KNDS Aktie: 262 Millionen durch RENK-Verkauf
KNDS hat die letzte Hürde für den Börsengang genommen. Die Prüfung eines Altgeschäfts mit Katar ist abgeschlossen, der Prospekt kann kommen.

- Katar-Prüfung erfolgreich abgeschlossen
- Umsatz stieg auf 4,4 Milliarden Euro
- Auftragsbestand auf 33,1 Milliarden Euro
- Bundesregierung will 40 Prozent erwerben
KNDS geht mit einem gelösten Kernproblem in die entscheidende IPO-Phase. Die Untersuchung zu einem alten Katar-Geschäft ist weit genug abgeschlossen. PwC konnte damit den Jahresabschluss freigeben. Jetzt rückt ein anderes Thema nach vorn: der Einstieg Berlins und der knappe Streubesitz.
Katar-Prüfung räumt Prospekt-Hürde weg
Im Zentrum stand ein Vertrag aus dem Jahr 2013 mit Katars Militär über 24 PzH-2000-Haubitzen und 62 Leopard-2-Panzer. Dazu gehörte weitere Ausrüstung. Der Auftrag kam von Krauss-Maffei Wegmann, einem Vorgänger von KNDS.
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PwC hatte die Testierung der Jahreszahlen zunächst verweigert. Ohne geprüften Abschluss hätte KNDS den Börsenprospekt nicht sauber auf den Weg gebracht. Für den geplanten Börsengang war das die zentrale Hürde.
KNDS teilte am 26. Mai mit, der Verwaltungsrat habe eine unabhängige Prüfung zu einem Altgeschäft mit Katars Streitkräften beauftragt. Die Untersuchung sei weit genug abgeschlossen, um die Prüfung des Jahresabschlusses 2025 zu beenden. Hinweise auf strafbares Fehlverhalten von Beschäftigten fand das Unternehmen nicht.
Der Börsengang soll im Juni oder Juli stattfinden. Hätte sich die Prüfung gezogen, wäre September als Ausweichtermin im Gespräch gewesen. JPMorgan und Lazard sind als Banken dabei. Ebenso Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale.
Rekordzahlen stärken die Börsengeschichte
Mit dem Testat liegen auch die Zahlen vor, auf denen KNDS seine Investmentstory aufbauen will. Im Jahr 2025 stieg der Umsatz um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das passt zur Erzählung eines Rüstungskonzerns, der wegen höherer Verteidigungsbudgets schneller skaliert.
Die deutschen Landsysteme lieferten 2,5 Milliarden Euro Umsatz und wuchsen zweistellig. In Frankreich erreichte der Bereich 1,3 Milliarden Euro. Der Munitionsbereich fiel durch das stärkste Wachstum auf.
Dort kletterten die Erlöse um 24,7 Prozent auf 612 Millionen Euro. Das Signal ist wichtig, weil KNDS Plattformen und Munition zunehmend als Paket verkauft. Kunden kaufen nicht nur Fahrzeuge, sondern komplette Systeme.
Auch die Marge zog an. Das EBIT erreichte 661 Millionen Euro. Die Marge stieg auf 15,0 Prozent vom Umsatz, getragen von hoher Auslastung und margenstarken Exportaufträgen.
Der Auftragsbestand sprang von 23,5 Milliarden Euro auf 33,1 Milliarden Euro. Der Auftragseingang erreichte den Rekordwert von 13,5 Milliarden Euro. KNDS startet damit mit prall gefüllten Büchern in die Roadshow.
Berlin wird zum Preisfaktor
Nach der Audit-Frage verschiebt sich der Blick auf die Eigentümerstruktur. Die Bundesregierung will vor dem Börsengang 40 Prozent an KNDS NV kaufen. Der Einstieg soll über die KfW laufen und mehrere Milliarden Euro kosten.
Politisch ist der Schritt leicht zu erklären. Kanzler Friedrich Merz’ Koalition will Schlüsseltechnologie und Fertigungswissen schützen. Frankreich hält bereits eine vergleichbare staatliche Position.
Der Preis ist der Knackpunkt. Berlin will den Anteil zu einer Bewertung kaufen, die zum geplanten IPO-Preis passt. Damit vermeidet der Staat, den Familiengesellschaftern einen Aufschlag zu zahlen.
Für den Markt hat die Konstruktion Folgen. Wenn Deutschland 40 Prozent hält und Frankreich ähnlich positioniert bleibt, kommt zum Debüt nur rund ein Fünftel der Aktien in den Streubesitz. Bei einer Bewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro wäre das eine enge Aktie.
Das reduziert die freie Handelbarkeit und kann große Investoren bremsen. Es kann aber auch Kursbewegungen verstärken, wenn Nachfrage und Angebot nicht zusammenpassen.
Langfristig wollen beide Staaten ihre Pakete auf jeweils 30 Prozent reduzieren. Dann läge der Streubesitz bei etwa 40 Prozent. Bis dahin prägt der begrenzte Free Float das Profil der Aktie.
Bewertung sinkt, Bilanz wird glatter
Die Bewertungserwartung hat sich bereits abgekühlt. Berater taxieren KNDS inzwischen auf 18 bis 20 Milliarden Euro. Früher standen bis zu 25 Milliarden Euro im Raum.
Vor dem Listing hat KNDS auch die Bilanz aufgeräumt. Der Konzern verkaufte am 22. Mai 2026 einen Teil seiner RENK-Beteiligung und nahm rund 262 Millionen Euro ein. Die Platzierung lief über ein beschleunigtes Bookbuilding.
KNDS gab rund 5,8 Prozent der RENK-Aktien ab. Es bleibt ein Restanteil von etwa 10 Prozent. RENK liefert weiter zentrale Antriebstechnik für den Leopard 2.
Die verbliebenen Aktien sind für 180 Tage gebunden. Ein weiterer Verkauf ist damit vor November ausgeschlossen. Deutsche Bank und Goldman Sachs führten die Platzierung, Lazard beriet finanziell.
Operativ erhöht KNDS vor dem Börsengang das Tempo. Im Mai liefen die ersten modernisierten PzH 2000 A4 für die Bundeswehr vom Band. Sie gehören zu einem Ersatzauftrag über 22 Systeme für Material, das an die Ukraine geliefert wurde.
Parallel laufen 123 Leopard 2 A8 bereits in der Produktion. Bei Mehrfachraketenwerfern setzt KNDS auf EuroPULS. Das Bundeskartellamt gab das Gemeinschaftsunternehmen am 30. April 2026 frei.
KNDS bringt Feuerleit-Know-how und europäische Kundenkontakte ein. Elbit steuert das PULS-System bei. Die Partner halten das Joint Venture je zur Hälfte.
Deutschland hat fünf Starter für eine erste Einsatzfähigkeit bestellt. Die Lieferung und Qualifikation sind für 2027 vorgesehen. Die Beschaffung läuft über eine Regierungsvereinbarung zwischen den Niederlanden und Israel.
Rückenwind kommt auch aus der NATO. Generalsekretär Mark Rutte sagte am 23. Mai, die Mitglieder bereiteten zusätzliche Verteidigungsausgaben in Höhe von Hunderten Milliarden vor.
Das Bündnis hebt sein Ausgabenziel von 2 Prozent auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an. Der Zeithorizont reicht bis 2035. Mehrere Länder wollen schneller vorankommen.
Für KNDS ist der Juni damit mehr als ein Börsenfenster. Das Testat ist da, die Zahlen liefern Wachstum und der Rüstungszyklus hilft. Der offene Punkt bleibt die Preislogik beim Staatseinstieg. Klärt sich dieser Konflikt rechtzeitig, kann der Prospekt in die Roadshow gehen.
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