Jobabbau in Wolfsburg und Stuttgart, XPeng greift in München an

Tesla leidet unter Margendruck, CATL glänzt mit Rekordgewinnen. Volkswagen und Porsche planen tiefe Einschnitte, während XPeng in München angreift.

Die Kernpunkte:
  • Tesla mit Gewinneinbruch trotz mehr Auslieferungen
  • CATL profitiert von starkem Speichergeschäft
  • XPeng startet aggressiven Preiskampf in Deutschland
  • Volkswagen und Porsche verschärfen Sparprogramme

Während deutsche Autobauer über die Schließung ganzer Werke verhandeln, eröffnet ein chinesischer Herausforderer ausgerechnet in München eine neue Front. Tesla kämpft unterdessen mit einem historischen Gewinneinbruch, CATL dagegen meldet Rekordgewinne dank eines Booms bei Energiespeichern. Selten zeigte sich die Spaltung der Autobranche so deutlich wie in diesen Tagen.

Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten – und doch ein gemeinsamer roter Faden: Der Druck aus China verändert die Wettbewerbslandschaft grundlegend, egal ob als Bedrohung oder als Geschäftsmodell.

Tesla: Lieferungen legen zu, die Marge bricht ein

Die Tesla-Aktie steckt tief in einer Korrektur. Der Titel schloss am Freitag bei 275,35 Euro, ein Minus von 1,98 Prozent an nur einem Tag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 17,31 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 16,75 Prozent – der RSI von 27,9 signalisiert eine deutlich überverkaufte Lage.

Auslöser war ein enttäuschender Quartalsbericht. Das operative Ergebnis brach im zweiten Quartal um 57 Prozent ein, obwohl die Auslieferungen im Autogeschäft um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten – nach zuvor mehreren rückläufigen Quartalen in Folge. Das Problem liegt in der Marge: Sie fiel auf 16,8 Prozent von zuvor 17,2 Prozent und verfehlte die erwarteten 19,4 Prozent deutlich, weil die durchschnittlichen Verkaufspreise sanken und Einnahmen aus regulatorischen Kreditverkäufen wegbrachen.

Gleichzeitig explodierten die Ausgaben. Die operativen Kosten stiegen um 47 Prozent auf 4,35 Milliarden Dollar, während Tesla Milliarden in künstliche Intelligenz und Forschung pumpt. Die operative Marge sackte auf 1,4 Prozent von zuvor 4,1 Prozent ab, der freie Cashflow rutschte mit minus 1,1 Milliarden Dollar erstmals tief ins Negative. Elon Musk verteidigte die Investitionsoffensive mit einem Capex-Budget von über 25 Milliarden Dollar allein für 2026 – gleichzeitig hinkt er selbst gesteckten Zeitplänen für Robotaxi und den Humanoid-Roboter Optimus hinterher. Analysten reagierten mit Zurückhaltung: Piper Sandler senkte sein Kursziel, ein Schritt, den mittlerweile mehrere Häuser nachvollzogen haben.

CATL: Energiespeicher werden zum Gewinnmotor

Während die reine EV-Nachfrage global abkühlt, profitiert CATL von einem zweiten Standbein. Die Aktie legte am Freitag um 2,89 Prozent auf 383,01 Yuan zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 6,39 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 4,29 Prozent. Über zwölf Monate hat der Titel fast 35 Prozent gewonnen.

Der Halbjahresgewinn kletterte um 42 Prozent auf umgerechnet rund 6,4 Milliarden Dollar, der Umsatz wuchs um 55 Prozent. Zwar bleibt das klassische Batteriegeschäft mit einem Umsatzplus von 46 Prozent die größte Sparte. Der eigentliche Wachstumstreiber sitzt aber im Speichergeschäft, das um über 87 Prozent zulegte und mit fast 24 Prozent Bruttomarge deutlich profitabler wurde als noch vor einem Jahr.

Im zweiten Quartal für sich genommen stieg der Nettogewinn um 36,5 Prozent – das ist zwar das schwächste Wachstumstempo seit über einem Jahr, übertraf aber dennoch die Erwartungen der Analysten. CATL kündigte zudem an, zurückgekaufte Aktien einzuziehen und damit das Grundkapital zu reduzieren, was den Gewinn je Aktie stützt. Die Marktposition bleibt komfortabel: Im Zeitraum Januar bis Mai hielt der Konzern einen Anteil von 40,2 Prozent am globalen EV-Batteriemarkt – und beliefert damit ausgerechnet auch jene Autobauer, die in Europa unter Druck geraten.

XPeng: Angriff auf den Model Y mitten in München

Kaum ein Schritt symbolisiert den chinesischen Vorstoß nach Europa deutlicher als die Wahl des Ortes: XPeng stellte sein neues Modell L03 ausgerechnet in München vor, im Herzen von BMWs Heimatmarkt. Es ist der erste weltweite Modellstart, den das Unternehmen zeitgleich in China und im Ausland durchführt.

Der Preis ist die eigentliche Botschaft. Die Einstiegsversion mit reinem Batterieantrieb kostet in Deutschland 35.600 Euro und bietet mit einer 58,3-kWh-LFP-Batterie eine WLTP-Reichweite von 445 Kilometern. Damit unterbietet der L03 Teslas Bestseller Model Y um mehr als 3.000 Euro und Audis Q4 e-tron sogar um über 10.000 Euro. Firmenchef He Xiaopeng bezeichnete das Tempo zwischen Entwicklung in China und Europastart als das schnellste Produkt-Rollout der Firmengeschichte. Für dieses Jahr peilt XPeng 8.000 Verkäufe in Deutschland an, 2027 sollen es 20.000 werden. Um EU-Zölle zu umgehen, läuft die Fertigung für den europäischen Markt bereits seit dem dritten Quartal 2025 bei einem Magna-Werk in Österreich.

An der Börse zeigt sich das Papier zuletzt schwach: 10,86 Euro am Freitag, ein Tagesminus von 3,04 Prozent und ein Rückgang von 8,28 Prozent binnen einer Woche. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von fast 40 Prozent zu Buche – auch weil die weltweiten Auslieferungen im ersten Halbjahr um 15,8 Prozent auf knapp 166.000 Fahrzeuge zurückgingen. Die Analystenmeinungen gehen auseinander: Im Schnitt raten 26 Analysten zum Kauf mit einem Kursziel von 22,46 Dollar, was einem Aufschlag von über 56 Prozent entspräche. Barclays-Analyst Jiong Shao hält dagegen an seinem Underweight-Rating fest und senkte sein Kursziel Mitte Juli von 16 auf 15 Dollar.

Volkswagen: Gewinneinbruch trifft auf Jobabbau-Drama

Bei Volkswagen spitzt sich die Restrukturierung zu. Das operative Ergebnis des zweiten Quartals fiel um fast 10 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, gleichzeitig kappte der Konzern seine Umsatzprognose für das laufende Jahr von einem erwarteten Plus von bis zu 3 Prozent auf ein Minus von bis zu 3 Prozent.

Konzernchef Oliver Blume ließ in einem internen Schreiben keinen Zweifel an der Dringlichkeit: Zusätzlich zu den bereits angekündigten 50.000 Stellenstreichungen in Deutschland bis 2030 prüft der Vorstand nun den Abbau von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen weltweit sowie die Schließung von vier deutschen Werken. Die Belegschaft sei über Jahrzehnte auf ein heute nicht mehr tragbares Niveau gewachsen, so Blume. Die IG Metall kündigte Widerstand an und verweist auf eine 2024 getroffene Vereinbarung mit dem Konzern – Zehntausende Beschäftigte hätten von ihrer bedrohten Zukunft aus Zeitungsberichten erfahren, kritisierte die Gewerkschaft.

Der eigentliche Schmerzpunkt liegt in China. Die weltweiten Auslieferungen sanken im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent auf rund 4,1 Millionen Fahrzeuge, wobei die Verkäufe in China um mehr als 31 Prozent einbrachen. Die Aktie notierte am Freitag bei 71,48 Euro, ein Tagesverlust von 1,43 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 31,37 Prozent zu Buche. Citi senkte sein Kursziel von 110 auf 94 Euro, auch Berenberg strich fünf Euro vom eigenen Ziel. Der Analystenkonsens sieht mit einem Durchschnittskursziel von 110,82 Euro dennoch erhebliches Aufwärtspotenzial.

Porsche AG: Aufsichtsrat stützt Sparpaket

Auch bei der VW-Tochter Porsche nähert sich die Restrukturierung einem Wendepunkt. Der Aufsichtsrat wurde über den Verhandlungsstand zum sogenannten Zukunftspaket informiert und signalisierte Unterstützung – die letzten Schritte müssten nun final ausgearbeitet werden.

Konkret geht es um den Abbau von 5.000 bis 6.000 weiteren Stellen. Im Gegenzug sollen die Standorte Stuttgart und Leipzig gesichert werden, die Cayenne-Fertigung könnte perspektivisch aus Bratislava zurück nach Leipzig verlagert werden. Zusammen mit bereits Anfang 2025 beschlossenen Maßnahmen summiert sich der Stellenabbau in Baden-Württemberg auf 9.000 Jobs – rund ein Fünftel der gesamten Belegschaft von Porsche AG. Als Ausgleich soll die verbleibende Belegschaft eine Beschäftigungsgarantie bis 2035 erhalten, statt wie bisher vorgesehen bis 2030.

Die Aktie bewegt sich seit Wochen in einem engen Korridor. Am Freitag ging es um 3,46 Prozent auf 43,76 Euro nach unten, auf Wochensicht steht ein Minus von 2,67 Prozent. Die schwachen Auslieferungszahlen liefern die Erklärung: Im ersten Halbjahr sanken sie um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge, belastet durch den Nachfrageeinbruch in China und den USA. Die durchschnittliche Kurszielschätzung von 84 Analysten liegt bei 45,87 Euro, was einem moderaten Aufwärtspotenzial von 4,37 Prozent entspricht – die Schätzungen selbst schwanken jedoch stark zwischen 33 und 64 Euro.

Drei Geschwindigkeiten in einem Sektor

Die fünf Titel folgen derzeit klar unterscheidbaren Mustern:

  • Tesla wächst beim Volumen, verbrennt aber Kapital für KI- und Robotik-Wetten – Anleger müssen langfristige Fantasie gegen kurzfristigen Cashflow-Druck abwägen.
  • CATL profitiert von der strukturellen Verschiebung hin zu stationären Speichern und wächst dort schneller als im klassischen Batteriegeschäft.
  • XPeng setzt auf aggressive Preispolitik und lokale Fertigung, um sowohl deutsche Platzhirsche als auch Tesla auf deren Heimatmarkt anzugreifen.
  • Volkswagen und Porsche kämpfen mit derselben Wurzel des Problems: einer zu hohen Kostenbasis und schwindender Wettbewerbsfähigkeit in China.

Bemerkenswert ist die Verflechtung: Ausgerechnet CATL, dessen Batterien Fahrzeuge von Tesla, BMW und Volkswagen antreiben, gehört zu den Gewinnern jener Entwicklung, die die deutschen Platzhirsche gerade so hart trifft.

Was Anleger in den kommenden Wochen beobachten sollten

Bei Tesla wird sich zeigen müssen, ob günstigere Modellvarianten die Marge stabilisieren und ob der Robotaxi-Ausbau über erste Testmärkte hinaus tatsächlich Umsatz generiert. Bei CATL rückt das Tempo neuer Speicheraufträge sowie der Fortschritt beim Kapazitätsaufbau in Ungarn in den Fokus, als Absicherung gegen eine schwächere EV-Zellnachfrage.

Für XPeng entscheidet sich im vierten Quartal, wenn die ersten Fahrzeuge tatsächlich in Deutschland ausgeliefert werden, ob sich die Preisführerschaft auch nach Berücksichtigung von Zulassungskosten und lokalen Fertigungsausgaben halten lässt. Bei Volkswagen und Porsche dürfte die endgültige Ausgestaltung der jeweiligen Zukunftspakete – mit konkreten Zahlen zu Werkschließungen, Stellenabbau und Reinvestitionen – der entscheidende Kurstreiber der kommenden Monate sein. Die Reaktionen von Betriebsräten und Gewerkschaften werden dabei zusätzliche Unsicherheit ins Spiel bringen.

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