ITM Power Aktie: 152-Millionen-Pfund-Auftragsbestand

Trotz steigender Kursziele und Partnerschaften verliert die ITM Power Aktie massiv an Wert. Die hohe Volatilität prägt das Bild.

Die Kernpunkte:
  • Kurs trotz Analysten-Upgrades gefallen
  • Auftragsbestand auf Rekordniveau gewachsen
  • Hohe Volatilität von fast 88 Prozent
  • Management kauft eigene Aktien zu

Selten klaffen Analysten-Optimismus und Kursverlauf so weit auseinander wie bei ITM Power gerade. Auf der einen Seite überbieten sich Banken mit höheren Kurszielen für den britischen Elektrolyseur-Hersteller. Auf der anderen Seite rutscht die Aktie seit Wochen unaufhaltsam ab. Genau in dieser Lücke zwischen Erzählung und Kursverlauf steckt die eigentliche Geschichte.

Analysten drehen bullish, der Kurs bleibt skeptisch

Berenberg hat sein Kursziel für ITM Power fast verdoppelt, von 110 auf 200 britische Pence. Morgan Stanley hat die Aktie zeitgleich hochgestuft. Beide Schritte signalisieren wachsendes Vertrauen in die Rolle des Unternehmens im Wasserstoffgeschäft.

Trotzdem bleibt das Bild unter den Analysten gemischt. Manche mahnen weiter zur Vorsicht – wegen Ausführungsrisiken und der Frage, wann sich Fortschritte tatsächlich in den Zahlen niederschlagen.

Der Kursverlauf gibt den Skeptikern recht. Innerhalb eines Monats hat die Aktie rund 13 Prozent verloren, vom 52-Wochen-Hoch Ende Mai trennen sie inzwischen fast 53 Prozent. Von Euphorie zu Kater in wenigen Wochen – die Analysten-Upgrades haben daran wenig geändert.

Auftragsbestand wächst – auf dem Papier

Die fundamentale These der Bullen ist nicht aus der Luft gegriffen. ITM Power hat in diesem Jahr eine Partnerschaft nach der anderen geschlossen. Mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall entstand eine Technologie-Kooperation für ein Netzwerk von E-Fuels. Mit Protium Green Solutions schloss das Unternehmen ein strategisches Bündnis rund um das Cromarty-Wasserstoffprojekt in Schottland. Hinzu kommt ein Förderpaket der britischen Regierung für neue Fertigungskapazitäten in Sheffield.

Im ersten Halbjahr meldete das Unternehmen einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund und hob die Jahresprognose auf 40 bis 43 Millionen Pfund an.

Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund. Nach Angaben des Managements sind inzwischen mehr als 70 Prozent der Verträge profitabel. Das ist ein deutlicher Wandel gegenüber der früheren Wachstum-um-jeden-Preis-Phase. Damals mündeten steigende Auftragsmeldungen selten in nachhaltige Erträge.

Die Herausforderung bleibt, einen verlässlichen Strom mittelgroßer Projekte aufzubauen, der wiederkehrende Umsätze und eine bessere Auslastung der Fertigung sichert. Diesen Test hat ITM Power noch nicht endgültig bestanden.

Insider kaufen, vorsichtig

Inmitten der Kursschwäche gibt es zumindest ein kleines Vertrauenssignal aus dem eigenen Haus. CEO Dennis Schulz kauft über den Mitarbeiteraktienplan des Unternehmens regelmäßig Aktien zu, weitere Führungskräfte tun es ihm gleich. Die Summen sind überschaubar, nicht transformativ.

Aber sie passen zu einem Muster. Das Management setzt in kleinen Schritten auf die mittelfristige Entwicklung der Aktie – während der Markt von Woche zu Woche skeptischer reagiert.

Warum die Schwankungen mehr zählen als die Schlagzeilen

Reicht ein wachsender Auftragsbestand aus, um eine Aktie zu stabilisieren, die binnen vier Wochen mehr als ein Zehntel ihres Werts verliert? Ein Blick auf die Schwankungsbreite liefert eine erste Antwort.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 88 Prozent – ein Extremwert. Er erklärt, warum die Aktie im laufenden Jahr um rund 68 Prozent zulegen kann und trotzdem binnen eines Monats zweistellig verliert.

Der 50-Tage-Durchschnitt von 1,58 Euro liegt inzwischen deutlich über dem aktuellen Kurs, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,09 Euro dagegen darunter. Der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt damit intakt, auch wenn die kurzfristige Dynamik erkennbar gedreht hat – der 14-Tage-RSI von 39 spiegelt diese Abkühlung.

Das größere Bild

Ambitionierte Projekt-Pipelines und staatlich geförderte Expansionspläne müssten sich in dauerhafte, profitable Umsätze verwandeln – und zwar bevor Kapital oder die Geduld der Investoren aufgebraucht sind. Das bleibt die offene Frage für ITM Power und die gesamte Elektrolyseur-Branche. Die Marktkapitalisierung von rund 825 Millionen Euro preist bereits einen erheblichen Teil dieses Versprechens ein.

Der Auftragsbestand taucht bislang vor allem in Pressemitteilungen und Analystennotizen auf, kaum in der Gewinn- und Verlustrechnung. Solange sich das nicht ändert, dürfte sich die Aktie weiter so verhalten wie in den vergangenen Wochen. Die Stimmung dürfte den Fundamentaldaten mal weit voraus laufen, mal weit hinterherhinken – bei jeder neuen Nachricht mit heftigen Ausschlägen in beide Richtungen.

Anzeige

ITM Power-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ITM Power-Analyse vom 28. Juli liefert die Antwort:

Die neusten ITM Power-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ITM Power-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

ITM Power: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu ITM Power