ITM Power Aktie: 50 Megawatt für Rheinmetall
Die Partnerschaft mit Rheinmetall beflügelt die Aktie von ITM Power, doch Analysten sind sich über den fairen Wert uneinig.

- Kooperation mit Rheinmetall vereinbart
- Analystenmeinungen stark gespalten
- Staatliche Förderung als Schlüsselfaktor
- Hohe Kursschwankungen bleiben bestehen
ITM Power schließt am Freitag bei 1,48 Euro. Das sind 2,35 Prozent mehr als am Vortag und satte 14,01 Prozent mehr als vor einer Woche. Auslöser ist eine neue Kooperationsvereinbarung mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall.
Trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie des britischen Elektrolyseur-Herstellers ein Schwankungspapier. Der Kurs liegt noch immer 42,55 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro aus Ende Mai. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 104,14 Prozent zu Buche.
Rheinmetall-Deal als Diversifikationssignal
ITM Power hat mit Rheinmetall eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Der Konzern stellt bis zu 50 Megawatt Elektrolyseur-Kapazität für das Giga-PtX-Programm bereit. Ziel ist die Produktion synthetischer Kraftstoffe nach NATO-Standard.
Die Nachricht treibt die Erholung der Aktie in den vergangenen Tagen maßgeblich an. Zuvor stand das Papier unter starkem Verkaufsdruck. Wichtig für Anleger: Die Vereinbarung ist bislang nur ein frühes Rahmenwerk, kein verbindlicher Auftrag.
Bei einem verwandten Projekt übernimmt Partner Protium Green Solutions die Stromversorgung, Genehmigungen und Verteilinfrastruktur. Das zeigt ein grundlegendes Muster: ITM Powers Wachstumspipeline hängt von mehreren Partnern ab, die parallel liefern müssen. Erst dann fließen tatsächlich Umsätze.
Analysten liegen weit auseinander
Die Rheinmetall-Nachricht trifft auf eine Welle widersprüchlicher Analysteneinschätzungen. Berenberg sieht die Aktie bei 200 Pence fair bewertet. Goldman Sachs dagegen rät weiterhin zum Verkauf.
Der Analystenkonsens über alle Häuser hinweg liegt bei nur 131 Pence fairem Wert. Diese Kluft zeigt, wie uneinig sich die Analystenszene bei ITM Power ist.
Auch Simply Wall St hat sein Bewertungsmodell nach den jüngsten Nachrichten angepasst. Der faire Wert wandert von 1,19 auf 1,31 britische Pfund. Aktuelle Kursziele von Analysten bewegen sich zwischen 1,10 und 2,00 Pfund, begleitet von diversen Rating-Änderungen.
Staatliche Förderung bleibt der eigentliche Hebel
Neben den Rheinmetall-Schlagzeilen bleibt ein anderer Faktor entscheidend für den Kursverlauf: das Schicksal eines britischen Förderpakets. Great British Energy hat im zweiten Quartal 2026 eine Beteiligung von gut zehn Prozent an ITM Power erworben und dafür 40 Millionen Pfund investiert.
Ein weiterer staatlicher Zuschuss von rund 46 Millionen Pfund könnte folgen. Das Kapital soll die Produktion der nächsten Elektrolyseur-Generation hochfahren – genau jener Technik, die später auch die Rheinmetall-Partnerschaft beliefern soll.
Das Management stützt die optimistische Sichtweise zusätzlich mit operativen Fortschritten. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 wurde auf eine Spanne von 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben. Beim Produkt setzt ITM Power auf Standardisierung rund um die ALPHA-50-Einheit, einen 50-Megawatt-Elektrolyseur für Großprojekte. Ein wichtiger Testlauf startet in Kürze: eine Designstudie mit DB Systemtechnik, dem Engineering-Arm der Deutschen Bahn.
Extreme Schwankungen prägen den Handel
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 113,55 Prozent. Das zeigt, wie stark Nachrichten den Kurs bewegen können – oft stärker als die eigentlichen Fundamentaldaten. Die Aktie notiert 15,36 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro, aber 39,84 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,06 Euro.
Die Rheinmetall-Kooperation liefert ITM Power vorerst eine weitere Wachstumsgeschichte – Umsatz bringt sie noch nicht. Ob daraus verbindliche Aufträge werden, entscheidet sich erst mit der Zeit. Genauso offen bleibt die Entscheidung über die britische Förderung. Beides zusammen dürfte bestimmen, ob die Aktie näher an die optimistischeren Kursziele heranrückt oder wieder Richtung 200-Tage-Linie bei 1,06 Euro abrutscht.
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