Kioxia Aktie: Zehn-Prozent-Crash auf 48.910 Yen
Kioxia-Aktie fällt um zehn Prozent nach enttäuschenden Ausblicken von SanDisk und Western Digital. Trotz Rekordjahr bleibt die Branche nervös.

- Kursrutsch von zehn Prozent
- Enttäuschende US-Speicherprognosen
- Eigene Prognose verfehlt Erwartungen
- Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Kioxia hat einen der spektakulärsten Aktienläufe der vergangenen zwölf Monate hingelegt – und erlebt nun einen ebenso heftigen Rückschlag. Im Tokioter Handel brach das Papier am heutigen Donnerstag um knapp zehn Prozent ein und rutschte auf 48.910 Yen ab. Im deutschen Handel schloss die Aktie bereits am Mittwoch mit 295,15 Euro um 3,70 Prozent tiefer – ein erstes Echo des Ausverkaufs, der sich in Asien noch verschärfte.
Der Rückgang wirkt umso auffälliger angesichts der Bilanz der vergangenen zwölf Monate: Kioxia legte in diesem Zeitraum um rund 2.000 Prozent zu und übertraf damit selbst Japans zweitbeste Aktie, AIMECHATEC mit einem Plus von 540,30 Prozent, um ein Vielfaches. Trotz des jüngsten Einbruchs steht der Titel seit Jahresbeginn noch immer mit 417,81 Prozent im Plus.
Ausverkauf erfasst die gesamte Speicherbranche
Ausgelöst wurde die Talfahrt durch enttäuschende Ausblicke der US-Konkurrenten SanDisk und Western Digital. SanDisk hatte für das vierte Quartal einen Umsatz von 8,97 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verfehlte mit der Prognose für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres jedoch die Konsenserwartungen. Die Aktie fiel darauf im US-Handel zweistellig, Western Digital gab ebenfalls kräftig nach. Der Schock schwappte auf die gesamte asiatische Halbleiterbranche über: Auch SK Hynix und Samsung Electronics verloren in Seoul deutlich, in Südkorea löste der heftige Rückgang zeitweise sogar einen automatischen Sell-Side-Sidecar an der Börse aus. Der Nikkei-Index gab in der Folge über ein Prozent ab, angeführt von schwachen Chipwerten.
Kioxia traf es besonders hart, weil das Unternehmen bereits zuvor unter Druck stand. Vom Juni-Hoch bei 112.700 Yen hat die Aktie inzwischen rund 65 Prozent verloren – ein deutliches Zeichen dafür, wie nervös Anleger auf jede neue Nachricht aus dem Speicherchip-Sektor reagieren.
Schwache Prognose trübt starke Jahresbilanz
Zusätzlichen Druck erzeugte die eigene Prognose des Unternehmens. Kioxia rechnet für das laufende Halbjahr mit einem operativen Ergebnis von 3,16 Billionen Yen, umgerechnet rund 19,7 Milliarden Dollar. Rechnet man das erste Quartal heraus, impliziert die Prognose für das zweite Quartal ein operatives Ergebnis von 1,89 Billionen Yen – nach 1,27 Billionen Yen im Vorquartal. Der Wert verfehlte damit die Erwartungen des Marktes, was die Verkaufswelle weiter befeuerte.
Parallel zur schwächeren Prognose hält Kioxia an seinen Kapitalmaßnahmen fest: Ein Aktiensplit im Verhältnis 3:1 sowie ein Rückkaufprogramm über 800 Milliarden Yen sollen die Anteilseigner bei Laune halten. Solche Schritte signalisieren Vertrauen des Managements in die langfristige Bewertung, ändern aber nichts an der kurzfristigen Nervosität rund um die Nachfrageentwicklung bei NAND-Speicherchips.
Analysten bleiben trotz Kursrutsch optimistisch
An der grundsätzlichen Einschätzung der Analystenschaft hat der Rückschlag bislang wenig geändert. Von 15 erfassten Bewertungen lauten 14 auf Kauf, lediglich Bernstein rät zum Verkauf. Im Durchschnitt implizieren die Kursziele ein Aufwärtspotenzial von mehr als 100 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau – ein Hinweis darauf, dass die Mehrheit der Beobachter den jüngsten Ausverkauf als Übertreibung wertet und nicht als Ende der strukturellen Nachfrage nach KI-getriebenem Speicher.
Für Anleger bleibt die Lage widersprüchlich: Die Aktie notiert derzeit rund 26,59 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 402,06 Euro, was auf einen ausgeprägten kurzfristigen Abwärtstrend hindeutet. Gleichzeitig bleibt die Jahresperformance beeindruckend hoch. Ob sich der Titel von der branchenweiten Verkaufswelle rund um SanDisk und Western Digital lösen kann, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die NAND-Preise in den kommenden Monaten entwickeln – und ob die für das zweite Quartal erwartete Ergebnisdelle tatsächlich nur ein vorübergehendes Zwischentief markiert.
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