ITM Power Aktie: Chronos-Entscheidung im Juni

ITM Power steht vor der finalen Chronos-Investitionsentscheidung. Das REFHYNE-2-Projekt erhält Auszeichnungen, während Analysten uneins sind.

Die Kernpunkte:
  • Chronos-Entscheidung steht bevor
  • REFHYNE-2 gewinnt zwei Preise
  • Umsatz steigt, Verluste sinken
  • Uniper-Pipeline als nächster Impuls

ITM Power geht in einen Juni, der mehr ist als ein Termin im Kalender. Beim Chronos-Programm rückt die finale Investitionsentscheidung näher. Parallel dazu holt REFHYNE-2 gleich zwei internationale Auszeichnungen. Die Aktie hat stark vorgelegt, nun braucht die Rally industrielle Substanz.

Chronos wird zum Schlüsselprojekt

Im Zentrum steht Chronos. Die neue Elektrolyseur-Plattform soll ITM Power aus der Phase einzelner Leuchtturmprojekte herausführen. Entscheidet sich das Management für den Bau, wäre das ein klares Signal für die nächste Skalierungsstufe.

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Chronos hängt an einem staatlichen Paket über 86,5 Millionen Pfund. Great British Energy soll 40 Millionen Pfund als Eigenkapital einbringen. Das Energieministerium steuert einen Zuschuss über 46,5 Millionen Pfund bei.

Eine wichtige Hürde ist bereits genommen. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA gab am 20. Mai grünes Licht für die staatliche Beihilfe. Das Management will die finale Investitionsentscheidung nach der Freigabe und dem formalen Abschluss treffen.

Technisch ist Chronos ein deutlicher Sprung. Das System liefert die dreifache Leistung des Vorgängers. Die Herstellungskosten sinken um 40 Prozent, der Platzbedarf halbiert sich.

Das Ziel: mehr Industrie, weniger Manufaktur. ITM will die Fertigung von katalysatorbeschichteten Membranen automatisieren. Genau dieser Schritt soll die Produktion skalierbarer machen.

Auch intern wird die Plattform schlanker. Die Zahl der Komponenten sinkt um 50 Prozent. Die Leistungsdichte steigt auf 2,5 Megawatt je Quadratmeter.

REFHYNE-2 liefert Rückenwind

REFHYNE-2 bringt ITM Power Rückenwind zur richtigen Zeit. Das Projekt umfasst einen 100-Megawatt-PEM-Elektrolyseur im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland. Bei den World Hydrogen Awards 2026 in Rotterdam gewann es zwei Kategorien.

Ausgezeichnet wurde das Projekt als Clean Hydrogen Project und für seine industrielle Anwendung. Die Anerkennung trifft einen sensiblen Punkt. ITM muss zeigen, dass seine Technik nicht nur im Labor überzeugt.

Ab 2027 soll die Anlage bis zu 44.000 Kilogramm erneuerbaren Wasserstoff pro Tag produzieren. Ein Teil davon soll die Kraftstoffproduktion in Shells Raffinerie Wesseling dekarbonisieren. Für ITM ist das ein wichtiges Referenzprojekt im industriellen Maßstab.

Analysten liegen weit auseinander

Die Chronos-Entscheidung erklärt auch die große Spanne bei den Kurszielen. Der Markt bewertet nicht nur aktuelle Umsätze. Er bewertet die Chance, dass ITM Power seine Technik profitabel skalieren kann.

  • Jefferies bleibt bei „Buy“ mit 200 Pence Kursziel und warnt vor 52 Prozent Rückschlag bei einem negativen Chronos-Ausgang.
  • Berenberg hält ebenfalls an „Buy“ fest, senkte das Kursziel aber auf 110 Pence.
  • UBS bleibt bei „Neutral“ und sieht den fairen Wert nur bei 60 Pence.
  • Morgan Stanley erwartet den EBITDA-Break-even im Geschäftsjahr 2028, falls ITM rund 200 Megawatt neue Aufträge gewinnt.

Auch intern senden die Führungskräfte unterschiedliche Signale. Technologiechef Simon Bourne verkaufte den Großteil seiner 1,3 Millionen Aktienoptionen zu durchschnittlich 157,44 Pence. Als Grund nannte er Steuerpflichten, rund 656.000 Aktien behält er.

CEO Dennis Schulz setzt dagegen auf operative Meilensteine. Sein eigenes Paket von 1,3 Millionen Aktien ist an die erfolgreiche Lieferung von Chronos und profitable Verträge gekoppelt. Das bindet seine Interessen eng an die nächsten Projektschritte.

Uniper-Pipeline bleibt wichtig

Neben Chronos wartet der Markt auf Signale aus der britischen Wasserstoff-Förderrunde HAR2. Auf der Shortlist stehen 27 Projekte. Dazu zählt Unipers Humber H2ub in Killingholme.

ITM Power könnte für die erste Ausbaustufe sechs Poseidon-Module mit je 20 Megawatt liefern. Diese Phase kommt auf 120 Megawatt. Für ITM wäre das ein Auftrag mit hoher Signalwirkung.

Die Inbetriebnahme ist für 2029 geplant. Später könnte das Projekt auf mehr als 200 Megawatt wachsen. Die Regierung will die Verträge bis Ende 2026 vergeben, erste Hinweise könnten aber schon im Juni kommen.

ITM Power ist bereits bevorzugter Lieferant für zwei HAR2-Projekte. Eines davon ist groß, das andere kleiner. Beide hängen aber noch an den finalen Investitionsentscheidungen der jeweiligen Entwickler.

Umsatz steigt, Verluste bleiben

Operativ hellt sich das Bild auf. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet ITM Power 40 bis 43 Millionen Pfund Umsatz. Das wäre ein Plus von 35 Prozent.

Das erste Halbjahr brachte bereits einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Der bereinigte EBITDA-Verlust sank von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund. Die Richtung stimmt, profitabel ist ITM damit noch nicht.

Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiter mit einem EBITDA-Minus von 27 bis 29 Millionen Pfund. Der Umbau kostet also weiter Geld. Der stärkere Auftragsbestand muss erst in stabile Margen umschlagen.

Die Liquidität sieht nach dem Einstieg von Great British Energy deutlich besser aus. ITM hob die Prognose für die Nettoliquidität auf 210 bis 215 Millionen Pfund an. Zuvor lag die Spanne bei 170 bis 175 Millionen Pfund.

Bis zu den Jahreszahlen am 15. September 2026 dürften die wichtigsten Punkte geklärt sein: Chronos, HAR2 und die Uniper-Pipeline. Danach zählt weniger die Wasserstoff-Story. Dann zählt, ob ITM Power aus Projekten ein belastbares Industriegeschäft macht.

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