ITM Power Aktie: Erste Wasserstoff-Lieferung aus Lingen

ITM Power liefert erstmals grünen Wasserstoff an Industriekunden und startet den kommerziellen Betrieb. Die Aktie reagiert mit einem Plus von 3,79 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Erste Wasserstoff-Lieferung an Evonik
  • PEM-Technologie besteht industriellen Praxistest
  • Aktie legt um 3,79 Prozent zu
  • Frisches Kapital für neue Elektrolyseur-Plattform

Nach monatelangen Verzögerungen und kritischen Fragen zur Technik liefert ITM Power endlich den Beweis: Grüner Wasserstoff aus deutscher Produktion erreicht einen Industriekunden. Der britische Elektrolyseur-Hersteller meldet den ersten erfolgreichen Transport von Wasserstoff im Rahmen des GET H2 Nukleus-Projekts in Lingen.

Das Gas stammt aus zwei Anlagen mit je 100 Megawatt Leistung, die ITM Power gemeinsam mit Linde Engineering gebaut hat. Über eine 120 Kilometer lange Pipeline fließt es nun zum Chemiepark Marl, den Evonik betreibt. Damit entsteht eine der ersten vollständig integrierten Wasserstoff-Wertschöpfungsketten Europas.

Praxistest für PEM-Technologie bestanden

Für ITM Power ist der Moment mehr als eine technische Randnotiz. Die PEM-Elektrolyse-Technologie des Unternehmens musste beweisen, dass sie im industriellen Maßstab zuverlässig funktioniert. CEO Dennis Schulz bezeichnete den Erfolg als „Meilenstein“ für die gesamte Wasserstoffbranche.

Als Nächstes steht der Ausbau auf den vollen kommerziellen Betrieb mit 200 Megawatt an. Die erfolgreiche Erprobung liefert dafür die nötige Grundlage – und dürfte auch Zweifler überzeugen, die zuletzt die Verlässlichkeit großer Wasserstoffanlagen infrage gestellt hatten.

Kurs erholt sich, bleibt aber weit unter Hoch

Der Markt reagierte prompt: Die Aktie legt am Dienstag um 3,79 Prozent auf 1,23 Euro zu. Die Erholung kommt nach einer schwachen Phase – in den vergangenen 30 Tagen hatte das Papier noch 16,46 Prozent verloren.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro, erreicht Ende Mai, bleibt die Aktie weiterhin 52,17 Prozent entfernt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 70,42 Prozent zu Buche. Frühere Finanzierungserfolge und strategische Partnerschaften stützen diese Jahresbilanz.

Frisches Kapital für neue Elektrolyseur-Generation

Der operative Erfolg in Lingen trifft auf eine finanziell gestärkte Ausgangslage. Erst kürzlich sicherte sich ITM Power einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund vom britischen Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null (DESNZ). Hinzu kommt eine Eigenkapitalspritze von 40 Millionen Pfund durch Great British Energy (GBE), die dem Staatsfonds nun einen Anteil von 10,4 Prozent am Unternehmen sichert.

Das Geld fließt vor allem in die Industrialisierung der neuen „Chronos“-Elektrolyseur-Plattform. Das Ziel: Produktionskosten um rund 40 Prozent senken und gleichzeitig die Energieeffizienz steigern.

Investoren richten den Blick nun auf den Geschäftsbericht für das im April 2026 endende Fiskaljahr, der im August erwartet wird. Der Bericht soll zeigen, wie schnell ITM Power Kapital verbrennt – und wie weit das Unternehmen bei der Umwandlung seines Auftragsbestands von 152 Millionen Pfund in tatsächliche Umsätze vorankommt.

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