KI-Infrastruktur katapultiert Dell, HP und NetApp — Coinbase und Take-Two unter Druck
Dell, HP und NetApp profitieren von KI-Infrastruktur-Boom, während Coinbase und Take-Two unter Druck geraten. Der S&P 500 zeigt starke Quartalszahlen.

- Dell erreicht neues Allzeithoch
- HP profitiert von KI-PC-Nachfrage
- NetApp durch Google-Partnerschaft gestärkt
- Coinbase leidet unter Regulierungsunsicherheit
Drei Quartalstermine in einer Woche, eine Welle von Analysten-Upgrades und ein KI-Backlog in Milliardenhöhe: Der S&P 500 erlebte vergangene Woche einen Handelstag, der die Kräfteverhältnisse im Index scharf offenlegte. Während Technologiewerte mit KI-Bezug regelrecht explodierten, gerieten Krypto-Aktien und der Gaming-Sektor ins Hintertreffen.
Im breiteren Markt legte der S&P 500 rund 0,6 % zu, der Dow Jones gewann 0,9 %. Auffällig dabei: 83 % der bislang berichtenden Indexmitglieder übertrafen die Analystenerwartungen — die höchste Überraschungsrate seit 2021.
| Asset | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Dell | 254,10 € | +16,8 % |
| HP | 21,76 € | +15,4 % |
| NetApp | 120,80 € | +13,2 % |
| Coinbase | 159,48 € | −4,3 % |
| SanDisk | 1.478,69 USD | −4,1 % |
| Take-Two | 196,60 € | −4,1 % |
Dell: Analysten-Upgrades und KI-Backlog treiben auf Allzeithoch
Dell Technologies lieferte am vergangenen Donnerstag einen der stärksten Tagesgewinne im gesamten S&P 500. Das Bemerkenswerte: Es waren keine Quartalszahlen, die den Kurs auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 254,10 € trieben. Die eigentlichen Ergebnisse folgen erst am 28. Mai.
Stattdessen feuerte eine breit angelegte Analysten-Offensive den Kurs an. Wells Fargo hob das Kursziel auf 270 US-Dollar, JPMorgan auf 280 US-Dollar. Citigroup ging mit 290 US-Dollar am weitesten und verwies auf starke Nachfrage aus dem Bereich souveräner KI-Projekte und eine verbesserte Kundenmischung im Unternehmensgeschäft.
Die fundamentale Basis gibt den Analysten recht. Dells KI-Auftragseingang belief sich im Geschäftsjahr 2026 auf 64,1 Milliarden US-Dollar, der Auftragsbestand zum Jahresende lag bei 43 Milliarden. Für das laufende Geschäftsjahr peilt das Management rund 50 Milliarden US-Dollar KI-Umsatz an — eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.
Der Konsens für den Quartalsbericht am Mittwoch erwartet eine Gewinnsteigerung von über 90 % je Aktie bei gleichzeitigem Umsatzwachstum von mehr als 50 %. Der jüngste Kurssprung nimmt diesen erwarteten Beat bereits vorweg. Ein starkes KI-Geschäft ist dabei die Mindestvoraussetzung, nicht die Überraschung.
HP: KI-PCs als neuer Wachstumstreiber
HP zog als enger Wettbewerber fast gleichauf mit Dell und legte am selben Tag um 15,4 % zu. Der Kurs kletterte auf 21,76 € — gut 27 % über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 25,05 €.
Mehrere Faktoren trieben die Rallye gleichzeitig. Starke Lenovo-Ergebnisse signalisierten eine Erholung des PC-Markts insgesamt, während der wachsende Optimismus rund um KI-fähige Notebooks und Desktops HPs Positionierung in diesem Segment ins Rampenlicht rückte. Evercore-ISI-Analyst Amit Daryanani untermauerte das Bild: IDC meldete einen Anstieg der PC-Auslieferungen um 3 % im Jahresvergleich, und höhere Durchschnittspreise dürften als zusätzlicher Umsatztreiber wirken.
Die Ankündigung einer Quartalsdividende von 0,30 US-Dollar je Aktie setzte ein weiteres Vertrauenssignal. HPs Fiskal-Q2-Zahlen stehen für den 27. Mai an. Der Kurssprung ist weniger ein fundamentaler Durchbruch als eine Neubewertung der Erwartungshaltung — getragen von Branchenmomentum und Earnings-Antizipation.
NetApp: Google-Partnerschaft und Übernahmegerüchte als Doppelkatalysator
NetApp komplettiert das Gewinner-Trio mit einem Anstieg von 13,2 % auf ein frisches 52-Wochen-Hoch bei 120,80 €. Auch hier positionieren sich Investoren vor Quartalszahlen am 28. Mai. Der Konsens rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 2,27 US-Dollar — ein Plus von knapp 18 % gegenüber dem Vorjahr.
Ein zentraler Kurstreiber: Die vertiefte Google-Cloud-Partnerschaft. Gemini Enterprise und Security Operations laufen künftig auf NetApps Datenplattform, was das Unternehmen tiefer in die KI-Kerninfrastruktur einbettet. Im jüngsten Quartal entschieden sich rund 300 Kunden für NetApp bei der KI-Datenvorbereitung — gegenüber etwa 200 im Vorquartal.
Zusätzlich kochte Übernahmespekulation hoch. Marktgerüchte deuteten auf Interesse an NetApps KI-Infrastruktur-Fähigkeiten hin, blieben aber unbestätigt. Konkrete Bieter sind nicht bekannt. Die Kombination aus aufwärts revidierten Schätzungen, einer starken Erfolgsbilanz beim Übertreffen des Konsenses und der wachsenden KI-Kundenbasis schuf die Bedingungen für die scharfe Neubewertung.
Coinbase: Regulierungshoffnung reicht nicht
Coinbase fiel um 4,3 % auf 159,48 € — ein Rücksetzer, der besonders schmerzt, weil das regulatorische Umfeld eigentlich Rückenwind liefern sollte. Der Digital Asset Market Clarity Act passierte zwar den Senatsausschuss mit 15 zu 9 Stimmen. Die Wettquoten auf eine Verabschiedung im Jahr 2026 sind allerdings von 75 % Anfang Mai auf 59 % gefallen. Entscheidend: Die 60-Stimmen-Hürde im Senat steht noch bevor.
Gewinnmitnahmen nach der regulierungsgetriebenen Rallye vom Vortag und eine Bitcoin-Schwäche verstärkten den Abgabedruck. Investoren bewerteten ihr Krypto-Engagement vor dem Wochenende neu.
Strukturell bleibt die Belastung durch schwache Q1-Zahlen bestehen:
- Umsatz brach um 31 % auf 1,41 Milliarden US-Dollar ein
- Nettoverlust von 394 Millionen US-Dollar
- Transaktionseinnahmen fielen um 21 % gegenüber dem Vorquartal
- Positiv: 13. Quartal in Folge mit positivem bereinigtem EBITDA (303 Millionen US-Dollar)
Der Kurs notiert mittlerweile mehr als 55 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Solange Kryptopreise und Handelsvolumina keine nachhaltige Erholung zeigen, fehlt der Aktie ein überzeugender Katalysator.
SanDisk: Opfer des eigenen Erfolgs
Ein Minus von 4,1 % klingt harmlos — bis man den Kontext betrachtet. SanDisk ist mit einem Plus von über 430 % seit Jahresbeginn der mit Abstand stärkste Performer im gesamten S&P 500. Die Aktie notiert bei 1.478,69 US-Dollar, knapp unter dem 52-Wochen-Hoch, und hat sich seit dem Tief im Oktober 2025 fast verneunfacht.
Das fundamentale Bild bleibt beeindruckend: Im jüngsten Quartal verdreifachte sich der Umsatz auf 5,95 Milliarden US-Dollar. Das Rechenzentrum-Segment verzeichnete einen Zuwachs von 645 % im Jahresvergleich, befeuert durch die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherprodukten.
Die Kehrseite dieses Höhenflugs zeigt sich in der Bewertung. Institutionelle Verkäufe und Insider-Abgaben signalisieren gemischte Stimmung auf diesem Niveau. Hinzu kommen Bedenken über ein potenziell steigendes NAND-Flash-Angebot: Aggressive Investitionspläne von Wettbewerbern könnten die Preissetzungsmacht unter Druck setzen und Margen komprimieren. Der RSI von knapp 80 unterstreicht die technische Überhitzung. Das Muster der vergangenen Wochen — kurze Rücksetzer nach steilen Anstiegen — setzt sich fort.
Take-Two: GTA VI bestätigt, Ausblick enttäuscht trotzdem
Take-Two lieferte am 21. Mai Quartalszahlen, die auf den ersten Blick überzeugten. Der nachbörsliche Kurs stieg zunächst. Als dann die reguläre Sitzung begann, drehte die Stimmung. Die Aktie verlor 4,1 % auf 196,60 €.
Der Grund: Das Management bestätigte zwar den GTA-VI-Launch am 19. November 2026 und prognostizierte bis zu 8,2 Milliarden US-Dollar an Netto-Buchungen im Geschäftsjahr 2027 sowie mehr als eine Milliarde Dollar operativen Cashflow. Für Anleger, die einen aggressiveren Ausblick erwartet hatten, blieb die Guidance dennoch hinter den Hoffnungen zurück.
Goldman-Sachs-Analyst Sheridan verwies auf höhere Marketingausgaben vor dem GTA-VI-Release. Rockstar soll seinen Marketingfeldzug in diesem Sommer starten. Das Management verfolgt offenbar einen konservativen Ansatz bei der Umsatzerfassung — eher ein Signal für Vorsicht als für schwächere Nachfrage. Die Aktie notiert aktuell rund 13 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Bis zum Launch im November wird der Markt jede Nachricht zu GTA VI auf die Goldwaage legen.
Earnings-Woche als Nagelprobe für die KI-Rallye
Die Woche ab dem 27. Mai wird zur Bewährungsprobe. HP berichtet am Dienstag, Dell und NetApp am Mittwoch. Alle drei Aktien haben starke Kursgewinne vorweggenommen. Liefern die Zahlen, könnte sich die Rallye fortsetzen. Enttäuschen sie, droht eine ebenso scharfe Korrektur.
Auf der Verliererseite zeigen Coinbase, SanDisk und Take-Two drei unterschiedliche Facetten desselben Problems: Hohe Erwartungen lassen wenig Raum für Enttäuschung. Bei Coinbase fehlt der legislative Durchbruch, bei SanDisk die Bewertungsfantasie auf diesem Niveau, bei Take-Two der mutige Ausblick. Die heutigen Gewinner müssen ihre Rallye nun mit harten Zahlen untermauern — alles andere wäre eine Einladung für Gewinnmitnahmen.
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