Kapitalerhöhung, Leerverkäufer, Übernahme — fünf Rüstungswerte unter Druck
OHB, DroneShield und Renk kämpfen mit Kursverlusten trotz voller Auftragsbücher. Analysten sehen Potenzial.

- OHB sammelt 789 Millionen Euro ein
- DroneShield leidet unter ASIC-Untersuchung
- Renk trotzt Leerverkäufern mit Rekordaufträgen
- Kraken Robotics vor milliardenschwerer Übernahme
789 Millionen Euro frisches Kapital bei OHB, ein ASIC-Verfahren bei DroneShield, Shortseller-Angriffe auf Renk: In der Verteidigungsbranche entscheidet gerade nicht das Schlachtfeld über Gewinner und Verlierer, sondern der Kapitalmarkt. Während die strukturelle Nachfrage nach Rüstungsgütern, Drohnenabwehr und Unterwasserrobotik weiter wächst, kämpfen die Aktien mit Verwässerung, Vertrauenskrisen und Bewertungsfragen. Ein Überblick über fünf Titel, die diese Woche besonders im Fokus standen.
OHB SE: Nach der Kapitalerhöhung ist vor dem Kursschock
Der Bremer Satellitenkonzern hat gemeinsam mit Finanzinvestor KKR vergangene Woche 789 Millionen Euro eingesammelt — und den Kurs damit kräftig unter Druck gesetzt. Die neuen Aktien wurden zu je 300 Euro platziert, ein Abschlag von rund 26 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor der Ankündigung am 22. Juni. Am Freitag sackte die Aktie zweistellig ab und schloss bei 276 Euro.
Die Mechanik dahinter ist klar: OHB hat sein Grundkapital um knapp neun Prozent erhöht, zusätzlich hat KKR einen erheblichen Teil seiner rund 29-Prozent-Beteiligung auf den Markt geworfen. Der Streubesitz soll dadurch von historisch dünnen sechs Prozent auf bis zu 26 Prozent steigen. Für institutionelle Investoren wird die Aktie damit erstmals breit handelbar — kurzfristig bedeutet das aber enormen Verkaufsdruck.
Operativ bleibt die Lage robust. Im ersten Quartal 2026 kletterte die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279 Millionen Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 3,35 Milliarden Euro einen Rekord. Um die erwartete Flut an Verteidigungsaufträgen zu bewältigen, hat OHB mit Dr. Luis Alejandro Orellano erstmals einen Chief Operating Officer eingestellt. Er soll die Serienfertigung industrialisieren.
Ein kurzfristiger Katalysator steht unmittelbar bevor: Am 1. Juli öffnet sich das Startfenster für den Erstflug der RFA-ONE-Rakete der Tochter Rocket Factory Augsburg. Sieben Satelliten sind für die Jungfernfahrt gebucht. Das Management dämpft allerdings die Erwartungen — historisch scheitern die meisten Erstflüge neuer Trägersysteme. Langfristig peilt OHB bis 2028 einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro bei einer operativen Marge von elf Prozent an.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 320 Euro. Bis die KKR-Platzierung vollständig abgeschlossen ist, dürften die extremen Kursausschläge anhalten.
DroneShield: Boomende Umsätze, bröckelndes Vertrauen
Der australische Drohnenabwehr-Spezialist liefert ein Paradebeispiel dafür, wie regulatorische Unsicherheit selbst starke Fundamentaldaten aushebeln kann. Die Aktie hat innerhalb eines Monats rund ein Drittel ihres Wertes verloren und schloss am Freitag bei 1,28 Euro — ein RSI von knapp 20 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Lage.
Der zentrale Belastungsfaktor bleibt die im Mai offengelegte Untersuchung der australischen Wertpapieraufsicht ASIC. Die Behörde prüft Unternehmensankündigungen und Aktienhandel vom November 2025. Ein konkretes Ergebnis steht aus, DroneShield hat volle Kooperation zugesagt. Allein die Existenz der Untersuchung hat jedoch das Vertrauen der Broker beschädigt und einen 16-Prozent-Einbruch in einer einzigen Sitzung ausgelöst.
Dabei sprechen die Geschäftszahlen eine andere Sprache:
- Umsatz im ersten Quartal 2026: plus 121 Prozent auf rund 74 Millionen australische Dollar
- Rekord-Casheinnahmen bei positivem Cashflow
- Keine Schulden, rund 220 Millionen australische Dollar Barmittel
- Auftragspipeline im Umfang von etwa 2,2 Milliarden australischen Dollar
Neue Fabriken in Europa, gewonnene US-Verteidigungsaufträge und die Sicherung des Luftraums über WM-Spielstätten in Kansas City unterstreichen die operative Relevanz. Die Analystenspanne reicht von 2,28 bis 5,00 australischen Dollar — ein Spiegelbild der tiefen Meinungsverschiedenheiten am Markt. Der Weg zu einer Neubewertung führt nicht über weitere Auftragserfolge, sondern über eine Klärung des ASIC-Verfahrens. Die Halbjahreszahlen am 26. August werden zum Stresstest.
Renk: Rekordzahlen gegen Leerverkäufer
Kaum eine Aktie im deutschen Rüstungssektor ist so umkämpft wie Renk. Der Getriebe- und Antriebsspezialist aus Augsburg hat im ersten Quartal 2026 einen Rekord-Auftragseingang von 582 Millionen Euro verbucht, der Auftragsbestand liegt bei 6,9 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 284 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um gut zehn Prozent zu. Über 90 Prozent des geplanten Jahresumsatzes sind durch feste Aufträge gedeckt.
Trotzdem notiert die Aktie bei 42,72 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Citadel Advisors hält eine Netto-Short-Position von 0,5 Prozent, PDT Partners hat seine Short-Quote zuletzt auf 0,84 Prozent aufgestockt. Ihre These hat Substanz: Renk liefert Komponenten für israelische Panzerfahrzeuge, mögliche Exportbeschränkungen könnten bis zu 100 Millionen Euro Umsatz in diesem Jahr gefährden. Hinzu kommen Umsatzverschiebungen von rund 200 Millionen Euro aus dem Vorjahr in das erste Halbjahr.
Auf der Gegenseite hat BlackRock seinen Stimmrechtsanteil auf 4,44 Prozent erhöht — eine klare Wette auf den langfristigen Rüstungsaufrüstungs-Trend. Die Analysten-Kursziele bewegen sich zwischen 63 und 72 Euro, der Konsens liegt bei knapp 67 Euro. Die Diskrepanz zum aktuellen Kurs ist enorm. Die nächsten Quartalszahlen im August müssen zeigen, ob die Umsatzverschiebungen absorbiert sind und die Israel-Risiken beherrschbar bleiben.
Military Metals: Antimon als strategischer Rohstoff
Military Metals nimmt in dieser Rüstungsübersicht eine Sonderrolle ein. Das kanadische Explorationsunternehmen produziert keine Waffen und keine Technologie, sondern sucht nach Antimon — einem kritischen Mineral für Munitionszünder, Flammschutzmittel und Halbleiterproduktion.
Im April 2026 lieferte das Unternehmen seinen ersten geschätzten Ressourcenbericht für das Flaggschiff-Projekt Trojárová in der Westslowakei: 6,5 Millionen Tonnen mit einem Antimongehalt von 1,02 Prozent und 1,06 Gramm Gold pro Tonne. Das ergibt rund 67.000 Tonnen Antimon und 222.000 Unzen Gold. Parallel hat Military Metals in Nevada an seinem Last-Chance-Projekt Bodenproben ausgewertet und eine rund 815 Meter lange Antimon-Anomalie kartiert.
Die Aktie notiert bei 0,10 Euro und hat seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Die extrem hohe Volatilität von annähernd 142 Prozent spiegelt die Natur eines Junior-Explorers wider: Ohne Umsatz und ohne Produktion hängt der Kurs an Bohrergebnissen und an der geopolitischen Relevanz des Rohstoffs. Die Aufstellung des Vorstands — mit dem im März berufenen Vorsitzenden Thomas Hüser, einem erfahrenen europäischen Metallmanager — deutet auf eine strategische Ausrichtung Richtung europäische Verteidigungslieferketten.
Kraken Robotics: 615 Millionen für den großen Sprung
Kraken Robotics steht unmittelbar vor dem Abschluss der größten Übernahme in der Firmengeschichte. Alle regulatorischen und börsenrechtlichen Genehmigungen für den Kauf der Covelya Group liegen vor. Der Vollzug wird für den 2. Juli erwartet.
Das Transaktionsvolumen beträgt 615 Millionen kanadische Dollar, davon 480 Millionen in bar und 135 Millionen in neuen Aktien. Das kombinierte Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von 365 Millionen Dollar bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 24 Prozent. Für 2026 stellt das Management einen konsolidierten Umsatz zwischen 165 und 175 Millionen Dollar in Aussicht — ein organisches Wachstum von 62 bis 72 Prozent.
Auf der Hauptversammlung am 24. Juni wurden sämtliche Beschlüsse genehmigt. Im ersten Quartal erreichte der Umsatz 21,7 Millionen kanadische Dollar, ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Nettoverlust von 3,3 Millionen. Die Aktie schloss am Freitag bei 4,01 Euro, rund 41 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 10,80 kanadischen Dollar — vier Analysten empfehlen den Kauf.
Die Integrationsphase nach dem Closing wird zur Bewährungsprobe für die nächsten zwölf bis 18 Monate.
Drei Kräfte formen den Sektor
Über alle fünf Titel hinweg wirken drei dominante Dynamiken:
- Verwässerung und Angebotsschock: Bei OHB und DroneShield drücken Kapitalmaßnahmen und regulatorische Unsicherheit die Kurse, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Der Markt preist kurzfristiges Aktienangebot ein, bevor er langfristiges Wachstum belohnt.
- Leerverkäufer gegen Fundamentaldaten: Bei Renk stehen Rekordaufträge einer glaubwürdigen Short-These gegenüber — Exportrisiken und Umsatzverschiebungen liefern den Bären Argumente, während der strategische Rüstungsaufrüstungs-Trend die Bullen stützt.
- Transformative M&A: Krakens Covelya-Übernahme wird ab Juli zeigen, ob anorganisches Wachstum in der Unterwasserrobotik die ambitionierten Umsatzziele rechtfertigt.
Military Metals steht abseits dieser Marktmechaniken. Seine Story wird nicht von Aufträgen, sondern von Bohrergebnissen und der wachsenden strategischen Bedeutung kritischer Mineralien für NATO-Lieferketten getrieben.
Katalysator-Kalender: Was in den kommenden Wochen zählt
Die nächsten Tage und Wochen sind dicht getaktet. Bei OHB läuft das Bezugsrechtsangebot für Minderheitsaktionäre bis zum 8. Juli, parallel steht der RFA-ONE-Erstflug an. Krakens Covelya-Closing am 2. Juli markiert den Startschuss für die Integration. DroneShield veröffentlicht am 26. August die Halbjahreszahlen — jedes Update zum ASIC-Verfahren könnte den Kurs vorher bewegen. Renk muss im August beweisen, dass die operative Stärke die Marktskepsis überwiegt. Und bei Military Metals entscheiden die nächsten Explorationsergebnisse aus der Slowakei darüber, ob die geopolitische Relevanz des Antimon-Projekts auch in der Bewertung ankommt.
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