ITM Power Aktie: 31-Prozent-Crash in sieben Tagen

Trotz Rekordumsatz und Auftragsbestand bricht die ITM Power Aktie ein. Analysten sind sich uneins über die Bewertung des Wasserstoff-Spezialisten.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert fast 31 Prozent in einer Woche
  • Goldman Sachs bestätigt Verkaufsempfehlung
  • Operative Rekordzahlen bei Umsatz und Aufträgen
  • Entscheidende Förderentscheidungen bis Ende Juni

Der spektakulärste Absturz folgt oft auf gute Nachrichten. Aktionäre von ITM Power lernen diese Lektion gerade auf die harte Tour. Operativ läuft es bei dem Wasserstoff-Spezialisten besser denn je. Der Aktienkurs kollabiert trotzdem.

Der Kater nach der Index-Party

Das Setup für den aktuellen Abverkauf steht in jedem Lehrbuch. Ende Mai stieg ITM Power in den MSCI UK Small Cap Index auf. Hedgefonds hatten sich im Vorfeld positioniert. Als die Änderung in Kraft trat, warfen sie ihre Papiere auf den Markt. Die passiven Indexfonds saugten das Angebot auf. Danach fehlten schlicht die Käufer auf dem hohen Preisniveau.

Die Folge: ein beispielloser Kursrutsch. Am 29. Mai notierte das Papier noch bei 2,58 Euro. Heute steht der Kurs bei 1,35 Euro. Die Aktie verlor in nur sieben Tagen fast 31 Prozent an Wert.

Damit rutschte der Titel auch deutlich unter die 50-Tage-Linie von 1,61 Euro. Die nächsten charttechnischen Haltemarken lauten für Anleger nun 1,17 Euro und 1,00 Euro.

Analysten im Blindflug

Goldman Sachs verschärfte den Druck zusätzlich. Die Investmentbank bestätigte ihre Verkaufsempfehlung. Das Kursziel hoben die Analysten nur minimal auf 63 Pence an. Das liegt weit unter dem aktuellen Marktniveau.

Die Meinungen der Experten gehen fast schon komisch weit auseinander. Jefferies sieht das Ziel bei 200 Pence und rät zum Kauf. Berenberg empfiehlt die Aktie ebenfalls, kappte das Ziel aber auf 110 Pence. UBS bleibt neutral. Wenn Analysten sich um den Faktor drei uneinig sind, bewertet der Markt kein Unternehmen mehr. Er preist eine binäre Wette ein.

Warten auf den Staat

Hinter dem Rauschen verbessern sich die operativen Zahlen spürbar. Der Umsatz erreichte im ersten Geschäftshalbjahr 2026 einen Rekord von 18 Millionen Pfund. Der Auftragsbestand kletterte auf 152 Millionen Pfund. Davon gelten gut 70 Prozent als profitabel.

Das sind keine Zahlen eines Krisenunternehmens. ITM Power schreibt aber weiterhin tiefe Verluste. Drei entscheidende Weichenstellungen stehen bis Ende Juni an. Die Regierung muss über die Förderung der automatisierten Chronos-Fertigungslinie entscheiden.

Parallel dazu erwarten Anleger die Ergebnisse der zweiten Wasserstoff-Vergaberunde. Auch Uniper muss grünes Licht für ein separates Projekt geben. Fällt die staatliche Förderung für Chronos weg, droht laut Jefferies ein Abwärtsrisiko von 52 Prozent.

Vision trifft Realität

Das Geschäftsmodell bleibt extrem schwer zu bewerten. Die Lücke zwischen der großen Erzählung und den echten Zahlungsströmen ist riesig. ITM Power baut mit Rheinmetall synthetische Kraftstoffe für die NATO. Das Programm plant Hunderte dezentrale Produktionsstätten in Europa.

Im Mai sicherte sich das Unternehmen einen weiteren Großauftrag. ITM Power liefert Elektrolyseure mit über 300 Megawatt Leistung nach Asien. Die Pipeline existiert. Die großen Umsätze fehlen noch.

Trotz des Crashs steht seit Jahresanfang immer noch ein Plus von knapp 87 Prozent auf der Kurstafel. Die langfristige Wasserstoff-Fantasie ist intakt. Der Markt zahlt aktuell nur nicht mehr für ungelieferte Versprechen. Am 15. September legt ITM Power die Jahreszahlen vor. Bis dahin müssen die Juni-Entscheidungen zeigen, ob der operative Turnaround wirklich gelingt.

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