IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland deutlich an
Staatliche Investitionen und Sonderkonjunkturen stützen Deutschlands Wachstum, während Energiepreise und geopolitische Risiken die Aussichten belasten.

- IWF erwartet 1,3 Prozent Wachstum 2026
- Prognose steigt von 0,7 Prozent
- Für 2027 sind 1,1 Prozent veranschlagt
- September-Inflation erreicht 3,3 Prozent
Die deutsche Wirtschaft schlägt sich robuster durch das Jahr als viele Beobachter erwartet hatten. Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. Das ist fast doppelt so viel wie noch im Juli, als die Ökonomen lediglich 0,7 Prozent vorhergesagt hatten. Kräftige staatliche Investitionen und Sonderkonjunkturen federn die Belastungen durch teure Energie spürbar ab.
Für 2027 rechnet die Organisation mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent. Neben Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stützen überraschende Nachfrageeffekte die Produktion. Wegen geopolitischer Spannungen füllten Einkäufer weltweit ihre Lager bei Grundstoffen wie Stahl, Dünger und Aluminium auf. Deutsche Zulieferer profitieren überdies von weltweiten Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Energiepreise bremsen den Konsum
Ganz ohne Reibung verläuft die Entwicklung allerdings nicht. Höhere Energiepreise treiben die Teuerung in Deutschland wieder an. Im September kletterte die Inflationsrate auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Hohe Energiekosten und eine gedämpfte Konsumstimmung belasten weiterhin weite Teile der Eurozone, für die der Währungsfonds 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent rechnet.
Weltweit zeigt sich ein ähnliches Muster. Der IWF hob seine globale Wachstumsschätzung für 2026 leicht auf 3,1 Prozent an, nach 3,5 Prozent im Vorjahr. Blockaden wichtiger Transportrouten am Persischen Golf verknappten das Angebot und verteuerten Rohstoffe. Höhere Förderungen außerhalb der Golfregion, strategische Reserven und eine schwächere Nachfrage aus China federten den Preisanstieg jedoch teilweise ab.
Warnung vor geopolitischen Risiken
IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro mahnte bei der Vorlage der Zahlen in Bangkok, die Belastbarkeit der globalen Wirtschaft stoße allmählich an Grenzen. Höhere Kreditkosten verlangen stärkere finanzpolitische Anpassungen der Staaten. Zusätzliche Eskalationen im Nahen Osten, neue Handelskonflikte und die Neubewertung von Ertragsaussichten im Technologiesektor könnten den Ausblick rasch trüben. Für 2027 stellt die Organisation weltweit unverändert eine Wachstumsrate von 3,4 Prozent in Aussicht.
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