ITM Power Aktie: 47 Prozent unter Mai-Rekord
Trotz gesicherter Förderung von 46,5 Mio. Pfund fällt die ITM Power Aktie weiter. Analysten bleiben gespalten über die Umsetzung der Chronos-Gigawatt-Fertigung.

- Staatshilfe von 46,5 Millionen Pfund bestätigt
- Great British Energy investiert 40 Millionen Pfund
- Chronos-Linie soll Gigawatt-Kapazität erreichen
- Aktie fällt trotz Förderzusage weiter
Monatelang hing das Geld in der Schwebe. Jetzt ist die Förderung da – und trotzdem verliert die Aktie von ITM Power weiter an Boden. Der britische Elektrolyseur-Hersteller hat die formale Bestätigung einer Staatsförderung über 46,5 Millionen Pfund erhalten, doch der Markt reagiert nüchtern statt euphorisch.
Die Aktie schloss am Freitag bei 1,35 Euro, ein Minus von 1,95 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangene Woche summiert sich der Rückgang auf 8,51 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von knapp 87 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie volatil das Jahr für ITM Power bislang verlaufen ist.
Förderung nimmt letzte Hürde
Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null hat die Zuschüsse offiziell freigegeben. Sie fließen in die nächste Generation der Elektrolyseur-Fertigung am Standort Sheffield, bekannt als Chronos-Linie. Angekündigt wurde das Programm bereits im April, verzögert hatte sich die Auszahlung durch eine wettbewerbsrechtliche Prüfung.
Parallel zur Staatsförderung steigt Great British Energy mit weiteren 40 Millionen Pfund als Eigenkapitalinvestor ein. Der Ausbau soll rund 400 neue Arbeitsplätze schaffen. Konzernchef Dennis Schulz bezeichnete die Freigabe als „entscheidenden Schritt“, um ITM Power ins Zentrum der britischen Wasserstoffwirtschaft zu rücken.
Chronos-Linie zielt auf Gigawatt-Format
Die Chronos-Stacks sollen laut Unternehmen effizienter und günstiger produzieren als die bisherige Trident-Linie, auf deren Fertigungsprozessen sie aufbauen. Am bestehenden Sheffield-Standort entsteht eine Anlage mit einer Jahreskapazität von bis zu einem Gigawatt. Automatisierung, Spezialausrüstung und Reinraum-Produktion sollen das möglich machen.
ITM Power sieht darin einen Weg, das Ausführungsrisiko zu senken und gleichzeitig eine skalierbare Plattform mit hohem Durchsatz aufzubauen. Ob das gelingt, muss sich in der Umsetzung zeigen.
Analysten bleiben gespalten
Die Bank Berenberg hat ihr Kursziel für ITM Power deutlich angehoben, von 110 auf 200 Pence. Auch Morgan Stanley stufte die Aktie zuletzt hoch. Trotzdem zeigt das Analystenbild insgesamt kein einheitliches Bild – ein Teil der Bank-Analysten bleibt vorsichtig, vor allem mit Blick auf Ausführungsrisiken und den Zeitpunkt, an dem sich Fortschritte tatsächlich in den Zahlen niederschlagen.
Der zentrale Fair-Value-Anker für die Aktie wurde von 1,19 auf 1,31 Euro angehoben, nachdem Analysten ihre Modelle aktualisiert haben.
Bilanz bleibt angespannt
Trotz der frischen Staatshilfe schreibt ITM Power weiter operative Verluste. Auch der operative Cashflow und der freie Cashflow sind negativ. Die Verschuldung bleibt zwar vergleichsweise niedrig, das Management berichtet zuletzt von besserer Auftragsqualität und ermutigenden Wachstumsaussichten. Wann sich diese Pipeline tatsächlich in Umsatz verwandelt, bleibt offen.
Kurs weit unter dem Jahreshoch
Trotz der gesicherten Förderung bleibt die Aktie meilenweit von ihrem Rekordhoch entfernt. Am 29. Mai markierte das Papier bei 2,58 Euro sein 52-Wochen-Hoch, aktuell liegt der Kurs rund 47 Prozent darunter. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 1,72 Euro klafft ebenfalls eine deutliche Lücke von gut 21 Prozent.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,07 Euro liegt der Kurs dagegen weiterhin im Plus. Das Jahr pendelte bislang zwischen einem Tief von 0,65 Euro im Februar und dem Mai-Rekord – ein Spannungsbogen, der die Nervosität rund um die Chronos-Finanzierung gut widerspiegelt.
Mit der formal gesicherten Förderung kann der Bau der Sheffield-Linie nun beginnen. Der Blick der Anleger dürfte sich als Nächstes auf die Umsetzung richten: wie schnell die Gigawatt-Anlage entsteht, ob die rund 400 versprochenen Jobs pünktlich kommen und ob sich die Auftragspipeline im angekündigten Tempo in Umsatz verwandelt. Die Kluft zwischen optimistischen und vorsichtigen Analystenstimmen dürfte die Aktie in den kommenden Monaten weiterhin empfindlich auf jede neue Meldung reagieren lassen.
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