ITM Power Aktie: Wasserstoff erreicht Evonik über 120 Kilometer
ITM Power startet Wasserstoffproduktion in Lingen und liefert erstmals an Evonik. Der Auftragsbestand wächst, während der Geschäftsbericht am 13. August erwartet wird.

- Erste Wasserstofflieferung nach Marl
- 200 Megawatt Elektrolyseleistung installiert
- Insiderkauf stärkt Anlegervertrauen
- Geschäftszahlen am 13. August
ITM Power hat einen wichtigen Meilenstein im Projekt GET H2 Nukleus erreicht. Am Dienstag wurde erstmals grüner Wasserstoff an der Elektrolyseanlage von RWE in Lingen erzeugt und über eine rund 120 Kilometer lange Pipeline zum Chemiepark von Evonik in Marl transportiert. Für den britischen Elektrolyseur-Hersteller markiert das den Übergang von der Bau- in die Betriebsphase eines der größten deutschen Wasserstoffprojekte.
Zwei Anlagen mit je 100 Megawatt
ITM Power liefert für das Projekt gemeinsam mit Linde Engineering zwei Proton-Exchange-Membrane-Elektrolyseanlagen mit jeweils 100 Megawatt Leistung. In der Summe kommt die Anlage in Lingen damit auf 200 Megawatt – ein Umfang, der nach eigenen Angaben einen bedeutenden Schritt für die kommerzielle Skalierung von großtechnischer Wasserstoffproduktion darstellt. Shell bezeichnete den Lingen-Meilenstein als eine der ersten großmaßstäblichen europäischen Wasserstoff-Wertschöpfungsketten, die erneuerbare Wasserstofferzeugung, Pipeline-Transport und industrielle Endnutzung in einem einzigen integrierten System verbindet. Auch die Fachpublikation FuelCellsWorks griff die Meldung am Mittwoch auf und sprach unter Berufung auf RWE von einem bedeutenden Meilenstein für die integrierte Wasserstoff-Wertschöpfungskette Europas.
Das Nukleus-Projekt reiht sich in eine wachsende Zahl kommerzieller Aufträge für ITM Power ein. Ende November hatte das deutsche Ingenieur- und Projektentwicklungsunternehmen Stablegrid Group den britischen Anbieter für die Lieferung von Elektrolysekapazität im Umfang von insgesamt 710 Megawatt für zwei Energieinfrastrukturprojekte ausgewählt. Die endgültigen Investitionsentscheidungen für diese Vorhaben werden für Januar 2026 beziehungsweise 2028 erwartet – eine Bestätigung, dass sie diesen Status inzwischen erreicht haben, liegt bislang nicht vor.
Insider kauft zu, Zahlen stehen bevor
Für zusätzliches Vertrauen sorgte Anfang Juli ein Insiderkauf: Der nicht geschäftsführende Direktor Sir Warren East erwarb 172.000 Stammaktien an der Londoner Börse zu einem Durchschnittspreis von 1,148163 Pfund je Aktie. Die Transaktion, die seinen gesamten aktuellen Bestand widerspiegelt, wurde gemäß der britischen Marktmissbrauchsverordnung offengelegt und unterstreicht die regulatorische Sorgfalt des Unternehmens bei Meldepflichten für Führungspersonen.
Anleger blicken nun auf den 13. August, wenn ITM Power den nächsten Geschäftsbericht vorlegen soll. Die Erwartungen stützen sich auf die zuletzt vorgelegten Halbjahreszahlen zum 31. Oktober 2025, veröffentlicht Ende Januar: Der Auftragsbestand kletterte damals auf 152 Millionen Pfund, ein Großteil der Verträge sei inzwischen profitabel. Der Umsatz erreichte mit 18 Millionen Pfund den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte, während sich der Bruttoverlust von 10,2 Millionen auf 6,5 Millionen Pfund gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr verringerte. Die Kassenposition lag bei 197,8 Millionen Pfund und schrumpfte binnen zwölf Monaten nur um 9,2 Millionen Pfund – ein Signal für eine vergleichsweise komfortable Liquiditätslage im Vorfeld der anstehenden Zahlen.
Kurs bleibt unter Druck trotz operativer Fortschritte
Die operativen Erfolge in Lingen haben sich am Aktienmarkt zuletzt nicht in einer Kursrally niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,29 Euro und gab damit um 0,54 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein deutliches Plus von 78,58 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rückgang eher eine kurzfristige Korrektur als eine Trendwende darstellt. Die Volatilität bleibt mit annualisiert 85,66 Prozent hoch, was für ein Unternehmen typisch ist, das sich zwischen operativer Skalierung und anhaltenden Verlusten bewegt.
Für die kommenden Wochen dürften die Geschäftszahlen am 13. August den entscheidenden Impuls liefern. Bestätigt sich die im Halbjahresbericht angedeutete Verbesserung der Margen, könnte das den fundamentalen Fortschritt aus Lingen stärker in den Vordergrund rücken, als es der Kursverlauf der vergangenen Tage nahelegt.
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