Kein Vertrauen mehr in Bayer-Führung

Die Aktionäre von Bayer watschten Konzernchef Werner Baumann bei der gestrigen Hauptversammlung ab und entzogen ihm das Vertrauen. Der Vorstand steht allerdings hinter seiner Führung und spricht ihm das Vertrauen aus.

Die Aktionäre haben bei der diesjährigen Hauptversammlung die Führungsriege wegen unkalkulierbarer Risiken bei dem Deal mit Monsanto nicht entlastet. Das ist wohl ein einmaliger Vorgang bei noch amtierenden Managern in Deutschland.

Warnschuss für die Chefs

44,5 % der Ja-Stimmen standen gegen 55,5 % Nein-Stimmen bei der Abstimmung am Abend. Der Aufsichtsrat wurde ebenfalls nur mit 66,4 % der Stimmen entlastet. Letztes Jahr lag die Quote noch bei mehr als 97 % für beide Organe. Rücktrittsforderungen gab es gestern allerdings nicht, es sollte wohl lediglich ein Warnschuss sein.

Die Aktionäre sind sauer wegen der Übernahme der amerikanischen Monsanto. Man lastet der Führung an, dass sie die Rechtsrisiken beim Agrarkonzern massiv unterschätzt und damit die Zukunft von Bayer aufs Spiel gesetzt habe. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat von Monsanto soll gesundheitsschädlich sein und in den USA sieht man sich einer großen Anzahl von Schadenersatzklagen ausgesetzt. Denn 13.400 Menschen machen dort Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich.

Zwei Klagen wurden bereits in erster Instanz verloren und Monsanto wurde zu Schadensersatzzahlungen von jeweils rund 80 Milliarden Dollar verurteilt. Doch der Aufsichtsrat sieht dies anders, denn Bayer ist überzeugt, die Prozesse in höheren Instanzen zu gewinnen.

Nach der Aktionärsversammlung hat der Bayer-Aufsichtsrat kurzfristig eine Sitzung anberaumt und dort Konzernchef Werner Baumann und dem gesamten Vorstand das weitere Vertrauen ausgesprochen. “Wir nehmen das Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung sehr ernst”, erklärte Aufsichtsratschef Werner Wenning. “Gleichzeitig steht der Bayer-Aufsichtsrat geschlossen hinter dem Vorstand.” Die Bayer-Aktie hat im letzten Jahr mehr als 30 % ihres Wertes verloren.

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