiconductor Trade Statistics-Organisation rechnet für das laufende Jahr mit globalen Halbleiterumsätzen von rund 1,5 Billionen Dollar, getragen von einem erwarteten Anstieg im Speicherchipsegment von 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Prognose unterstreicht, dass die kurzfristige Nervosität rund um Zollpläne und Währungseffekte die strukturelle Wachstumsstory der Branche bislang nicht infrage stellt.
Auch bei den Personalentscheidungen tut sich etwas: Micron Technology berief Manish Bhatia zum President und Chief Operating Officer sowie Dr. Scott DeBoer zum President of Technology and Products. Broadcom erweiterte seine strategische Allianz mit Kyndryl, um Cloud- und KI-Fähigkeiten durch die Integration von VMware Cloud Foundation zu stärken.
Für Anleger im ETF ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die politische Unsicherheit um mögliche Zölle auf Endprodukte drückt kurzfristig auf die Stimmung, während die operativen Fortschritte einzelner Portfoliobestandteile die langfristige Wachstumserzählung der Halbleiterbranche stützen.
Der RSI von 43,5 signalisiert dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen – ein Zeichen dafür, dass der Markt die neuen Zollrisiken noch nicht abschließend eingepreist hat.
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