JinkoSolar Aktie: Chen Kangping tritt zurück

JinkoSolar verliert Mitgründer Chen Kangping. Neues Management soll den Solarkonzern durch Überkapazitäten und Preisverfall steuern.

Die Kernpunkte:
  • Rücktritt von Mitbegründer Chen Kangping
  • Neue Führungsriege übernimmt das Ruder
  • Erster Jahresverlust seit zwölf Jahren
  • Aktienkurs nahe 52-Wochen-Tief

Die Führungsetage des Solarmodulherstellers JinkoSolar durchläuft in einer wirtschaftlich angespannten Phase eine tiefgreifende personelle Veränderung. Mitbegründer Chen Kangping ist im Juli 2026 von seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender zurückgetreten. Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen mit den massiven Auswirkungen von Überkapazitäten und einem harten Preiswettbewerb in der globalen Photovoltaikbranche zu kämpfen hat.

Rücktritt des Mitbegründers Chen Kangping

Der Abgang von Chen Kangping markiert das Ende einer Ära für den Solargiganten. Das Unternehmen hatte im Jahr 2025 den ersten Jahresverlust seit zwölf Jahren hinnehmen müssen, wobei der Umsatz um 29,18 Prozent einbrach und das Nettoergebnis in den negativen Bereich rutschte. Infolge des Rücktritts wurde die Geschäftsführung neu geordnet: Cao Haiyun übernimmt die Position des General Managers, während Jiang Rui und Chang Chen in stellvertretende Führungspositionen aufgerückt sind.

Diese Neubesetzung soll den Konzern durch eine der schwierigsten Marktphasen der letzten Dekade steuern. JinkoSolar steht dabei nicht allein; die gesamte chinesische Solarindustrie leidet unter einem massiven Margendruck. Marktanalysen von Morningstar deuten darauf hin, dass die Produktionskapazitäten Chinas den weltweiten Bedarf für das Jahr 2026 um das Doppelte übersteigen könnten.

Operative Verluste und Marktumfeld

Die finanziellen Schwierigkeiten setzen sich im laufenden Geschäftsjahr fort. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete JinkoSolar einen Nettoverlust von 1,35 Milliarden Yuan. Auch der operative Cashflow entwickelte sich mit einem Minus von 832 Millionen Yuan rückläufig. Dennoch verfügt das Unternehmen zum Stichtag 31. März 2026 über liquide Mittel in einer Größenordnung zwischen 20 und 30 Milliarden Yuan, was einen gewissen Puffer für die laufende Restrukturierung bietet.

Die Krise betrifft auch die Wettbewerber: Branchengrößen wie Longi Green Energy und Tongwei erwarten für das erste Halbjahr 2026 kombinierte Verluste von bis zu 9,2 Milliarden Yuan. Die Preise für Polysilizium sind zuletzt drastisch gefallen und notierten bei durchschnittlich 32,5 Yuan pro Kilogramm, was einem Rückgang von 37,5 Prozent entspricht. Auch die Preise für hocheffiziente N-Typ-Wafer sanken deutlich auf 0,88 Yuan pro Stück.

Juristische Auseinandersetzungen und Börsenlage

Zusätzlich zu den operativen Herausforderungen sieht sich JinkoSolar mit rechtlichen Konflikten konfrontiert. Für den 28. Juli 2026 ist vor dem Volksgericht des Kreises Hengfeng ein Verfahren wegen Streitigkeiten aus einem Dienstleistungsvertrag angesetzt. Kläger ist die Ruineng (Yangpu) Integrated Energy Investment Co., Ltd. Es ist nicht das einzige Verfahren; innerhalb des letzten Jahres war das Unternehmen bereits in neun verschiedene Gerichtstermine involviert, was die Komplexität der aktuellen Geschäftslage unterstreicht.

An der Börse spiegelt sich die angespannte Situation im Kursverlauf wider. Die Aktie von JinkoSolar notiert derzeit bei 13,98 € und liegt damit 49,07 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 27,45 €. Das Papier stabilisierte sich zuletzt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief, das bei 13,20 € markiert wurde. Angesichts der neuen Managementstruktur und der anhaltenden Preiskämpfe am Weltmarkt bleibt die weitere Entwicklung des Solarkonzerns eng an die Stabilisierung der globalen Lieferketten und die Konsolidierung der chinesischen Produktionskapazitäten gebunden.

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