Japans Zinsen auf 31-Jahres-Hoch, Chinas Rohstoff-Griff verschärft sich

Bank of Japan hebt Leitzins auf 1,0 Prozent, während Peking neue Sicherheitsprüfungen für Auslandsinvestitionen einführt.

Die Kernpunkte:
  • Japanischer Leitzins steigt auf 1,0 Prozent
  • China verschärft Kontrolle bei KI-Investitionen
  • Kupfer-Zollentscheidung der USA steht bevor
  • Mögliches Iran-Abkommen drückt Ölpreis

Liebe Leserinnen und Leser,

1,00 Prozent. So hoch dürfte der japanische Leitzins am kommenden Dienstag stehen — das höchste Niveau seit 1995. Gleichzeitig tritt am 1. Juli Pekings neue Verordnung für Auslandsinvestitionen in Kraft, die chinesische Kapitalflüsse in KI, Robotik und kritische Mineralien einer Sicherheitsprüfung unterwirft. Und zwischen Washington und Teheran steht möglicherweise ein Rahmenabkommen, das den Ölpreis drückt und der Fed neuen Spielraum verschafft.

Drei Schauplätze, drei unterschiedliche Logiken — aber eine gemeinsame Konsequenz: Die Liquiditätsströme, die in den vergangenen Quartalen westliche Tech-Bewertungen getrieben haben, ordnen sich gerade neu. Wer das nur als Nachrichtenlage liest, verpasst die Struktur dahinter.

Tokio beendet die Ära des billigen Yen

Am Dienstag, 16. Juni, wird die Bank of Japan ihren Leitzins voraussichtlich um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent anheben. Die Märkte preisen das Ergebnis mit rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Eine Reuters-Umfrage sieht den Satz bis zum vierten Quartal bei 1,25 Prozent. Gouverneur Ueda ist hospitalisiert, Stellvertreter Uchida führt die Kommunikation — an der Entscheidung ändert das nichts.

Die Datenlage rechtfertigt den Schritt. Die japanische BIP-Lücke liegt im ersten Quartal bei plus 0,5 Prozent, der sechste Quartalsüberschuss in Folge. Der Lohnindex zeigt für Mai ein Plus von 3,23 Prozent beim Regelgehalt nach den Frühjahrsverhandlungen, das verfügbare Einkommen wächst mit 3,70 Prozent deutlich schneller als die Inflation. Trotzdem bleiben die Realzinsen negativ, der Yen testet die 160er-Marke zum Dollar.

Für deutsche Anleger mit japanischen Aktien-ETFs im Depot heißt das: Die Währungssensitivität verdient eine Neubewertung. Eine straffe Forward Guidance könnte den Yen erstmals seit Jahren auf einen nachhaltigen Erholungspfad führen. Die Rückwirkungen auf Carry-Trades, die einen erheblichen Teil der westlichen Tech-Rally mitfinanziert haben, wären spürbar.

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Peking kontrolliert, was KI physisch braucht

Gestern fragten wir, wer die Rechnung für den KI-Infrastrukturzyklus trägt. Ein Teil der Antwort liegt nicht in Bilanzen, sondern in Minen. China dominiert die Raffination von 19 der 20 wichtigsten kritischen Mineralien: Graphit zu 96 Prozent, Mangan zu 95 Prozent, Seltene Erden zu 90 bis 91 Prozent, Kobalt zu 73 Prozent.

Mit der am 1. Juni erlassenen „Regulations on Outbound Investment“ (Order 837), gültig ab 1. Juli, schafft der Staatsrat erstmals einen Sicherheitsprüfungsmechanismus für chinesische Auslandsinvestitionen in KI, Robotik und kritische Mineralien. Strafen bei Verstößen: bis zu ein Prozent der Investitionssumme und Investitionsverbote bis zu drei Jahren.

Parallel verschieben Förderländer die Preissetzung: Die DR Kongo deckelt Kobaltexporte seit Oktober 2025 auf rund 96.600 Tonnen — der Preis stieg um etwa 160 Prozent auf über 56.000 Dollar pro Tonne. Indonesien drosselt Nickel um rund 30 Prozent, Simbabwe blockiert Lithium-Konzentrate. Das am 24. April unterzeichnete US-EU-Abkommen zu kritischen Mineralien ist rechtlich nicht bindend und ohne Zeitplan. Für deutsche Industriewerte — von der Autoindustrie bis zur Windkraft — bleibt die Abhängigkeit bestehen.

Kupfer: Die Zollentscheidung fällt am 30. Juni

Der COMEX-LME-Spread hat sich auf rund 400 Dollar pro Tonne ausgeweitet. Der Markt preist das US-Zollrisiko bereits ein. Bis 30. Juni soll der Handelsminister Präsident Trump eine Empfehlung vorlegen; der ursprüngliche Vorschlag sieht 15 Prozent Zoll ab Januar 2027 vor, steigend auf 30 Prozent in 2028. LME-Kupfer notiert nahe Rekordhochs, plus zehn Prozent seit Jahresbeginn. ING erwartet für 2026 ein globales Defizit von rund 35.000 Tonnen.

Eine Zollbestätigung dürfte beide Benchmarks weiter nach oben treiben. Eine Verzögerung oder Ablehnung wäre das größte Abwärtsrisiko für die zweite Jahreshälfte. Wer Kupfer-Exposure über Aurubis oder ETFs hält, sollte den 30. Juni im Kalender markieren.

Der Iran-Deal — mit Vorsicht zu lesen

Brent fiel am Freitag unter 90 Dollar, WTI auf 85,92 Dollar, nachdem Trump ein „großes“ Rahmenabkommen mit dem Iran in Aussicht stellte. Außenminister Araghtschi bestätigte, die „Absichtserklärung von Islamabad“ stehe „kurz vor dem Abschluss“. Unterzeichnungsort könnte Genf am Sonntag oder der G7-Gipfel in Evian (15.–17. Juni) sein. Der DAX schloss am Freitag 1,76 Prozent höher bei 24.635 Punkten, der EuroStoxx 50 legte 2,16 Prozent zu — getragen von Reise- und Bankwerten, Deutsche Bank allein plus 6,6 Prozent.

Die nüchterne Einordnung: Trump hat in der Vergangenheit Iran-Deals angekündigt, die sich nicht materialisierten. Die OPEC meldete für Mai einen Einbruch der iranischen Förderung um 19 Prozent auf 2,33 Millionen Barrel täglich. Sollte das Abkommen kommen, dürfte Brent laut Axi bis Jahresende auf 79 bis 89 Dollar fallen — was der Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh bei einer US-Kerninflation von 2,9 Prozent Spielraum für Zinssenkungen verschaffen würde. Scheitert der Deal, sind 120 bis 138 Dollar das Eskalationsszenario.

SpaceX, Commerzbank, NVIDIA — die kürzeren Linien

Der SpaceX-Börsengang zu 135 Dollar startete mit einem Plus von 11 bis 20 Prozent, BlackRock orderte mindestens fünf Milliarden Dollar, die Bewertung übersprang 1,77 Billionen Dollar. Für deutsche Privatanleger bleibt der Direktzugang schwierig — der Hype entlud sich primär bei Chipproduzenten wie AMD und Qualcomm (jeweils plus fünf Prozent), während Hyperscaler wie Microsoft und Oracle nachgaben.

Die UniCredit-Frist für das Commerzbank-Angebot läuft am Dienstag ab; bislang sind 11,22 Prozent angedient. NVIDIA öffnet seine Vera-CPU ab August für chinesische Kunden, Jensen Huang erwartet für die CPU-Sparte 20 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Jahr.

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Was jetzt zählt

Die kommende Woche bringt drei Entscheidungen, die zusammenwirken: eine mögliche Iran-Unterzeichnung am Wochenende, die BoJ-Entscheidung am Dienstag, die Fed-Sitzung am Mittwoch. Jede für sich bewegt Märkte. In Kombination verschieben sie die Kapitalströme zwischen Yen-Anleihen, Rohstoffen und westlichen Aktien.

Wer Yen-Exposure, Rohstoffwerte oder europäische Banken im Depot hat, sollte aufmerksam bleiben. Nicht jeder Indexstand spiegelt die Verschiebung wider, die sich gerade vollzieht. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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