Kioxia Aktie: 229-Millionen-Zahlung an Viasat

US-Jury sieht Patentverletzung durch Kioxia-Flashspeicher als erwiesen an. Aktie fällt weiter, Analysten bleiben optimistisch.

Die Kernpunkte:
  • Patentverletzung durch Flash-Speicher
  • 229 Millionen Dollar Schadenersatz
  • Kioxia-Aktie verliert weiter an Wert
  • Nomura bekräftigt Kaufempfehlung trotz Kursrutsch

Eine Jury im US-Bundesstaat Texas hat den japanischen Speicherchip-Hersteller Kioxia zu einer Zahlung von 229 Millionen Dollar an den Satellitenkommunikationskonzern Viasat verurteilt. Das Verdikt erging am 16. Juli 2026 vor dem Bundesgericht für den Western District of Texas in Waco. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Kioxia mit seinen Flash-Speicherprodukten das US-Patent 8.615.700 verletzt hat, das eine Fehlerkorrekturarchitektur schützt. Viasat hatte die Technologie ursprünglich für Fehlerkorrektursysteme in Satelliten entwickelt; sie senkt den Stromverbrauch und verbessert Zuverlässigkeit sowie Lebensdauer von Speicherbausteinen.

Die zugesprochene Summe von 229.025.021 Dollar ist als laufende Lizenzgebühr für vergangene Verletzungen bis zum 30. März 2026 kalkuliert. Kioxia widerspricht dem Urteil scharf und erklärte, die eigenen Produkte verletzten das Patent nicht. Der Konzern hatte vor Gericht zudem die Gültigkeit des Patents selbst angezweifelt, konnte die Jury damit aber nicht überzeugen. Ob Kioxia in Berufung geht, ließ das Unternehmen offen. Viasat führt einen ähnlichen Rechtsstreit auch gegen Western Digital, der noch anhängig ist. Ein früheres Patentverfahren von Bell Semiconductor gegen Kioxia war bereits 2023 eingestellt worden.

Kurs setzt Talfahrt fort

Für die Aktie kommt das Urteil zur Unzeit. Am Freitag notiert das Papier bei 285,00 Euro, ein Minus von 6,57 Prozent gegenüber dem Donnerstagsschluss von 305,05 Euro. Damit liegt der Kurs 54,11 Prozent unter seinem Zwölfmonatshoch, das erst am 22. Juni 2026 markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index von 37,7 signalisiert, dass die Aktie nach dem jüngsten Ausverkauf nahe an eine überverkaufte Zone rückt. In Tokio hatte das Papier bereits am Vortag des Urteils mit einem zweistelligen Kurseinbruch und einer Handelsaussetzung nach unten reagiert, nachdem die Nachricht über die texanische Jury-Entscheidung die Runde gemacht hatte.

Der Fall reiht sich in einen ohnehin dramatischen Monat ein. Kioxia hatte im Juni 2026 zeitweise das teuerste Unternehmen Japans gestellt, nach einer Rally von rund 600 Prozent seit dem Börsengang im Dezember 2024, als die Aktie bei umgerechnet 1.455 Yen startete. Binnen weniger Wochen büßte der Konzern nach Berichten aus Tokio einen Marktwert von rund 30 Billionen Yen ein. Der Finanzinvestor Bain Capital soll im Zuge dessen sämtliche Anteile verkauft haben, während sich parallel Leerverkaufspositionen aufgebaut hätten. Beobachter sprechen von Gewinnmitnahmen nach einer überhitzten Bewertung, verstärkt durch generelle Sorgen um eine mögliche Überinvestition im KI-getriebenen Speicherchipmarkt.

Nomura bleibt trotz Absturz optimistisch

Nicht alle Analysten sehen in dem Kurseinbruch ein Warnsignal. Nomura hat das Kursziel für Kioxia nach der Kurshalbierung auf 126.000 Yen angehoben und die Kaufempfehlung bekräftigt. Die Bank begründet dies mit einer angehobenen Prognose für das Wachstum der NAND-Bitpreise, die im zweiten Quartal um 70 Prozent und im dritten Quartal um 25 Prozent zulegen sollen. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet Nomura mit einem operativen Gewinn von 7,5 Billionen Yen, für 2028 mit 10,7 Billionen Yen. Als Risikofaktor benennt die Bank die stark fremdfinanzierten Positionen von Privatanlegern, die bei weiteren Kursrückgängen zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen könnten.

Fundamental steht Kioxia weiterhin auf solidem Boden: Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 2,337 Billionen Yen bei einem um 93 Prozent gestiegenen operativen Gewinn. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Erwartungen liegt bei rund 7,9. Kioxia plant zudem eine Notierung von American Depositary Shares in den USA. Die juristische Niederlage gegen Viasat dürfte diese Pläne finanziell kaum gefährden, belastet aber kurzfristig das ohnehin angeschlagene Anlegervertrauen.

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