iShares MSCI EM IMI ETF: 9,8 % unter Hoch vom 5. Oktober

Brasiliens Wahlausgang und die anstehenden US-Techberichte belasten die Stimmung für Schwellenländeraktien; Anleihezuflüsse halten an.

Die Kernpunkte:
  • Lula gewinnt Brasiliens Stichwahl knapp
  • Bolsonaro kündigt Anfechtung des Ergebnisses an
  • Technologie macht fast 45 Prozent aus
  • Bank of America meldet Anleihezuflüsse

Der iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS steht derzeit unter verstärktem Verkaufsdruck. Die Anleger reagieren empfindlich auf die politischen Verwerfungen in Brasilien sowie auf die anstehende Berichtssaison der großen US-Technologiekonzerne, deren Ergebnisse als Signalgeber für die globale Tech-Branche und damit auch für die asiatischen Schwergewichte im Index gelten.

Brasilianische Wahlergebnisse sorgen für Turbulenzen

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für den Schwellenländermarkt ist die politische Lage in Südamerika. Am Sonntag siegte Luiz Inácio Lula da Silva in einer Stichwahl knapp gegen Flávio Bolsonaro. Lula erhielt 51,8 % der Stimmen, während Bolsonaro auf 48,2 % kam. Da Bolsonaro das Ergebnis nicht unmittelbar anerkannte und eine Anfechtung ankündigte, brach die Verunsicherung unter den Investoren aus.

Brasilien-spezifische Anlageinstrumente erlitten gestern herbe Verluste; so verzeichnete ein bekannter Brasilien-ETF den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Der brasilianische Real geriet ebenfalls unter Druck und wurde in asiatischen Handelsplätzen deutlich schwächer bewertet. Da Brasilien eine wichtige Rolle innerhalb der Schwellenländer-Indizes spielt, wirkten sich diese Kursstürze unmittelbar auf die Stimmung im gesamten Sektor aus.

Hohe Abhängigkeit vom Technologiesektor

Neben der politischen Unsicherheit blicken Investoren gespannt auf die anstehenden Quartalszahlen von Microsoft, Alphabet und Amazon. Die Relevanz dieser Zahlen für den Schwellenländermarkt ist hoch, da fast 45 % des MSCI Emerging Markets auf Technologieunternehmen entfallen. Zu den größten Positionen gehören Taiwan Semiconductor mit einer Gewichtung von 13,88 %, Samsung Electronics mit 5,86 % und SK Hynix mit 4,10 %.

Einzelne Marktbeobachter haben aufgrund dieser Konzentration bereits reagiert. Medienberichten zufolge senkte etwa das Magazin MoneyWeek den Anteil dieses ETFs in Musterportfolios, um das Klumpenrisiko im Bereich Künstliche Intelligenz und Technologie zu reduzieren und stattdessen stärker in defensivere Sektoren wie das Gesundheitswesen umzuschichten.

Technische Marken und Marktentwicklung

Die jüngsten Kursrückgänge haben das Chartbild des ETFs eingetrübt. Das Papier notiert aktuell 4,9 % unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und hat sich deutlich von seinem mittelfristigen Trend nach unten entfernt. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das erst am 5. Oktober bei 50,37 € markiert wurde, hat sich inzwischen auf 9,8 % vergrößert.

Trotz der aktuellen Schwächephase, in der der MSCI-Index für Schwellenländeraktien bereits in der vergangenen Woche deutliche Einbußen hinnehmen musste, bleibt der langfristige Ausblick für einige Marktteilnehmer differenziert. So berichtete die Bank of America von anhaltenden Zuflüssen in Schwellenländer-Anleihen. Anleger nutzen dort offenbar gezielt Schwächephasen, um Positionen in Regionen mit stabilen Fiskalprofilen aufzubauen, während die Aktienmärkte derzeit von der politischen Volatilität in Brasilien und der Unsicherheit im Tech-Sektor dominiert werden.

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