KNDS Aktie: 1,35 Milliarden Dollar aus London

Rüstungskonzern KNDS sichert sich Großaufträge aus London und plant Werksübernahmen, während der Börsengang noch offene Fragen klären muss.

Die Kernpunkte:
  • Milliarden-Deal mit Großbritannien
  • Gespräche mit VW und Mercedes
  • Neue Werke in Norwegen und München
  • Börsengang durch Prüfung verzögert

Großauftrag aus London, Gespräche mit Volkswagen und Mercedes-Benz, eine stockende Wirtschaftsprüfung — KNDS erlebt gerade eine der dichtesten Wochen seiner Unternehmensgeschichte. Der europäische Rüstungskonzern steht vor dem Sprung an die Börse, kämpft aber gleichzeitig mit den Grenzen seiner eigenen Produktionskapazität.

Britischer Milliarden-Auftrag für den RCH 155

Großbritannien kauft 72 ferngesteuerte Panzerhaubitzen vom Typ RCH 155. Der Vertrag hat einen Wert von knapp einer Milliarde Pfund — rund 1,35 Milliarden Dollar. Erste Lieferungen sollen 2028 beginnen.

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Vertragspartner ist ARTEC, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall. Die Abwicklung läuft über OCCAR, die europäische Rüstungskooperationsbehörde. Rheinmetall produziert das Waffensystem in Telford, England. Den Boxer-Antriebsmodul baut KNDS UK in Stockport. Stahl liefert Sheffield Forgemasters.

Der RCH 155 ist die weltweit erste Haubitze, die im Fahren feuern kann. Das ist kein Marketingversprechen, sondern ein taktischer Vorteil: Moderne Gegenfeuer-Radare orten Abschussstellungen in Echtzeit. Wer schnell schießt und sofort weiterfährt, überlebt länger.

US-Armee als nächster Großkunde?

Das britische Geschäft könnte bald von einem noch größeren übertroffen werden. Die US-Armee plant, Angebotsanfragen für Prototypen von 155-mm-Selbstfahrhaubitzen zu veröffentlichen. Das Programm heißt Mobile Tactical Cannon. Gesucht werden sechs bis zwölf Prototypen.

Die Präferenz soll schweren Radfahrzeugen gelten — darunter Systemen mit dem AGM-Turmmodul von KNDS Deutschland auf 8×8- oder 10×10-Chassis. Eine Entscheidung, welche Anbieter in die nächste Runde kommen, erwartet die Branche im Juli.

Volkswagen-Werk, Mercedes-Werk: KNDS sucht Fläche

Starke Auftragslage, knappe Kapazität. Das ist das Kernproblem. Der Auftragsbestand kletterte bis Ende 2025 auf 33,1 Milliarden Euro — ein Jahr zuvor waren es noch 23,5 Milliarden. Allein neue Bestellungen summierten sich auf 13,5 Milliarden Euro. Darunter mehr als 300 Leopard-2-A8-Panzer für Tschechien, die Niederlande und Kroatien sowie steigende Nachfrage nach dem Caesar-Artilleriesystem.

CEO Jean-Paul Alary bestätigte am 26. Mai Gespräche mit Volkswagen und Mercedes-Benz. KNDS prüft die Übernahme ungenutzter Werke in Osnabrück und Ludwigsfelde. In Ludwigsfelde könnten rund 2.000 Beschäftigte den Arbeitgeber wechseln. KNDS würde zunächst Teile des Werks mieten, parallel zu Sprinter-Vans Militärfahrzeuge bauen und das Werk danach vollständig übernehmen. Das geplante Investitionsvolumen für neue Produktionskapazitäten liegt bei rund einer Milliarde Euro.

Beim Osnabrücker Werk ist die Lage komplizierter. Israels Rafael Advanced Defense Systems hat bereits eine Absichtserklärung zur Übernahme unterzeichnet. KNDS müsste sich also gegen einen anderen Rüstungskonzern durchsetzen.

Norwegen, München, sechsfache Boxer-Produktion

Der Kapazitätsausbau läuft auch außerhalb Deutschlands. In Levanger, Norwegen, eröffnete KNDS im Mai eine neue Fertigungsstätte für den Leopard 2A8NO. Die Produktion startet im dritten Quartal 2026. Das Werk kann bis zu 36 Kampfpanzer pro Jahr bauen. Von den 54 bestellten Leopard-Panzern für Norwegen entstehen 37 vor Ort, 17 in Deutschland.

Am Münchner Standort Allach läuft inzwischen eine neue Produktionslinie für den Boxer. Zehn Antriebsmodule pro Monat verlassen das Band. Das Ziel: bis 2030 sechsmal so viele Boxer-Systeme wie bisher.

Börsengang hängt an zwei offenen Fragen

KNDS wächst schnell. Der Umsatz stieg 2025 auf 4,4 Milliarden Euro. Das EBIT erreichte 661 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 13,2 auf 15,0 Prozent.

Allerdings verweigert PricewaterhouseCoopers bislang den Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2025. Der Grund: ein interner Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields zu einem Rüstungsvertrag mit Katar aus dem Jahr 2013. Das Geschäft umfasste Haubitzen, Leopard-Panzer, Serviceleistungen und Training im Wert von 1,89 Milliarden Euro. Hinweise auf strafbares Verhalten aktueller oder früherer Mitarbeiter gibt es bislang nicht — PwC will aber das Ergebnis der Untersuchung abwarten.

Die zweite offene Frage ist politischer Natur. Berlin streitet intern über die Höhe des staatlichen Anteils nach dem Börsengang. Das Verteidigungsministerium will rund 40 Prozent halten, Wirtschaftsministerium und Kanzleramt tendieren zu 30 Prozent. Rund ein Viertel des Kapitals soll an die Börse. Banken schätzen den Unternehmenswert auf 18 bis 20 Milliarden Euro — deutlich weniger als frühere Schätzungen von bis zu 25 Milliarden. Eine formelle Bestätigung des Zeitplans hängt davon ab, ob Berlin und Paris die Aktionärsvereinbarung abschließen können.

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