ITM Power Aktie: 3,30-Prozent-Rutsch trotz Berenberg-Aufwertung
ITM Power verliert trotz positiver Analystenbewertungen von Berenberg und Morgan Stanley deutlich an Wert. Der Aktienkurs fällt unter wichtige Durchschnitte.

- Aktie verliert über 3% an einem Tag
- Analysten von Berenberg und Morgan Stanley optimistischer
- Kurs liegt weit unter 50-Tage-Durchschnitt
- Insiderkäufe des Managements als Routinevorgang enttarnt
Die Aktie von ITM Power notiert bei 1,17 Euro, ein Minus von 3,30 Prozent an nur einem Handelstag. Was den Fall bemerkenswert macht: Ausgerechnet jetzt werden Analysten optimistischer. Diese Kluft zwischen Chart und Analystenmeinung verdient einen genaueren Blick, bevor man ein Urteil über die nächsten Kursschritte fällt.
Ein Chart im freien Fall
Die technischen Daten erzählen eine eindeutige Geschichte des Momentumverlusts. Binnen einer Woche hat die Aktie 13,51 Prozent verloren, binnen eines Monats 16,64 Prozent. Damit liegt der Kurs 25,16 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,57 Euro und mehr als die Hälfte unter dem Jahreshoch von 2,58 Euro.
Der 14-Tage-RSI von 36,9 nähert sich der überverkauften Zone. Die annualisierte Volatilität von 88,07 Prozent zeigt, wie heftig die Stimmung in diesem Jahr in beide Richtungen ausgeschlagen ist.
Diese Volatilität wirkt in beide Richtungen. Trotz des jüngsten Ausverkaufs steht ITM Power seit Jahresbeginn immer noch mit 61,99 Prozent im Plus. Das ist eine Erinnerung daran: Diese Aktie kann genauso explosiv steigen wie sie einbrechen kann. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,09 Euro, deutlich unter dem aktuellen Kurs – der langfristige Trend ist also noch nicht gebrochen, auch wenn das kurzfristige Momentum klar in die falsche Richtung zeigt.
Analysten werden konstruktiver – aber uneinig
Was den aktuellen Rücksetzer noch rätselhafter macht: Ein Teil der Sell-Side-Analysten wird gerade bullisher. Berenberg hat seine Haltung zu ITM Power aufgewertet und das Kursziel angehoben. Morgan Stanley hat die Aktie hochgestuft und verweist auf wachsendes Interesse an der Rolle des Unternehmens im Wasserstoffmarkt. Das ist eine deutliche Neubewertung von zwei Häusern, die offenbar etwas in der Ausführungsstrategie des Unternehmens sehen, das eine höhere Bewertung rechtfertigt.
Einstimmig ist dieses Bild aber nicht. Die aggregierte Analysteneinschätzung von TipRanks bleibt gespalten. Sie verweist auf schwache Finanzkennzahlen, anhaltende Verluste und einen negativen operativen sowie freien Cashflow als Belastungsfaktoren – dazu einen bärischen technischen Trend, weil der Kurs unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten notiert.
Dieser Vorbehalt wiegt für mich schwerer als die Schlagzeilen der Kurszielanhebungen. Eine deutliche Anhebung des Kursziels ist ein starkes Bekenntnis. Sie ist aber auch eine Wette auf eine Ausführung, die im Elektrolyseur-Geschäft schon wiederholt enttäuscht hat. Der aktuelle Kursrutsch spricht dafür, dass der Markt momentan eher den Skeptikern glaubt als den Optimisten.
Aktienkäufe der Chefetage: kein neues Signal
Manche Quellen für Privatanleger haben den Kauf von 134 Aktien durch CEO Dennis Schulz am 15. Juli als Signal für Insiderkäufe hervorgehoben. Der Kontext relativiert das deutlich. Sowohl Schulz als auch CTO Simon Bourne kauften je 134 Partnerschaftsaktien und erhielten dazu je 134 passende Aktien – macht insgesamt 268 Aktien pro Person, abgewickelt zu 1,1231 Pfund je Stammaktie.
Der Kauf lief über den betriebseigenen Aktiensparplan „Buy as You Earn“. Angestellte können darin monatlich bis zu 150 Pfund in Stammaktien investieren, das Unternehmen legt automatisch im Verhältnis eins zu eins nach. Beide Führungskräfte nehmen seit über einem Jahr jeden Monat daran teil. Im Juni erwarben beide je 113 Partnerschaftsaktien zu 1,3305 Pfund, im Februar je 241 Aktien zu 0,62309 Pfund – unabhängig vom jeweiligen Kursniveau.
Kurz gesagt: Das ist ein routinemäßiger, gehaltsgebundener Vorgang, keine eigenständige Wette des Managements auf ein bestimmtes Kursniveau. Anleger sollten den Juli-Kauf nicht als frisches, freiwilliges Vertrauensvotum lesen – Schulz und Bourne tun das faktisch jeden Monat, egal wo die Aktie steht.
Mein Fazit: eine Kampfzone, kein klares Signal
ITM Power ist für mich derzeit eine echte Kampfzone zwischen zwei Lagern. Auf der einen Seite steht eine ernstzunehmende Neubewertung durch glaubwürdige Analystenhäuser. Auf der anderen Seite steht ein Chart, der sich binnen eines Monats deutlich verschlechtert hat und weit unter dem 50-Tage- wie dem 100-Tage-Durchschnitt notiert. Die routinemäßigen BAYE-Käufe des Managements liefern in keine Richtung eine neue Information, da sie fest im Kalender verankert sind und nichts mit der Kursdynamik zu tun haben.
Für mich spricht die Kluft zwischen steigender Analystenzuversicht und fallendem Kurs eher für Vorsicht als für ein Schnäppchen – zumindest bis sich die Aktie oberhalb ihrer kurzfristigen Durchschnitte stabilisiert. Die Kursziele der Analysten beruhen auf einer mehrjährigen Wette auf die Fertigungsplattform des Unternehmens, einer Wette, die sich in den Zahlen noch nicht bewiesen hat. Solange das Momentum nicht dreht, bleibt die vorsichtige Lesart des Ausführungsrisikos für mich das relevantere Signal – auch wenn die langfristige Bullen-These von Berenberg und Morgan Stanley intakt bleibt.
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