IVU Traffic Technologies will zurück in die Erfolgsspur

Vor allem aufgrund von Wertberichtigungen auf Projekte im Ausland wird bei IVU Traffic Technologies das EBIT in diesem Jahr deutlich sinken. Erfreulicherweise soll die EBIT-Marge des Anbieters von IT-Lösungen für Verkehrs- und Logistikunternehmen 2017 wieder das hohe Niveau der Vorjahre erreichen.

© IVU Traffic Technologies
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Am 2. November hat IVU Traffic Technologies (IVU) die Anleger mit einer Gewinnwarnung geschockt: Wegen ergebnisbelastender Sondereffekte, bei denen es sich vor allem um Wertberichtigungen auf Projekte im Ausland handelt, wird das EBIT des Berliner Konzerns von 4,9 auf rund 1,0 Millionen Euro sinken. Der Umsatz soll jedoch über den vom Management prognostizierten 55 Millionen Euro liegen. Aufgrund der Gewinnwarnung haben viele IVU-Aktionäre ihre Anteilscheine auf den Markt geworfen, wodurch der Kurs unter die 3-Euro-Marke gedrückt wurde.

Konzern mit drei Sparten

Seit der Gewinnwarnung verharrt der Kurs der IVU-Aktie in einem Seitwärtstrend. Daran konnte auch die Präsentation von Vorstandschef Martin Müller-Elschner auf dem diesjährigen Eigenkapitalforum in Frankfurt am Main nichts ändern. Er erwähnte zunächst einige Meilensteine der Unternehmensgeschichte von IVU und erläuterte dann, welchen prozentualen Anteil die Sparten IVU.suite (circa 60 Prozent), IVU.rail (circa 30 Prozent) und IVU.logistics (circa zehn Prozent) am Konzernumsatz haben.

In Geschäftsbereich IVU.suite bietet das Unternehmen Komplettlösungen für den öffentlichen Personenverkehr an. In der Sparte IVU.rail werden IT-Lösungen zur Ressourcenplanung für Bahnbetriebe angeboten. Das Sortiment des Segments IVU.logistics umfasst Software für die Außendienststeuerung, das Geomarketing und die Organisation von Wahlen.

Laufzeiten von IVU-Projekten wurden verkürzt

Müller-Elschner betonte, dass IVU nicht nur Standardprodukte anbietet, sondern auch mit „schlanken Prozessen“ zur Einführung und dem Betrieb der Software punktet. In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass die Laufzeiten von IVU-Projekten in den vergangenen Jahren verkürzt wurden. Außerdem wurde das Sortiment in den zurückliegenden drei Jahren durch die Produkte des Segments IVU.cloud abgerundet.

Dabei handelt es sich um die bewährten IVU-Lösungen, die den Kunden als Software-as-a-Service-Lösungen zur Verfügung gestellt werden. Dadurch sparen Verkehrsbetriebe Kosten, weil die Anschaffung, der Betrieb und die Wartung komplexer Serversysteme entfallen, wenn IVU das Hosting übernimmt.

Viele renommierte Kunden

Erfreulicherweise verfügt IVU über viele renommierte Kunden. Zu denen zählen in der Sparte IVU.rail beispielsweise die DB Regio AG, die Wiener Linien und Transport for London. Im Geschäftsbereich IVU.rail hat das 1976 gegründete Unternehmen unter anderem Aufträge von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Trenitalia und der Société Nationale des Chemins de fer Français (SNCF) erhalten. Lust but not least sind die Deutsche Post, der Berliner Energieversorger GASAG und der Bundeswahlleiter Kunden der Sparte IVU.logistics.

Löwenanteil des Konzernumsatzes wird in Deutschland erwirtschaftet

2015 erwirtschaftete IVU Traffic in Deutschland einen Umsatz von 31,7 Millionen, was mehr als der Hälfte des Konzernumsatzes entsprach. Im übrigen Europa betrugen die Erlöse im zurückliegenden Jahr 18,7 Millionen Euro. Auf die restlichen Länder der Welt, in denen IVU aktiv ist, entfiel ein Gesamtumsatz von rund 7,6 Millionen Euro.

Gute Wachstumsperspektiven im Ausland

Wie Müller-Elschner weiter ausführte, wächst das Auslandsgeschäft kontinuierlich und der Heimatmarkt ist stabil. Aus Anlegersicht interessant ist auch die Tatsache, dass IVU 2015 erstmals eine Dividende gezahlt hat – und zwar 0,05 Euro pro Anteilschein. In diesem Jahr haben die IVU-Aktionäre allerdings keine Ausschüttung erhalten.

Das Geschäftsjahr 2016 wird der Anbieter von IT-Lösungen für Verkehrs- und Logistikunternehmen mit einem Rekordumsatz abschließen. Ein großes Manko sind jedoch die bereits erwähnten Sondereffekte, die einen Einbruch des operativen Ergebnisses (EBIT) zur Folge haben. Wertberichtigungen musste IVU vor allem bei Projekten durchführen, die das Unternehmen in Israel erhalten hat.

Fokussierung auf risikoarme und margenstarke Projekte

2017 will IVU das Rohergebnis steigern und sich auf risikoarme und margenstarke Projekte fokussieren. Unabhängig davon nehmen die Akquise-Erfolge in margenstarken Regionen dem Vorstandschef zufolge bereits seit einigen Monaten kontinuierlich zu. Positiv zu werten ist auch die Standardisierung der Softwarelösungen, die in der Sparte IVU.suite angeboten werden. Schließlich verringern sich dadurch die Kosten.

Aktie ist derzeit nicht kaufenswert

IVU überzeugt mit einem aussichtsreichen Geschäftsmodell. Allerdings hat das Berliner Unternehmen mit der Anfang November veröffentlichten Gewinnwarnung viel Vertrauen bei den Anlegern verspielt. Bedenken sollte man zudem, dass IVU Traffic im Geschäftsjahr 2015 zwar das EBIT um rund zwölf Prozent auf 4,9 Millionen Euro steigern konnte, aber der Gewinn je Aktie von 0,25 auf 0,20 Euro gefallen ist.

Zurückzuführen ist dies auf die Zahlung von Ertragssteuern in Höhe von 1,043 Millionen Euro. 2014 hatte IVU hingegen eine Steuererstattung in Höhe von 234.000 Euro erhalten. Basierend auf der optimistischen Annahme, dass IVU Traffic im kommenden Jahr einen Gewinn je Anteilschein von 0,25 Euro erzielen wird, errechnet sich ein 2017er-KGV von 12. Trotz dieser günstigen Bewertung sollten Anleger derzeit nicht einsteigen.

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