KNDS Aktie: 1,89-Milliarden-Deal mit Katar geprüft

Wegen eines Katar-Geschäfts von 2013 prüfen Münchner Staatsanwälte KNDS. Der mögliche Börsengang bleibt ohne Termin und Bewertungsspanne.

Die Kernpunkte:
  • Vorermittlungen zu Katar-Geschäft eingeleitet
  • Deal um 1,89 Milliarden Euro
  • KNDS findet bislang keine Mitarbeiterhinweise
  • IPO-Termin und Bewertung weiterhin offen

Münchner Staatsanwälte haben ein Vorermittlungsverfahren zu einem Waffengeschäft von KNDS mit Katar aus dem Jahr 2013 eingeleitet. Im Zentrum steht ein Deal über 62 Leopard-2-Panzer und 24 Panzerhaubitzen 2000 mit einem Gesamtwert von rund 1,89 Milliarden Euro. Der Vorwurf: Bestechung. Reuters berichtete am Donnerstag vergangener Woche über die Vorermittlungen.

KNDS selbst bestätigte gegenüber Reuters, dass die Münchner Behörden Fragen zu dem historischen Geschäft gestellt hätten. Das Unternehmen betonte zugleich, bereits im laufenden Jahr externe Experten mit einer eigenen Überprüfung beauftragt zu haben. Diese interne Untersuchung befinde sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Bislang habe man keine Hinweise auf strafbares Verhalten von Mitarbeitern gefunden, teilte KNDS mit.

Belastung für den geplanten Börsengang

Die Ermittlungen treffen KNDS in einer heiklen Phase. Nach Berichten von Bloomberg erwägt das Unternehmen derzeit eine erneute Investoren-Roadshow, um einen möglichen Börsengang noch im September nachzuholen.

Ursprünglich für den Sommer geplante Schritte waren wegen der Schwäche von Rüstungsaktien verschoben worden, den Börsengang selbst hatte KNDS kurz nach dessen Ankündigung Anfang Juli zunächst ausgesetzt. Ein konkretes Datum, ein Preis oder eine Bewertungsspanne stehen laut jüngeren Berichten weiterhin nicht fest.

Für ein Unternehmen, das Anlegern eine saubere Equity-Story präsentieren will, kommt ein staatsanwaltschaftliches Vorermittlungsverfahren zu einem milliardenschweren Altgeschäft zur Unzeit. Auch wenn es sich um Vorermittlungen und nicht um ein förmliches Ermittlungsverfahren handelt, dürfte die Episode potenzielle Investoren in der laufenden Gesprächsphase zusätzlich sensibilisieren.

Operatives Geschäft läuft unbeeindruckt weiter

Abseits der juristischen und kapitalmarktseitigen Fragen zeigt KNDS operative Stärke. Auf der Verteidigungsmesse MSPO in Kielce präsentierte das Unternehmen in dieser Woche umfassende Missionslösungen für die regionale Verteidigungssouveränität und stellte die 8×8-Plattform CELERIS von KNDS Mobility in den Mittelpunkt. Das Unternehmen bekräftigte dabei sein Engagement für Polen und die baltische Region.

Auch in Skandinavien und im Baltikum treibt KNDS Projekte voran. Anfang September traf der erste modernisierte Kampfpanzer vom Typ Stridsvagn 123A in Schweden ein, nachdem er im KNDS-Werk in München überarbeitet worden war. Er soll dort für Ausbildung und weitere Vorbereitung durch schwedische Spezialisten genutzt werden.

Parallel dazu begann in der litauischen Freiwirtschaftszone Kaunas der Bau einer Leopard-Montage- und Reparaturanlage. Das Projekt läuft über die Lithuania Defense Services, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS Deutschland und Rheinmetall Landsysteme. Die Verhandlungen über den staatlichen Beitrag zu dem Vorhaben dauern nach Medienberichten noch an.

Zwei Baustellen für Anleger

Für die Einschätzung von KNDS ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Auf der operativen Seite laufen Modernisierungs- und Produktionsprojekte in mehreren europäischen Ländern planmäßig weiter und untermauern die Nachfrage nach Landsystemen aus dem Konzern.

Auf der Kapitalmarktseite bleibt hingegen offen, wie stark die Katar-Ermittlungen den Zeitplan und die Konditionen eines möglichen Börsengangs noch beeinflussen. Solange die Staatsanwaltschaft keine Ergebnisse vorlegt und KNDS keinen konkreten IPO-Termin nennt, bleibt die Frage nach dem Bewertungsrahmen für potenzielle Investoren die entscheidende Unbekannte.

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