ITM Power Aktie: Chronos-Entscheidung könnte 52 Prozent kosten

Nach Kursrutsch durch MSCI-Effekt stehen für ITM Power im Juni wegweisende Entscheidungen zu Chronos, HAR2 und Uniper an.

Die Kernpunkte:
  • Chronos-Investitionsentscheidung steht bevor
  • Ergebnisse der Wasserstoff-Auktion HAR2 erwartet
  • Umsatz steigt auf Rekordniveau von 18 Mio. Pfund
  • Analysten sehen Potenzial trotz tiefer Verluste

Nach dem MSCI-bedingten Kursrutsch Ende Mai startet ITM Power mit einer bereinigten Aktienbewertung in den Juni. Gleich drei richtungsweisende Entscheidungen stehen an – und könnten den Wasserstoff-Spezialisten für Jahre prägen.

MSCI-Effekt dreht Kursgewinne

Die Aufnahme in den MSCI UK Small Cap Index hatte den Kurs zunächst beflügelt. Von 157,4 Pence schoss die Aktie auf ein Intraday-Hoch von 219,8 Pence. Dann schlugen passive Indexfonds am Freitag, dem 29. Mai, im Closing Cross zu. Hedgefonds wie Helikon nutzten die Liquiditätsspitze, um Short-Positionen glattzustellen. Die Folge: ein klassischer technischer Reversal. Das Papier fiel um 7 Prozent auf 194,40 Pence und gab alle Index-gewinne wieder ab.

Die eigentliche Nachricht der Woche – ein staatlicher Großauftrag von Great British Energy über umgerechnet 86,5 Millionen Pfund – geriet dabei fast in den Hintergrund. Für ITM Power zählt jetzt aber vor allem, was im Juni passiert.

Chronos: Der zentrale Test

Die finale Investitionsentscheidung für das Chronos-Programm steht an. Die neue Elektrolyseur-Generation liefert mit 2 Megawatt pro Einheit die dreifache Leistung des Vorgängers. Dazu kommen 40 Prozent niedrigere Kapitalkosten bei halbierter Fläche.

Das neue 1-GW-Werk in Sheffield hat bereits einen Kapitalzuschuss von 46,5 Millionen Pfund vom britischen Energieministerium erhalten. Ausgezahlt wird die Summe in den Fiskaljahren 2026/27 und 2027/28. Ziel ist eine vollautomatisierte Produktionslinie für Chronos – mit kommerzieller Fertigung ab 2028.

Jefferies schlägt Alarm: Ein negatives Votum könnte 52 Prozent vom Aktienkurs abräumen. Trotzdem bewertet die Bank die Aktie mit „Kaufen“ und einem Kursziel von 200 Pence.

HAR2 und Uniper: Zwei weitere Katalysatoren

Die Ergebnisse der zweiten britischen Wasserstoff-Auktionsrunde HAR2 stehen kurz bevor. 27 Projekte haben die Shortlist erreicht, darunter Unipers Humber H2ub in Killingholme. ITM soll sechs 20-MW-Poseidon-Module für die erste 120-MW-Phase liefern. Die Inbetriebnahme ist für 2029 geplant, eine Ausbaustufe auf über 200 MW möglich.

Die Regierung hat angekündigt, die Verträge bis Ende 2026 zu vergeben. Schon im Juni könnten Signale kommen.

Besser werdende Zahlen – bei tiefroten Verlusten

Das operative Geschäft hellt sich auf. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte ITM einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit 40 bis 43 Millionen Pfund – ein Plus von 35 Prozent.

Das Orderbuch steht bei 152 Millionen Pfund. Entscheidend: 71 Prozent dieser Aufträge gelten als profitabel, ein deutlicher Kontrast zu den verlustreichen Altverträgen. Die Bilanz bleibt indes tiefrot. Das EBITDA liegt bei minus 27 bis 29 Millionen Pfund, der Vorsteuerverlust weitete sich auf 45,4 Millionen aus. Morgan Stanley erwartet operative Gewinne frühestens 2028 – und das nur bei perfekter Umsetzung.

Die Liquidität ist gesichert. Dank der Mittel von Great British Energy soll der Cash-Bestand zum Jahresende bei 170 bis 175 Millionen Pfund liegen.

Analysten uneins

Jefferies hob sein Kursziel von 115 auf 200 Pence und bleibt bei „Kaufen“ – gestützt auf höhere Gewinnerwartungen und niedrigere Diskontsätze. Von den Analysten raten sieben zum Kauf, vier zum Halten und nur einer zum Verkauf. Morgan Stanley sieht ITM 2028 die EBITDA-Gewinnschwelle erreichen – ein Jahr früher als bislang gedacht. Voraussetzung: rund 200 MW an Neubestellungen.

Die nächsten Quartalszahlen erscheinen am 15. September. Bis dahin sollten alle drei Juni-Entscheidungen gefallen sein. Ob der Post-MSCI-Rücksetzer eine gesunde Konsolidierung oder der Beginn einer tieferen Korrektur war – das entscheiden die kommenden Wochen.

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