KNDS Aktie: 972-Millionen-Auftrag für 72 Haubitzen

KNDS startet mit britischem Haubitzen-Auftrag in die Eurosatory, während der geplante Börsengang durch Bewertungssenkung und offene Eigentümerfragen belastet wird.

Die Kernpunkte:
  • Britischer Auftrag über 72 Panzerhaubitzen
  • Auftragsbestand steigt auf 33,1 Milliarden Euro
  • IPO-Bewertung auf 18 bis 20 Milliarden gesenkt
  • Offene Eigentümerstruktur belastet Börsenpläne

Morgen öffnet die Eurosatory in Paris ihre Tore — und KNDS betritt die Messe mit einem frischen Milliardenauftrag in der Tasche, aber offenen Fragen rund um den geplanten Börsengang. Für den pan-europäischen Rüstungskonzern sind die nächsten fünf Tage möglicherweise die wichtigsten vor dem Listing.

Britischer Auftrag als Einstieg

Den stärksten Einstieg liefert ein Vertrag der britischen Armee. OCCAR hat im Auftrag des britischen Militärs fast eine Milliarde Pfund für 72 ferngesteuerte Panzerhaubitzen des Typs RCH 155 freigegeben. Den Auftrag erhält ARTEC GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall.

Die Haubitzen werden auf dem Boxer-Radpanzer montiert. Sie können acht Schuss pro Minute abfeuern und Ziele in bis zu 70 Kilometern Entfernung treffen. Erste Lieferungen beginnen 2028. KNDS UK fertigt in Stockport zentrale Komponenten der Boxer-Plattform — Fahrgestell, Motoren, Getriebe. Das sichert rund 500 Arbeitsplätze in der britischen Rüstungsindustrie.

Auf der Messe selbst zeigt KNDS sieben Systeme, darunter eine Weltpremiere. Das Angebot reicht von NATO-Munition im Kaliber 20 bis 155 Millimeter bis zur erweiterten MATARIS-Familie an Loitering Munitions.

Bewertung unter Druck

Das operative Fundament ist solide. Der Auftragsbestand kletterte auf 33,1 Milliarden Euro — nach 23,5 Milliarden Ende 2024. Das entspricht mehr als dem Siebenfachen des Jahresumsatzes. Der Umsatz wuchs 2025 um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg auf 661 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 15,0 Prozent.

Das Wachstum kam aus allen Segmenten. Das deutsche Landfahrzeuggeschäft legte 17,4 Prozent zu, das französische 9,6 Prozent. Die Munitionssparte wuchs am stärksten: plus 24,7 Prozent auf 612 Millionen Euro. Hinzu kommt der Verkauf der Renk-Beteiligung im Mai, der 262 Millionen Euro in die Kasse spülte.

Trotzdem haben die begleitenden Banken — Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale — die Bewertungsspanne auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesenkt. Ursprünglich kursierten Schätzungen von bis zu 25 Milliarden Euro.

Governance als Knackpunkt

Der Zeitplan für das Doppellisting in Frankfurt und Paris — ursprünglich für Juni oder Juli 2026 geplant — gilt in Berliner Regierungskreisen inzwischen als „extrem ambitioniert“. Deutschland will vor dem Börsengang einsteigen, nicht danach. Für einen Anteil ähnlich dem der Franzosen rechnen Finanzkreise mit einem Kaufpreis zwischen 6 und 8 Milliarden Euro.

Solange die Eigentümerstruktur nicht geklärt ist, bleibt ein zentrales Investorenargument offen: Kann ein Konzern unter doppelter Staatskontrolle die Renditeerwartungen eines klassischen Industriewerts erfüllen?

Einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor liefert ein möglicher US-Armeeauftrag. Fällt die Entscheidung in Washington in das Zeichnungsfenster, könnte die Nachfrage deutlich anziehen. Ohne diesen Faktor muss KNDS die 20-Milliarden-Bewertung allein mit operativen Argumenten verteidigen.

Die Eurosatory läuft bis zum 19. Juni. Danach beginnen die Roadshow-Gespräche mit Fondsmanagern — und dort entscheidet sich, ob Juni oder Juli noch realistisch ist, oder ob September das neue Zieldatum wird.

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