ITM Power Aktie: Chronos-Linie in Sheffield
ITM Power-Aktie erholt sich, doch die entscheidende Weiche stellt eine britische Behörde mit einem 46,5-Millionen-Pfund-Zuschuss.

- Aktie steigt um 14 Prozent
- Entscheidung über Förderung steht aus
- Insider-Kauf durch Warren East
- Analysten uneins über Kursentwicklung
Ein Fördergrant aus Whitehall entscheidet gerade über den Kurs eines Wasserstoff-Titels. ITM Power schoss diese Woche um 14 Prozent nach oben. Am Freitag schloss die Aktie bei 1,48 Euro, ein Plus von 2,35 Prozent auf Tagesbasis.
Die Erholung wirkt beeindruckend, relativiert sich aber schnell. Innerhalb von 30 Tagen hatte die Aktie zuvor 27,40 Prozent verloren. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 104,14 Prozent zu Buche — die Aktie bleibt eine der volatilsten Wetten im Wasserstoffsektor.
Eine Entscheidung aus Whitehall lähmt den Markt
Der entscheidende Faktor für die kommende Handelswoche liegt nicht im Unternehmen selbst. Er liegt bei einer britischen Regierungsbehörde. Im April hatte das Department for Energy Security and Net Zero einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund für ITM Power in Aussicht gestellt.
Das Geld soll eine Fertigungslinie für den Chronos-Elektrolyseur-Stack mit einer Gigawatt Kapazität in Sheffield finanzieren. Der Haken: Die Förderung unterliegt noch einer beihilferechtlichen Prüfung. Das Ergebnis wird erst im Juni 2026 erwartet.
Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung. Der Markt handelt damit im Grunde ein binäres Ereignis — und nicht die operative Entwicklung des Unternehmens.
Die Summen dahinter sind erheblich. ITM Power will bis zu 120 Millionen Pfund über drei Jahre in die Chronos-Linie stecken. Ziel ist der kommerzielle Betrieb ab 2028.
Parallel dazu hob das Unternehmen im April seine Cash-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 an, von zuvor 170 bis 175 Millionen Pfund auf jetzt 210 bis 215 Millionen Pfund. Möglich wurde das durch eine Kapitalerhöhung, an der sich auch die staatliche Investitionsgesellschaft Great British Energy beteiligte.
Deren Einstieg zahlt sich bereits aus. Great British Energy kaufte im April rund 72 Millionen Aktien zu 55,56 Pence. Beim aktuellen Kurs von 130,60 Pence ist das Paket rund 94 Millionen Pfund wert — ein Buchgewinn von etwa 54 Millionen Pfund.
Analysten uneins, Insider kaufen
Die Meinungen der Analysten gehen deutlich auseinander. Berenberg zeigt sich zunehmend zuversichtlich und hob das Kursziel von 110 auf 200 Pence an. Auch Morgan Stanley stufte die Aktie zuletzt herauf.
Nicht alle folgen dieser Einschätzung. Trotz der höheren Kursziele bleibt die Bewertungslandschaft gemischt — ein Zeichen dafür, dass Teile des Marktes weiterhin Ausführungsrisiken und die Frage sehen, wann sich Fortschritte tatsächlich in den Zahlen niederschlagen.
Interessant wird der Blick auf die Insider. Sir Warren East, seit Oktober im Board von ITM Power, kaufte in dieser Woche 172.000 Aktien zu je 1,15 Pfund — ein Investment von knapp 197.500 Pfund. East war von 2015 bis 2022 Chef von Rolls-Royce Holdings, davor leitete er ARM Holdings. Sein Einstieg dürfte als Vertrauenssignal gewertet werden, auch wenn er die gespaltene Analystenmeinung nicht auflöst.
Der Blick auf den Chart
Charttechnisch bewegt sich die Aktie in einem angespannten Feld zwischen Unterstützung und Widerstand. Sie liegt 15,36 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro, aber 39,84 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,06 Euro. Diese Spanne zeigt, wie stark die Rally seit dem Tief im Februar ausgefallen ist.
Der RSI auf 14-Tage-Basis notiert bei 46,7 — ein neutraler Wert, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 113,55 Prozent zeigt jedoch, wie empfindlich das Papier auf Nachrichten reagiert.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro aus Ende Mai trennen die Aktie aktuell 42,55 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 0,65 Euro aus Anfang Februar liegt dagegen ein Abstand von 128,55 Prozent.
Bis zur Jahresmitte richtet sich der Blick der Anleger auf London, nicht auf operative Meldungen aus Sheffield. Die nächsten Geschäftszahlen von ITM Power stehen erst am 15. September 2026 an, die Hauptversammlung folgt traditionell im Oktober. Solange die beihilferechtliche Prüfung des britischen Zuschusses läuft, dürfte die Aktie zwischen Unterstützung und Widerstand hin- und herpendeln — je nachdem, welche Signale aus Whitehall durchsickern.
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