ITM Power Aktie: 100-MW-Anlage liefert erstmals kommerziell
ITM Power startet kommerzielle Wasserstofflieferungen aus Lingen. Analysten heben Kursziel an, Jahreszahlen werden Mitte August erwartet.

- Erste kommerzielle Wasserstofflieferung aus Lingen
- JPMorgan erhöht Kursziel auf 80 GBX
- Umsatz im ersten Halbjahr auf Rekordniveau
- Jahreszahlen für Mitte August angekündigt
ITM Power hat am Dienstag die erste kommerzielle Lieferung von grünem Wasserstoff aus der 100-Megawatt-Elektrolyseanlage im niedersächsischen Lingen an einen Industriekunden bekanntgegeben. Das Unternehmen wertet den Schritt als Übergang der Anlage in die operative Betriebsphase – nach Jahren des Anlagenbaus verkauft ITM Power damit erstmals Wasserstoff aus diesem Großprojekt im Regelbetrieb.
Die Aktie tendiert am heutigen Freitag nur leicht schwächer: Bei 1,29 Euro notiert das Papier, ein Rückgang von 0,31 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,38 Prozent – ein Zeichen, dass der Markt die operative Nachricht aus Lingen positiv aufnimmt, auch wenn der breitere Rückgang der vergangenen 30 Tage damit nicht ausgeglichen ist.
Kommerzielle Wasserstoff-Lieferung markiert neue Phase
Für ITM Power ist die Lingen-Anlage eines der Referenzprojekte für die eigene Elektrolyseur-Technologie. Der Umstieg von der reinen Inbetriebnahme zur kommerziellen Belieferung eines Industriekunden gilt als wichtiger Meilenstein, weil er zeigt, dass die Technologie nicht nur funktioniert, sondern auch im Dauerbetrieb Wasserstoff in verkaufbarer Menge produziert. Medienberichten zufolge trug die Nachricht in Kombination mit einer insgesamt positiven Stimmung im Wasserstoffsektor zu spürbaren Kursgewinnen unmittelbar nach der Meldung bei.
Analysten und anstehende Zahlen
JPMorgan hob am Mittwoch das Kursziel für ITM Power von 60 auf 80 GBX an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Die Anhebung fällt in eine Phase, in der das Unternehmen operativ Fortschritte macht: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz auf ein Rekordniveau von 18,0 Millionen Pfund, nach 15,5 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte EBITDA-Verlust verringerte sich im gleichen Zeitraum deutlich von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund. Bereits im Februar hatte ITM Power die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 35 bis 40 Millionen Pfund auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben und dies mit dem guten Projektfortschritt sowie der Umstellung auf eine Umsatzrealisierung nach Fertigstellungsgrad begründet.
Im Blick der Anleger steht nun der Termin am 13. und 14. August, wenn ITM Power die vorläufigen Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2026 vorlegen will. Konsensschätzungen gehen derzeit von einem Verlust pro Aktie von rund 0,03 Pfund aus – deutlich schmaler als in früheren Jahren, sollte sich der Trend aus dem ersten Halbjahr bestätigen.
Förderung, neue Ankeraktionäre und Personalwechsel
Auch auf der Finanzierungsseite tat sich zuletzt einiges. Am 9. Juli erhielt ITM Power die formale Zusage über 46,5 Millionen Pfund vom britischen Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null (DESNZ). Das Geld fließt in eine automatisierte Fertigungslinie mit einer Gigawatt-Kapazität für den neuen „Chronos“-Elektrolyseur-Stack am Standort Sheffield. Ende April hatte zudem die Great British Energy Group über eine strategische Kapitalspritze von 40 Millionen Pfund eine Beteiligung von 10,41 Prozent beziehungsweise knapp 72 Millionen Aktien an ITM Power aufgebaut, wie am 21. Mai bekannt wurde.
Auch aus den Reihen des eigenen Managements kam ein positives Signal: Der Non-Executive Director Sir Warren East kaufte am 29. Juni 172.000 Stammaktien zu einem Preis von 1,148 Pfund je Aktie, wie eine am 17. Juli veröffentlichte Pflichtmitteilung zeigte. Strategisch hatte ITM Power bereits am 29. Januar mit „Hydropulse“ eine neue Geschäftseinheit gestartet, die dezentrale Wasserstoffanlagen nach dem Build-Own-Operate-Modell errichten und selbst betreiben soll. Zum 15. Januar übernahm zudem Jürgen Nowicki den Posten des Non-Executive Chairman und löste damit den bisherigen Vorsitzenden ab.
Zusammengenommen ergibt sich ein Bild eines Unternehmens, das operative Meilensteine, staatliche Förderung und wachsendes institutionelles Interesse gleichzeitig verbuchen kann – während die kommenden Jahreszahlen zeigen müssen, ob sich die verbesserte Umsatz- und Verlustdynamik aus dem ersten Halbjahr fortsetzt.
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