ITM Power Aktie: Fördermillionen gegen Kursverfall

Trotz offizieller Förderzusage über 46,5 Mio. Pfund für Chronos fällt die ITM Power Aktie weiter. Analysten uneins über Umsetzungschancen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt trotz Förderzusage
  • Chronos-Fabrik noch nicht gebaut
  • Analysten uneins über Kursziele
  • Rheinmetall-Partnerschaft als Chance

ITM Power bekommt gerade Geld, das dem Aktienkurs eigentlich helfen sollte. Stattdessen geht es weiter bergab. Die Aktie des britischen Elektrolyseur-Herstellers fiel am Dienstag um 2,80 Prozent auf 1,18 Euro und liegt binnen einer Woche schon 11,08 Prozent im Minus. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 16,07 Prozent.

Der Kurs notiert damit 54,23 Prozent unter seinem Jahreshoch von 2,58 Euro aus Ende Mai. Zum Vergleich: Seit dem Jahrestief im Februar hat sich die Aktie trotz der jüngsten Schwäche noch immer um 82,10 Prozent erholt. Der Rückgang trifft ausgerechnet auf eine Phase, in der ITM Power positive Nachrichten liefert.

Fördergeld ist da, die Fabrik noch nicht

Das britische Energieministerium hat der Förderzusage über 46,5 Millionen Pfund nun offiziell zugestimmt. Hinzu kommt eine Eigenkapital-Investition von 40 Millionen Pfund durch die staatliche Great British Energy. Beide Mittel sollen den Aufbau der Fertigung für den neuen Chronos-Elektrolyseur-Stack finanzieren.

Aus der Ankündigung ist damit eine formelle Zusage geworden. Das ist ein echter Fortschritt. Nur: Die eigentliche Fertigungslinie existiert noch nicht. Sie soll erst noch in die bestehenden Werke in Sheffield integriert werden – von der Planung zur laufenden Produktion ist es ein weiter Weg.

Die entscheidende Frage: Kann die Umsetzung mit den Erwartungen mithalten?

Genau hier liegt der Knackpunkt für die nächste Kursbewegung. Kann ITM Power die gesicherte Chronos-Finanzierung und die wachsende Auftragspipeline in sichtbare Fertigungserfolge übersetzen? Die Bank Berenberg hat ihr Kursziel bereits von 110 auf 200 britische Pence angehoben und signalisiert damit Zutrauen in die Ausführung der Pläne.

Andere Analysten bleiben deutlich vorsichtiger. Die Kursziele am Markt gehen weit auseinander, was auf anhaltende Skepsis beim Ausführungsrisiko hindeutet. Der Kurs selbst notiert 24,67 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,57 Euro, liegt aber noch 8,11 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,09 Euro. Der Markt scheint sich noch nicht entschieden zu haben, welches Lager recht behält.

Bullen-Szenario: Kapital gesichert, neue Märkte in Sicht

Für Optimisten beseitigt die formelle Förderzusage eine zentrale Unsicherheit rund um Chronos – und das genau in dem Moment, in dem sich die Auftragslage in neue Sektoren ausweitet. Berenbergs Kurszielanhebung folgte auf die Nachricht, dass die Partnerschaft mit Rheinmetall beim Giga-PtX-Projekt eine bedeutende Wachstumschance darstellt. Anders als bei klassischen Grünwasserstoff-Anwendungen geht es hier um Energiesicherheit.

Rheinmetall selbst rechnet mit bis zu 1.500 Anlagen im Rahmen des Projekts. Das entspräche rund 37,5 Gigawatt an Elektrolyseur-Kapazität – eine Größenordnung, die ITM Powers Pipeline erheblich erweitern könnte. Sollte die Umsetzung gelingen, könnte diese Diversifizierung neben Chronos das Wachstumstempo des Unternehmens spürbar verändern.

Ein weiteres Detail stützt das Vertrauen ins Management: CEO und CTO beteiligen sich monatlich am betrieblichen Aktiensparplan des Unternehmens, bei dem Mitarbeiter bis zu 150 Pfund im Monat einzahlen können und das Unternehmen den Betrag verdoppelt. Es handelt sich um ein automatisches Programm, keinen gezielten Marktkauf – aber es zeigt zumindest laufendes Engagement der Führungsebene.

Bären-Szenario: Verlustserie und breite Kurszielspanne

Skeptiker sehen im selben Förderpaket vor allem einen Beleg dafür, wie kapitalintensiv der Chronos-Hochlauf bleibt. Unter elf Analysten liegt das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel für ITM Power weit unter Berenbergs 200-Pence-Marke. Die Spanne reicht von 55 bis 310 britische Pence – ein Ausschlag, der zeigt, wie uneinig die Analystengemeinde beim Timing der Ausführung ist.

Strukturell bleiben die Risiken dieselben: anhaltende Verluste, unregelmäßige Umsatzverbuchung, ungenutzte Fabrikkapazitäten, wachsender Wettbewerb und Ausführungsrisiken bei langfristigen Wasserstoffprojekten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 87,79 Prozent, der RSI bei 37,3 – noch nicht überverkauft, aber klar in schwacher Verfassung. Der steile Fall seit dem Maihoch deutet darauf hin, dass der Markt erhebliche Zweifel an der kurzfristigen Lieferfähigkeit einpreist, obwohl die Förderung inzwischen gesichert und nicht mehr nur geplant ist.

Ausblick: Zwischen gesichertem Kapital und unbewiesener Umsetzung

Solange der 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 1,09 Euro als Unterstützung hält, bleibt der Erholungstrend seit dem Februar-Tief grundsätzlich intakt. Weitere Auftragserfolge rund um Chronos oder das Rheinmetall-Projekt könnten dann die bullische Bewertung untermauern, auf der Berenbergs 200-Pence-Ziel beruht.

Bricht der Kurs jedoch deutlich unter diesen langfristigen Durchschnitt, oder verzögert sich der Bau der Chronos-Linie in Sheffield, dürfte die bärische Sicht mit ihrem Fokus auf Ausführungsrisiko und anhaltende Verluste die Stimmung dominieren. Die nächsten konkreten Anhaltspunkte liefern Fortschrittsmeldungen zum Chronos-Werksaufbau, weitere Umwandlungen der Pipeline in feste Verträge sowie das nächste turnusmäßige Update des Unternehmens, das für später im Jahr 2026 erwartet wird.

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